Börse:Milliarden für Melodien

Taylor Swift

Die Sängerin Taylor Swift ist bei Universal Music unter Vertrag.

(Foto: Ian West/AP)

Beatles, Lady Gaga, Taylor Swift und Helene Fischer: Das Plattenlabel Universal Music feiert seinen Börsengang. Mit einer besonderen Musikeinlage.

Von Victor Gojdka

Vielleicht ist es ein etwas ungewöhnlicher Musikact, den das Label Universal Music zu seinem Börsengang mitgebracht hatte. Schillernd war er, auf jeden Fall. Donnernd hallte er übers Parkett, das auch. Musikwissenschaftler würden ihn wohl in die Kategorie der Idiophone einsortieren. Was letztlich nicht mehr als Wortgeklingel ist für die simple Feststellung, dass beim Börsengang von Universal Music weder Lady Gaga, Taylor Swift noch Helene Fischer antanzten - sondern um Punkt neun Uhr lediglich der donnernde und golden schimmernde Amsterdamer Börsengong geschlagen wurde.

Das alleine mag verwundern, war die Musikindustrie lange nicht für klingende Kassen bekannt: Schallplatten interessierten nur noch Liebhaber, CDs hatten nicht einmal deren Knacken und Knarzen zu bieten, sondern nach einiger Zeit und vielen Kratzern bloß noch stotternde Musikfetzen. Doch seit dem Boom der Streamingdienste im Netz lassen sich mit Melodien für Millionen wieder Milliarden machen. Universal Music hat das nun auf besondere Weise vor Augen geführt: Noch am Montag war der Referenzpreis der Aktien mit 18,50 Euro festgelegt worden, schon am Dienstag lag der erste Kurs im freien Handel mit 25,25 Euro deutlich darüber.

Es ist Europas bislang größter Börsengang in diesem Jahr

Die Branchenstatistiken sind schließlich Musik in den Ohren der Investoren: Noch 2014 hatte die gesamte Tonträgerbranche gerade einmal 14,5 Milliarden Dollar Umsatz gemacht, 2020 waren es bereits wieder 21 Milliarden. Ungefähr im selben Zeitrahmen hat sich der Unternehmenswert von Universal Music schier versiebenfacht. Und seit heute haftet dem Label gewissermaßen noch ein Label an: Europas größter Börsengang in diesem Jahr.

Viele Musikmanager wollen das Geschäft mit den Streamingdiensten wie Spotify nicht mehr missen. Langwierig CDs zu pressen, in den Handel zu karren und am Ende doch nur die aktuellsten Scheiben anbieten zu können, ist nun nicht mehr Kern des Geschäfts. Stattdessen haben die Nutzer mit Streamingdiensten sogar Schlagertitel von vor 50 Jahren im Handumdrehen auf dem Handy. Und die Musikfirmen einträgliche Einnahmen in der Kasse.

Im ersten Halbjahr zumindest standen Abos und Streaming bei Universal für knapp zwei Drittel des eigenen Umsatzes. Während man insgesamt 3,1 Milliarden Euro einspielte, kamen 2,1 Milliarden davon aus dem Streaminggeschäft - nur knapp 500 Millionen von CDs und Schallplatten.

Während in manchen westlichen Märkten der Erfolg des Streamings jedoch nahezu ausgereizt erscheint, hoffen die großen Musiklabels auf mehr Abos aus Schwellenländern wie Indien, Indonesien oder China, wo Menschen vielleicht auch bald zehn Dollar für ein Abo lockermachen könnten. Der chinesische Internetriese Tencent jedenfalls hat sich im vergangenen Jahr jedenfalls bereits schon an Universal Music beteiligt. Schließlich sollen auch Chinesen hören, wie die Beatles "Let It Be" singen, Helene Fischer vom "Zaubermond" trällert und André Rieu seine Geige zückt.

Das wiederum könnte jedoch auch ein Warnsignal sein, wusste Bankier Carl Mayer von Rothschild doch schon im vorvergangenen Jahrhundert zu sagen: "Verkaufen, wenn die Violinen spielen."

© SZ
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