bedeckt München 32°

Tropenholz mit Umweltzertifikat:Rendite aus dem Regenwald

Bei der ökologischen Verwaltung der wertvollen Ressourcen hilft Hightech wie bei der Nasa. Die firmeneigenen Grundstücke sind eingeteilt in Planquadrate, quantifiziert mit Hilfe des Computers.

Jeder Baum ist nach Typ, Größe und Alter aufgelistet. Die Holzfäller von Precious Woods fallen nicht mit der üblichen Brachialmethode ein und machen alles nieder. Gestürzt werden vielmehr nur zehn Prozent der Bestände. Es trifft nur bestimmte Arten und Exemplare in exakten Abständen und nach biologischen Berechnungen, pro Hektar 17 Kubikmeter Holz.

Verkaufsschlager in Europa

Ein gefällter Baum habe immer eine Wirkung auf die Umgebung, sagt Spezialist van Eldik, "aber wir versuchen, es auf die beste Weise zu machen - mit detaillierter Planung, professionellen Schlagmethoden und wenig Kollateralschäden." Statt mit Traktoren und Baggern werden die abgesägten Stücke mit Seilzügen herausgeholt. Danach darf sich das sachte ausgedünnte Terrain 25 Jahre lang erholen.

Die Sektion B zum Beispiel sieht noch immer aus wie ein unberührter Garten Eden. Dieser Teil war in den Anfängen von Precious Woods am Amazonas 1996 das Experimentierfeld. Die Wege, über die einzelne Bäume entfernt wurden, sind zwölf Jahre später weitgehend zugewachsen. 13 weitere Jahre hat die Wildnis Zeit bis zum nächsten Zyklus.

Die Baumkronen schützen vor der schwülen Hitze. Viele Arbeiter kommen aus einem nahegelegenen Dorf mit Hütten auf Stelzen. Die Hölzer mit dem Qualitätslabel FSC landen dann in fernen Häusern.

Trotz des Aufwands lassen sich sogar Gewinne machen, aber einfach ist es nicht. Für das erste Halbjahr 2008 meldet Precious Woods einen Gesamtertrag von 63,5 Millionen Dollar, 50 Prozent mehr als 2007, durch die Stärke von Fremdwährungen wie dem brasilianischen Real blieben 30 Prozent.

"Unsere Investitionen sind hoch, aber sie zahlen sich aus, weil wir effektiver sind als andere", sagt Manager van Eldik. Europäer kaufen das politisch korrekte Holz besonders gerne, obwohl es deutlich teurer ist als ungeprüftes.

Hohe Geldstrafe durch Umweltaufsicht

Die Schweizer bekommen Umweltpreise, auch Greenpeace lobt. Aber immer wieder bedrohen die Landlosen-Vereinigung und korrupte Funktionäre die brasilianischen Niederlassungen von Precious Woods. Greenpeace-Frontmann Paulo Adário sagt: "Es ist sehr schwer, am Amazonas verantwortungsvoll tätig zu sein. Precious Woods ist ein klares Beispiel."

Der Regierung in Brasilia sind ausländische Naturschützer und Unternehmen mit ihren hehren Zielen suspekt. Präsident Luiz Inácio Lula da Silva sieht die nationale Hoheit über das Reich Amazonien gefährdet.

Die Umweltaufsicht Ibama brummte den Eidgenossen vor einigen Jahren eine Strafe von 20 Millionen Reais auf, nach heutigem Kurs 8,2 Millionen Euro, seither wird darum gestritten. Precious Woods Amazon habe gegen Transportbestimmungen verstoßen, behaupten die Kläger.

"Das ist, als ob du einen Pass brauchst, um deinen Teller aus der Küche ins Esszimmer zu tragen", spottet Adário. Er weiß, was die gewaltige Buße für diesen Ableger von Precious Woods bedeuten würde: "Wenn sie das zahlen müssen, dann sind sie pleite."

© SZ vom 02./03.08.2008/jpm/mel

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite