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Thyssenkrupp:Mehr Aufträge

FILE PHOTO: A steel worker of Germany's industrial conglomerate ThyssenKrupp AG takes a sample of raw iron from a blast furnace at Europe's largest steel factory in Duisburg

Auch die Stahlwerke an Rhein und Ruhr erzielen wieder einen kleinen Gewinn. Sie Sparte soll verkauft werden.

(Foto: Wolfgang Rattay/Reuters)

Der Ruhrkonzern kehrt trotz Corona-Krise in die schwarzen Zahlen zurück - und investiert in seine kriselnden Stahlwerke.

Von Benedikt Müller-Arnold, Düsseldorf

Firmen wie Thyssenkrupp sind Vorboten, wie es der ganzen Wirtschaft geht: In Krisen ordern Kunden weniger Stahl, Autoteile oder Anlagen. Doch wenn es aufwärtsgeht, erholt sich die Nachfrage recht früh. So hat Thyssenkrupp von Oktober bis Dezember 2020 - also noch mitten in der Corona-Krise - mehr Aufträge eingeholt als im Vorjahreszeitraum.

Dies ist ungewohnt frohe Kunde des größten Industriekonzern des Ruhrpotts: Er leidet seit Jahren unter den Folgen einer gescheiterten Übersee-Expansion - und verdiente zu wenig, um in die Zukunft aller Geschäfte zu investieren. Voriges Jahr verkaufte Thyssenkrupp die profitable Aufzugssparte, um eine Überschuldung abzuwenden. Nun melden die Essener für das Vorquartal einen Gewinn von 78 Millionen Euro vor Zinsen und Steuern. Immerhin: Im Vorjahreszeitraum stand ein Verlust.

Auch die Stahlwerke an Rhein und Ruhr sind demnach wieder leicht profitabel. Der Konzern sucht einen Käufer oder Partner für die krisenanfällige Sparte mit 26 000 Beschäftigten. Bislang hat aber nur die britische Liberty Steel ein Kaufangebot abgegeben; und dies wirft noch einige Fragen auf. Alternativ erwägt Thyssenkrupp, die Werke doch zu behalten oder in eine eigenständige Firma abzuspalten.

Egal, wie die für März geplante Entscheidung ausfällt: Schon jetzt hat Thyssenkrupp Investitionen von gut 700 Millionen Euro freigegeben, die in den nächsten Jahren in die Werke Duisburg und Bochum fließen sollen. Damit reagiert der Konzern etwa darauf, dass die Autoindustrie dünnere und leistungsfähigere Stahlsorten nachfragt. Im Gegenzug sollen freilich die Kosten der Sparte noch stärker zurückgehen als vor der Pandemie vereinbart; damals hieß es, dass 3000 Stellen wegfallen sollen. Man verhandele mit den Arbeitnehmervertretern über einen "gemeinsamen Kraftakt", sagt Spartenchef Bernhard Osburg.

Insgesamt erwartet Thyssenkrupp für das Geschäftsjahr, das bis Ende September geht, zwar einen Verlust von mehreren Hundert Millionen Euro. Grund hierfür sind aber vor allem Abfindungen: Der Konzern hatte voriges Jahr angekündigt, dass er bis zu 11 000 Arbeitsplätze abbauen will. Im eigentlichen Betrieb komme man hingegen "einem nahezu ausgeglichenen Ergebnis" näher, teilt Thyssenkrupp mit.

Das liegt auch daran, dass der Konzern weitere verlustreiche Geschäfte identifiziert hat, für die er nun Partner oder Käufer sucht: vom Anlagenbau bis zum Edelstahl. Deren Sammelbecken Multi Tracks mit 18 000 Beschäftigten ist mittlerweile die einzige Sparte, die für das Vorquartal noch Verluste meldet. Und man erwarte dort "Fortschritte noch in diesem Jahr", sagt Finanzvorstand Klaus Keysberg. Die Thyssenkrupp-Aktie hat am Mittwoch zeitweise zwölf Prozent an Wert gewonnen.

© SZ vom 11.02.2021
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