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Unicredit:Der Elch bleibt

Bankchef Mustier will Milliarden ausgeben für die IT und die Aktionäre. Zugleich sollen Tausende Stellen wegfallen - auch bei der deutschen Tochter Hypo-Vereinsbank.

Sein Plüschtier hat Jean Pierre Mustier auch dieses Mal dabei. "Elkette" begleitet den Chef des italienischen Bankenkonzerns Unicredit nun schon fast seit seinem Amtsantritt von Termin zu Termin. Seinen ersten großen Auftritt hatte der kleine Elch, als Mustier Ende 2016 seinen großen Spar- und Umbauplan für Unicredit vorstellte - nicht am Stammsitz in Mailand, sondern in London, vor Europas Finanzelite. "Elkette" sollte der Härte von Mustiers Plänen seitdem ein freundliches Antlitz geben. Und nun, drei Jahre und mehr als 14 000 gestrichene Jobs später, sitzt der Elch wieder auf dem Rednerpult. Mit gutem Grund, denn auch in den kommenden vier Jahren wird bei der Konzernmutter der Münchner Hypo-Vereinsbank (HVB) weiter gespart.

Mustiers neue Strategie - Codename: "Team 23" - sieht vor, dass bis Ende 2023 etwa 8000 Stellen in den westeuropäischen Standorten wegfallen und weitere 500 Filialen des Konzerns schließen. Das soll jährlich eine Milliarde Euro an Kosten sparen. Zugleich will Mustier viel Geld investieren: Im Schnitt soll die Bankengruppe etwa 900 Millionen Euro jährlich für die IT-Ausstattung ausgeben. Acht Milliarden Euro sind für die Pflege des Aktienkurses vorgesehen, davon sechs Milliarden als Dividenden und zwei Milliarden für Aktienrückkäufe. Finanziert werden soll all das aus dem "harten" Gewinn ohne Einmaleffekte, der dem Plan zufolge ebenfalls kräftig steigen soll: von 4,3 Milliarden Euro im kommenden Jahr auf fünf Milliarden bis Ende 2023.

Die neue Strategie zeigt Mustiers Dilemma

"Team 23" zeigt Mustiers Dilemma. In nur dreieinhalb Jahren hat er die einst schwer angeschlagene Unicredit komplett umgebaut und auf Gewinn getrimmt. Die Kosten sind deutlich gesunken, das Kapital wurde - auch durch eine milliardenschwere Kapitalerhöhung und den Verkauf von Beteiligungen - gestärkt und die Masse notleidender Anlagen in den Büchern ist seit 2015 um fast 50 Milliarden Euro gesunken. Allein: Genutzt hat es wenig. Seit dem 13. Dezember 2016, dem Tag an dem Mustier das letzte Sparprogramm vorlegte, hat die Aktie gut elf Prozent an Wert verloren. Und auf die neuen Ankündigungen reagierte die Börse am Dienstag kaum.

Unicredit SpA CEO Jean Pierre Mustier Interview

Früher war Jean Pierre Mustier mal Fallschirmjäger, seit 2016 ist er Chef von Unicredit.

(Foto: Hollie Adams/Bloomberg)

Einer Fusion mit einem anderen europäischen Geldhaus erteilte Mustier für die kommenden Jahre dennoch eine Absage: "Wir bevorzugen Aktienrückkäufe gegenüber einem Zusammenschluss", sagte der Unicredit-Chef. In den vergangenen Monaten war ihm immer wieder Interesse am Kauf der Commerzbank oder einem Zusammengehen mit seinem alten Arbeitgeber, der französischen Société Générale, nachgesagt worden. Übernahmen werde es, wenn überhaupt, nur in kleinem Maßstab in Mittel- und Osteuropa geben. Das geplante Wachstum wolle Unicredit ansonsten allein schaffen, sagte Mustier.

Das sollen vor allem mittelständische Firmen und Privatkunden bringen, die künftig schneller und einfacher mit Krediten und anderen Dienstleistungen versorgt werden sollen. Allerdings, wird Mustier nicht müde zu betonen, nicht um jedem Preis: Man werde nicht auf Masse setzen, sondern auf die Qualität der Kunden achten. Helfen soll dabei Digitalisierung. So soll in den kommenden Jahren beispielsweise das Papier völlig aus den Filialen verschwinden, alle Geschäfte sollen einfacher, schneller und nebenher billiger werden. Erste Erfolge gebe es schon, sagt Mustier: "Zum ersten Mal seit Jahren" gewinne man beispielsweise in Deutschland neue Kunden hinzu.

5500 Jobs könnten in Italien wegfallen, der Rest in Deutschland und Österreich

Der verschärfte Sparkurs kostet allerdings zunächst einmal Geld, nach Angaben der Bank 1,4 Milliarden Euro in diesem und kommendem Jahr. Davon seien 1,1 Milliarden für Italien und 300 Millionen für Deutschland und Österreich vorgesehen. Wie genau sich der Abbau von Stellen und Filialen auf Italien, Deutschland und Österreich aufteilt, wollte Mustier am Dienstag allerdings noch nicht sagen. Dazu liefen derzeit Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern. Der Stellenabbau solle aber sozial verträglich ablaufen. Allerdings vermuteten italienische Gewerkschafter am Dienstag, dass sie am stärksten betroffen sein könnten - und kündigten Widerstand an. Von den angekündigten 8000 Stellen könnten demnach 5500 und von den insgesamt 500 Filialen 450 in Italien wegfallen, hieß es. "Wir sind bereit zu jeder Gegenwehr und wir bitten die Regierung, deutlich Stellung gegen diesen Plan zu beziehen", sagte Gewerkschafter Massimo Masi.

Der Elch an seiner Seite: Kuscheltier "Elkette" soll dem Sparkurs ein nettes Gesicht geben.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Sollte die Zahl stimmen, blieben noch rund 2500 Stellen, die bei der HVB, der österreichischen Bank Austria (BA) sowie an anderen westeuropäischen Standorten gestrichen werden. Die HVB ist die größte und wichtigste Auslandstochter der Unicredit und hat in den vergangenen Jahren bereits rund 240 Filialen geschlossen und in mehreren Runden mehr als 4000 Stellen abgebaut. Darauf, dass die Bank nun bald noch weniger Mitarbeiter haben könnte, deutet ein Immobiliengeschäft hin: So verkaufte die HVB erst am Montag einen Büro-Campus in bester Stadtlage, gleich neben dem Englischen Garten, an Investoren. Die Bank werde aber Mieter auf dem 120 000 Quadratmeter großen Areal bleiben - "bis auf Weiteres", wie es hieß.

"Unser Team weiß, wie man eine Geschäftsstrategie umsetzt", sagte Mustier dann noch. Für viele Mitarbeiter dürfte das eher nach Drohung denn nach Verheißung klingen, vor allem, wenn der Aktienkurs nicht vom Fleck kommt. Gut möglich, dass "Elkette" dann der einzige Mitarbeiter im Konzern ist, der eine uneingeschränkte Jobgarantie hat.