Umstrittener Privatkredit von Christian Wulff:Das große Geld mit Immobilien verdient? "Nein!"

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Noch profitabler geraten seine Geschäfte als Juwelier in Osnabrück. Mitten in Christian Wulffs Heimatstadt übernimmt der Unternehmer in den siebziger Jahren ein alteingesessenes, kleines, feines Schmuckgeschäft. Der Laden läuft prächtig, lockt aber auch Ganoven an. Einmal zwingen Räuber die Angestellten mit Waffengewalt auf den Boden und räumen den Tresor leer. Am 11. April 1995, morgens kurz vor fünf Uhr, sprengten vermummte Täter "die halbe Fassade weg", erinnert sich Geerkens, um in den Laden zu kommen und ihn auszurauben. Schaden und Beute gingen in die Hunderttausende. Und das ausgerechnet an dem Tag, an dem der Inhaber heiratete.

Es heißt, das wirklich große Geld habe Egon Geerkens nicht mit Schrott und Schmuck, sondern als Immobilienunternehmer verdient. "Falsch", sagt er: "Ich habe nie gewerblich mit Immobilien gehandelt, sondern solche immer zu meiner privaten Vermögensanlage gekauft und entwickelt."

Bevorzugt in Osnabrück, in einem Fall auch in Berlin-Mitte. Zur Einweihung des Einkaufszentrums Theaterpassage in Osnabrück kamen sogar Thomas Gottschalk und Hannelore Kohl. Und dann war da noch jenes Penthouse am Nikolaiort, ebenfalls in Osnabrück. Mit einem Kran musste man Badewanne, Klavier und anderes Großmobiliar spektakulär nach oben in den sechsten Stock hieven, weil das Treppenhaus für den normalen Transport zu eng waren. Von da oben hat man einen herrlichen Ausblick. Christian Wulff hat hier 1988 mit seiner ersten Frau Christiane Hochzeit gefeiert.

"Das waren junge Leute, die hatten damals noch kein Geld, und da habe ich ihnen zur Feier meine Wohnung zur Verfügung gestellt", sagt Geerkens. Wulff war damals 29 Jahre alt, noch in der Juristenausbildung, aber schon Stadtrat in Osnabrück und Mitglied im niedersächsischen CDU-Landesvorstand. Bei einem CDU-Bundesparteitag hatte der Funktionär Jahre zuvor aufmüpfig gegen Verfahrenstricks bei der Aufarbeitung der Spendenaffäre seiner Partei gestänkert und auf sich aufmerksam gemacht.

Vom Politiker Christian Wulff habe er nie profitiert, sagt Egon Geerkens. Kein öffentlicher Auftrag, keine staatliche Zuwendung. Dreimal begleitete er als Mitglied niedersächsischer Wirtschaftsdelegationen den Ministerpräsidenten Wulff auf Auslandsreisen: nach China, Japan und in die USA. "Ich habe alle drei Reisen selbst bezahlt, die Flüge, die Hotels, sogar die Organisationsgebühr der IHK", erklärt der Mittelständler.

2007 hat Egon Geerkens sein Schmuckgeschäft verkauft. Auch von seinen Immobilien hat er sich nach eigenen Angaben nach und nach fast komplett getrennt. 2003 erkrankte er lebensbedrohlich an Krebs und musste sich schweren Operationen unterziehen. Danach zog sich der Vater zweier minderjähriger Kinder aus dem Geschäftsleben zurück - das Familienleben in der Schweiz steht nun im Zentrum. "Zu dem Zeitpunkt, als Christian Wulff den Kredit meiner Frau erhielt, war ich schon längst kein Unternehmer mehr", sagt Egon Geerkens.

Die 500.000 Euro habe seine Frau von ihrem Schweizer Konto auf ihr Konto bei der Sparkasse Osnabrück überwiesen. Dann habe sie einen Scheck über die Summe ausgestellt und diesen Christian Wulff übergeben. Der zahlte fortan pünktlich seine Raten. Das war zu einem Zeitpunkt, als die Republik Egon Geerkens noch nicht kannte. Das hat sich gründlich geändert.

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