Transaktion USA zahlen 1,7 Milliarden Dollar an Iran - in bar

Die seltsame Transaktion wird zum Thema im US-Wahlkampf. Begonnen hat diese Geschichte bereits in den späten Achtzigerjahren.

Von Claus Hulverscheidt

Es war ein trüber Januartag, als der Lkw mit seiner geheimen Ladung über den Genfer Flughafen rollte und schließlich vor einer Frachthalle stoppte. Arbeiter luden eine Palette ab, brachten sie zunächst in einen abgesperrten Bereich und hievten sie dann in ein wartendes Flugzeug. Einige Zeit später hob die Maschine von der Rollbahn ab. Ziel: Teheran.

Etwa so muss es gewesen sein - das legen Bilder des iranischen Staatsfernsehens und Berichte amerikanischer Zeitungen nahe, die jetzt in den USA für heftigen Streit sorgen. Denn bei der geheimen Fracht, die Genf am 17. Januar dieses Jahres verließ, handelte es sich um dicke Bündel Geldscheine, säuberlich gestapelt, in Folie eingeschweißt und mit Spanngurten sowie einem hölzernen Deckel gesichert. Zwei weitere solcher Ladungen sollten noch folgen, eine am 22. Januar, eine weitere am 5. Februar. Stattliche 1,7 Milliarden Dollar wechselten so den Besitzer.

Ein Vergleich nach 37 Jahren

Die seltsame Transaktion geht auf eine Order zurück, die Irans Schah noch kurz vor seinem Sturz Anfang 1979 eingefädelt hatte. Er bestellte damals für 400 Millionen Dollar Militärgerät in den USA, das nach der Islamischen Revolution jedoch nie ausgeliefert wurde. Wenig später verhängte Washington Wirtschaftssanktionen, die Rückzahlung des Geldes war nun schon rein technisch nicht mehr möglich. Erst in diesem Januar, nach 37 Jahren, vereinbarten beide Seiten vor einem Schiedsgericht in Den Haag einen Vergleich. Er umfasst jene 400 Millionen Dollar sowie weitere 1,3 Milliarden an Zinszahlungen.

Eine plumpe Online-Überweisung war allerdings auch weiterhin nicht machbar, denn trotz der leichten Entspannung zwischen beiden Ländern sind einige Finanzsanktionen immer noch in Kraft. Deshalb überwiesen die USA den Dollar-Betrag an eine nicht näher genannte "europäische Bank", die das Geld in Schweizer Franken, Euro und andere Währungen umtauschte und auf den Weg nach Genf schickte.

Vorwurf der "Lösegeldzahlung" steht im Raum

So kreativ sich das US-Außenministerium bei der Abwicklung des Geschäfts anstellte, so groß ist jetzt daheim der politische Ärger. Der Zeitpunkt des Geldtransports fällt nämlich nicht nur mit dem Abschluss der Verhandlungen über die Beendigung des iranischen Atomprogramms zusammen, sondern auch mit der Freilassung von vier Amerikanern aus einem Teheraner Gefängnis. Führende Republikaner wie Senator Marco Rubio aus Florida werfen Präsident Barack Obama vor, "Lösegeld" an Iran gezahlt zu haben. Die Regierung bestreitet das und spricht von einem zeitlichen Zufall. Allerdings hat sie intern eingeräumt, den Start des Geldtransporters vom Genfer Flughafen so lange aufgehalten zu haben, bis die einst inhaftierten US-Bürger ihrerseits in einer Maschine auf dem Weg nach Europa saßen.

Auch den Präsidentschaftswahlkampf hat das Thema längst erreicht. Der republikanische Kandidat Donald Trump berichtete von einem Video, das eine Geldpalette in einer iranischen Maschine zeige. "Skandalös" sei das. Wenig später ruderte er allerdings zurück, denn ein solches Video gibt es wohl nicht. "Das Flugzeug, das ich im Fernsehen gesehen habe", schrieb Trump im Kurzmitteilungsdienst Twitter, sei doch nicht das mit den Geldbündeln an Bord gewesen, sondern das mit den freigelassenen amerikanischen "Geiseln".