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Tokio:Ex-Nissan-Chef Ghosn beteuert seine Unschuld

A court sketch shows ousted Nissan Motor Co Ltd chairman Carlos Ghosn during an open hearing at Tokyo District Court in Tokyo

Carlos Ghosn auf einer Gerichtszeichnung: Der Ex-Nissan-Chef betont, er habe sein Leben der Sanierung des Konzerns verschrieben: "Für diese Ziele habe ich Tag und Nacht gearbeitet."

(Foto: REUTERS)
  • Erstmals seit seiner Festnahme vor sieben Wochen hat sich der Ex-Nissan-Chef Ghosn zu den Vorwürfen gegen ihn geäußert.
  • Er streitet vor Gericht vehement alles ab, beteuert seine Liebe zu Nissan und versichert, stets "ehrenhaft und im Rahmen des Gesetzes" gehandelt zu haben.

Von Christoph Neidhart, Tokio

Ein Bezirksgericht in Tokio hat erstmals seit seiner Festnahme Carlos Ghosn angehört. Der gestürzte Chef von Renault-Nissan, der seit 40 Tagen in Untersuchungshaft sitzt, beteuerte seine Unschuld. "Ich bin fälschlicherweise angeklagt worden, Euer Ehren." Er liebe und schätze Nissan, sagte er dem Gericht, und versicherte, er habe stets "ehrenhaft und im Rahmen des Gesetzes" gehandelt. Er habe nie Bezüge erhalten, die nicht deklariert wurden. Alle Transaktionen, die ihm vorgeworfen würden, seien mit Wissen und Einverständnis der zuständigen Manager von Nissan geschehen.

Ghosns private Börsenverluste, die er angeblich auf Nissan überschrieben habe, erklärte er mit dem 80-Prozent-Kurssturz Nissans und Währungsschwankungen während der Finanzkrise 2008. In der Folge habe seine Bank zusätzliche Sicherheiten verlangt. "Ich hatte damals die Wahl, entweder zurückzutreten oder Nissan würde für meine vorübergehende Verluste bürgen", so Ghosn, der im Falle eines Rücktritts gemäß Arbeitsvertrag mit Nissan vier Millionen US-Dollar erhalten hätte. Das habe als zusätzliche Sicherheit genügt: In einem dreiseitigen Vertrag hätten die Bank, Nissan und Ghosn eine solche Bürgschaft vereinbart. Bedingung war jedoch, dass Nissan dabei kein Geld verlor.

Ghosns Wangen wirkten eingefallen, er scheint grauer geworden

Zum Gerichtstermin, der etwas mehr als anderthalb Stunden dauerte, trug Ghosn einen dunklen Anzug und ein weißes Hemd, aber keine Krawatte. Dazu Plastik-Slippers. Seine Wangen wirkten eingefallen, er scheint grauer geworden. Er betonte, dass er sein Leben der Sanierung Nissans verschrieben habe. Dank ihm habe Nissan tausende Stellen schaffen können und sei eine Säule der japanischen Wirtschaft. "Für diese Ziele habe ich Tag und Nacht gearbeitet." Er hatte auch scheinbar plausible Erklärungen für eine Zahlung an den saudiarabischen Geschäftsmann Khaled Al Juffali und für ein Swap-Abkommen mit der Tokioter "Shinsei"-Bank. Seine Verteidiger lieferten die Rechtsgrundlagen zu Ghosns Erklärungen. Er habe nie gegen die Pflicht eines Verwaltungsrats verstoßen.

Während der weiteren Verhandlung saß Ghosn, der in Handschellen in den Gerichtssaal geführt worden war, regungslos zwischen zwei Wächtern. Die beiden anwesenden Staatsanwälte äußerten sich nicht.

Der vorsitzende Richter Yuichi Tada rechtfertigte die Entscheidung, Ghosn müsse in Haft bleiben, mit Fluchtgefahr: "Der Verdächtige hat Basen in andern Ländern." Außerdem bestehe die Risiko, dass Ghosn versuche, andere Leute zu beeinflussen, damit sie Tatsachen vertuschen. Ghosns Anwalt Go Kondo wies dies zurück: "Der Verdächtige ist CEO des französischen Unternehmens Renault. Er ist weit herum bekannt. Es wäre schwierig für ihn zu fliehen." Und es bestehe auch kein Risiko, dass er Beweismaterial zerstöre.

© SZ.de/vit
FILE PHOTO: Carlos Ghosn, Chairman and CEO of the Renault-Nissan Alliance, reacts during a news conference in Paris

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