Travis Kalanick Uber-Chef Kalanick tritt zurück

  • Travis Kalanick tritt wohl nur als Chef zurück - weiterhin will er Mitglied des Verwaltungsrates sein.
  • Die Rücktrittsforderung an Kalanick kam von den Investmentfirmen Benchmark, First Round Capital, Lowercase Capital, Menlo Ventures und Fidelity Investments.

Uber-Chef Travis Kalanick hat unter massivem Druck die Spitzenposition bei dem Fahrdienst-Vermittler aufgegeben. Weiterhin wolle er aber im Verwaltungsrat bleiben, schreibt die New York Times unter Berufung auf informierte Personen. Ein Sprecher des Unternehmens bestätigte mittlerweile den Bericht.

Zuvor hätten fünf führende Anteilseigner von Uber einen sofortigen Rückzug Kalanicks für einen Neuanfang gefordert.

Kalanick hatte vergangene Woche eine unbefristete Auszeit genommen, nachdem im Zuge einer Untersuchung zu Vorwürfen von Sexismus und Diskriminierung bei Uber massive Veränderungen beschlossen wurden, die seine Vollmachten beschneiden sollten.

"Ich liebe Uber mehr als alles andere auf der Welt"

Er trauert derzeit um seine bei einem Bootsunfall ums Leben gekommene Mutter. "Ich liebe Uber mehr als alles andere auf der Welt und in diesem schwierigen Moment in meinem persönlichen Leben habe ich die Forderung der Investoren akzeptiert, beiseitezutreten, damit Uber wieder zum Aufbauen zurückkehren kann, statt durch einen weiteren Kampf abgelenkt zu werden", zitierte die New York Times aus einer bisher nicht veröffentlichten Erklärung Kalanicks.

Die Rücktrittsforderung an Kalanick kam der New York Times zufolge von den Investmentfirmen Benchmark, First Round Capital, Lowercase Capital, Menlo Ventures und Fidelity Investments.

Travis Kalanick Uber-Chef Kalanick lässt sich beurlauben
Uber

Uber-Chef Kalanick lässt sich beurlauben

Der Manager stand wegen seines rüden Führungsstils und mehreren Skandalen in der Kritik. Sein Rückzug dürfte aber auch mit einem privaten Schicksalsschlag zusammenhängen.   Von Claus Hulverscheidt, New York, und Jan Schmidbauer

Uber nahm Milliarden bei Investoren ein und war bei diesen Geldspritzen laut Medienberichten mit bis zu 69 Milliarden Dollar bewertet worden - ein Rekord für ein Start-up.

Der langjährige Firmenchef, der die umstrittene Unternehmenskultur und die aggressive internationale Expansion geprägt hat, hatte bislang betont, dass er die Führungsrolle behalten und als besserer Manager und Mensch aus der Auszeit zurückkehren wolle. Uber und Kalanick waren in den vergangenen Wochen immer stärker unter Druck geraten.

Das wegen seiner aggressiven Firmenkultur und Wachstumsstrategie berüchtigte Unternehmen musste eine tiefgreifende Untersuchung einleiten, nachdem eine ehemalige Software-Entwicklerin von Sexismus und sexueller Belästigung berichtete, die trotz Beschwerden folgenlos geblieben seien.

In einem ersten Schritt waren rund 20 Mitarbeiter entlassen und Dutzende weitere in Schulungen geschickt worden. Jetzt sollen neue Strukturen und Kontrollmechanismen geschaffen werden, um solche Fälle zu verhindern.

Unter anderem sollen nach Empfehlungen einer Untersuchungskommission unter Führung des ehemaligen US-Justizministers Eric Holder Beschwerden von Mitarbeitern über das Arbeitsklima besser dokumentiert und mehr Frauen in der Auswahl für Führungspositionen berücksichtigt werden. Zudem wird der Konsum von Alkohol bei Firmenpartys eingeschränkt. Die 13 Seiten langen Empfehlungen offenbarten auch das Ausmaß der Mängel in Ubers Unternehmensführung.

Uber Zeit, erwachsen zu werden

Uber-Chef Travis Kalanick

Zeit, erwachsen zu werden

Travis Kalanicks aggressiver Führungsstil ist Kern des Erfolgs von Uber. Jetzt will der Taxi-Vermittlerdienst seinen Chef freistellen, weil er immer wieder Regeln bricht. Das könnte nach hinten losgehen.   Von Claus Hulverscheidt