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Twitter:Entfolgungsangst

Fast 60 Millionen Menschen folgen Donald Trump auf Twitter. Nicht genug, findet der US-Präsident.

(Foto: John Locher/AP)

Warum sinkt die Zahl seiner Anhänger beim Kurznachrichtendienst Twitter? Das wollte der US-Präsident Donald Trump ganz genau wissen.

Er sei das Beste, was Twitter je gesehen habe, brüstete sich Donald Trump am Dienstagmorgen auf seinem Lieblingsmedium, um dann zu klagen: Der Kurznachrichtendienst würde ihn als Republikaner nicht gut behandeln und Profile seiner Anhänger löschen.

Dabei hat kein anderer aktiver Politiker mehr Twitter-Anhänger als Trump. Mit fast 60 Millionen Followern steht er auf Platz 13 der Accounts mit der größten weltweiten Reichweite. Der Staatschef mit den zweitmeisten Anhängern ist der indische Premierminister Narendra Modi mit nur knapp 47 Millionen Followern. Angeführt wird das Twitter-Ranking überwiegend von Popstars. Mit mehr als 107 Millionen Anhängern steht Katy Perry ganz vorn. Auf Platz 2 im Twitter-Ranking findet sich allerdings Ex-Präsident Barack Obama, er hat über 45 Millionen Follower mehr als Trump. Das stinkt dem aktuellen US-Präsidenten gewaltig. Die Zahl seiner Anhänger müsste eigentlich sehr viel höher sein, behauptete er in einem Tweet am Dienstagmorgen. Um die "politischen Spielchen" von Twitter zu unterbinden, müsste sich der Kongress der Sache annehmen, forderte er in einem weiteren Tweet.

Nur wenige Stunden nachdem Trump seine Tweets abgesetzt hatte, empfing er Jack Dorsey, Gründer und Verwaltungschef von Twitter, höchstpersönlich im Weißen Haus. Ein großer Teil des von Trump initiierten privaten Gesprächs habe sich um die Frage gedreht, warum er nun weniger Follower habe, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person zur Washington Post.

Trump hat sich bereits mehrfach darüber beklagt, dass er Hunderttausende Follower verloren habe und es anderen Konservativen genauso gehe. Er verdächtigt Twitter und andere soziale Medien, konservative Politiker zu zensieren. Twitter widerspricht. Der Kurznachrichtendienst verhalte sich politisch neutral.

Kritiker monieren, dass Trump mit Beschimpfungen oft die Standards verletze

Auf der anderen Seite ist Dorsey schon länger dem Druck ausgesetzt, Trumps Tweetflut einzudämmen. Kritiker monieren, dass der Präsident mit Bedrohungen und Beschimpfungen regelmäßig die Standards von Twitter verletze. Der Konzern beharrte lange darauf, dass für Prominente andere Regeln gelten und ihre Äußerungen wegen des öffentlichen Interesses nicht gelöscht würden. Im März kündigte Twitter ein neues Vorgehen an: Künftig sollen beleidigende Tweets von Prominenten gekennzeichnet und mit einer Bemerkung versehen werden, so dass Nutzer verstehen, warum sie trotz regelwidrigen Inhalts nicht gelöscht werden.

Die sinkenden Followerzahlen erklärt Twitter damit, dass im vergangenen Jahr mehrere Millionen Fake-Accounts entfernt wurden. Das soll Dorsey laut Washington Post im Gespräch mit Trump noch einmal wiederholt haben. Er soll betont haben, dass auch er selbst 200 000 Anhänger verloren habe.

Ein Twitter-Sprecher nannte das Gespräch im Weißen Haus "konstruktiv". Trump und Dorsey hätten über Twitters Verpflichtung gesprochen, eine gesunde öffentliche Debatte im Hinblick auf die US-Wahlen 2020 zu schützen, sowie über Bemühungen in der Opiatkrise. "Ein großartiges Meeting im Weißen Haus mit Jack von Twitter", twitterte Trump nach dem Treffen.