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Umweltschutz:Der grüne Prinz

Seit Jahrzehnten setzt sich der britische Thronfolger Prinz Charles für einen besseren Klima- und Umweltschutz ein. Beim Weltwirtschaftsforum im schweizerischen Davos drückt er aufs Tempo und ruft die anwesenden Topmanager zum Handeln auf.

Seit bald 50 Jahren plädiert Prinz Charles für Umweltschutz, seine erste Rede zum Thema hielt er im Dezember 1968. "Ganz ehrlich: Das war wie bergauf zu radeln", sagte der britische Thronfolger jetzt auf dem Weltwirtschaftsforum. "Aber nun ist Zeit, noch einen Gang höher zu schalten." Charles stellte in Davos eine Initiative vor, die Märkte nachhaltiger machen soll. "Wir müssen unser Wirtschaftssystem weiterentwickeln", sagte er. Die Gesellschaft müsse die Wirtschaft rasch der Natur anpassen.

Es fehle nicht an Kapital, sondern daran, wie es eingesetzt werden. Ein Paradigmenwechsel sei nötig. Während seiner Rede wurde hinter ihm ein Logo seiner Krone projiziert, das in den Farben der UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung leuchtete. Charles appellierte an die Privatunternehmen, dass sie als die Ersten sich für das Klima einsetzen müssten. Die Risiken durch den Klimawandel seien groß, aber die Erde habe eine Chance - "wenn wir alle am gleichen Strang ziehen."

Charles stellte eine Reihe von Forderungen auf, wie das Wirtschaftssystem weiterentwickelt werden solle. Unternehmen und Staaten müssten Pläne aufstellen, wie sie eine dekarbonisierte Wirtschaft erreichen wollten. Er betonte die positive Rolle von Marktdynamiken und die negative Rolle von Marktbarrieren. "Ein bisschen Wettbewerb kann viel bringen", sagte Charles. Subventionen müssten zurückgedreht werden. Er erwähnte Techniken wie Nuklearfusion, 3-D-Drucker und CO₂-Abscheidung, die kurz vor dem Durchbruch stünden, technisch machbar und profitabel eingesetzt werden zu können.

Auch die Konsumenten hätten Macht, sie bräuchten aber bessere Informationen darüber, wie nachhaltig die Produkte sind, sagte Charles: "Wir können von den Konsumenten nicht erwarten, nachhaltig zu entscheiden, wenn die Möglichkeiten nicht klar vor ihnen liegen." Die anwesenden Topmanager rief er zum Handeln auf. Sie sollten nicht in die Geschichte eingehen als diejenigen, die nichts getan hätten, als die Welt am Abgrund stand. "Ich brauche Ihre Hilfe", appellierte Charles. Unternehmen müssen die Führung übernehmen, damit der staatliche Sektor nachziehe. "Die einzige Grenze ist unser Wille zu handeln."

© SZ vom 23.01.2020
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