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Thyssenkrupp:800 Stellen in Gefahr

Fertigung der Karosserie des smart fortwo in Hambach

Thyssenkrupp hat beispielsweise Anlagen für den Karosseriebau des "Smart for-two" im französischen Hambach geplant und gefertigt.

(Foto: Thyssenkrupp/oh)

Autobauer ordern weniger Anlagen, erklärt der Konzern. Die IG Metall hofft, den Jobabbau abzuwenden.

Von Benedikt Müller-Arnold, Düsseldorf

Thyssenkrupp will binnen eines Jahres etwa 800 Arbeitsplätze im Anlagenbau für die Autoindustrie abbauen, davon 500 in Deutschland. Das hat der Industriekonzern nun bekanntgegeben. Hintergrund der Pläne ist, dass Aufträge und Umsätze infolge der Corona-Pandemie eingebrochen sind. Zudem will Thyssenkrupp die Sparte zerteilen - daher sind auch Verwaltungsstellen in Gefahr.

So wollen die Essener den Anlagenbau für Autoantriebe und Batterien "perspektivisch" verkaufen oder in Partnerschaften einbringen. Zuvor sollen in diesem Teil hierzulande 270 Arbeitsplätze wegfallen; das beträfe Werke in Sachsen und Bremen. Das Geschäft mit Anlagen für Karosserieteile will Thyssenkrupp hingegen halten. Dort sind 230 Stellen in Baden-Württemberg, Hessen und dem Saarland in Gefahr.

Die Lage im automobilen Anlagenbau sei "extrem angespannt", sagt Ingo Steinkrüger, Chef der Sparte, die bislang etwa 3200 Beschäftigte zählt. "Wir gehen davon aus, dass die Produktionszahlen der Autoindustrie frühestens in zwei bis drei Jahren wieder das Vorkrisenniveau erreichen werden." Daher müsse die Sparte auch das "Standortkonzept anpassen". Dies verheißt nichts Gutes für einzelne Fabriken.

Thyssenkrupp bespreche die Pläne nun mit Arbeitnehmervertretern, sagt ein Sprecher. Ziel sei es, bis kommenden Frühling eine Vereinbarung zu treffen. Bereits im gerade ablaufenden Geschäftsjahr per Ende September hat der Konzern etwa 500 Arbeitsplätze im Autoanlagenbau abgebaut.

Die IG Metall will nach eigenem Bekunden versuchen, den neuerlichen Stellenabbau - zumindest in der Größenordnung - noch abzuwenden. "Dass die See rauer wird und die Wellen höher schlagen, bedeutet nicht gleich, dass die Besatzung von Bord gehen muss", sagt die zuständige Konzernbetreuerin Daniela Jansen. "Zunächst sollten die Kapitäne dafür sorgen, dass neue Segel gehisst oder neue Antriebe gefunden werden." Die Thyssenkrupp-Sparte sollte an ihrer Produktpalette und Organisation arbeiten, so Jansen.

Insgesamt erwirtschaftet Thyssenkrupp etwa ein Viertel der Umsätze mit der Autoindustrie - nicht nur mit Anlagen, sondern etwa auch mit Lenksystemen. Wie das Zuliefergeschäft leiden derzeit auch die Stahlwerke und die Handelssparte unter den Folgen der Corona-Pandemie. Immerhin hat der hochverschuldete Konzern im Sommer seine Aufzugssparte für gut 17 Milliarden Euro verkauft - und daher keine akuten Geldprobleme. Nichtsdestotrotz wollen die Essener weitere defizitäre Geschäfte in Partnerschaften einbringen oder verkaufen.

An der Börse notierte die Thyssenkrupp-Aktie am Dienstag zeitweise zwei Prozent im Minus. Der Kurs liegt gut 60 Prozent niedriger als noch vor einem Jahr.

© SZ vom 30.09.2020

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