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Thomas Fox:Karstadts Aufräumer

Der Sanierungsexperte Thomas Fox hat mitgeholfen, den Handelskonzern Karstadt verkaufsfähig zu machen. Vorerst bleibt er an Bord und baut ein Führungsteam auf. Aber nicht alle schätzen ihn.

Wie viele Tage er im vergangenen Jahr Urlaub gemacht habe, wurde Thomas Fox vor kurzem gefragt. "Nicht einen einzigen", knurrte er zurück. Und um keinen Zweifel an seinem Fleiß und seiner Disziplin aufkommen zu lassen, schob er gleich nach: "Der Samstag ist für mich ein normaler Arbeitstag. Da gehe ich in die Filialen, schaue mich um und spreche mit den Mitarbeitern."

Berggruen und Fox

Thomas Fox (li.): "Ich bin Notarzt und kein Schönheitschirurg.

(Foto: dpa)

An diesem Pensum wird sich für Fox so rasch nichts ändern. Der Sanierungsexperte, der im Auftrag von Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg seit 15 Monaten an einer Perspektive für den Karstadt-Konzern arbeitet, wird auch in den nächsten Monaten mächtig zu tun haben. Zwar steht mit dem deutschamerikanischen Milliardär Nicolas Berggruen ein neuer Eigentümer für die Warenhauskette fest.

Zugeständnisse reichen nicht

Aber die eigentliche Arbeit beginnt jetzt: Um sich am Markt zu behaupten, benötigt Karstadt viele frische Ideen. Auch müssen Strukturen und Arbeitsabläufe neu ausgerichtet werden. Denn allein mit Zugeständnissen von Vermietern und Mitarbeitern ist das Traditionsunternehmen auf Dauer nicht zu retten.

Fox wird der Mann sein, bei dem bei Karstadt auch künftig die Fäden zusammenlaufen. Er ist gesetzt; um ihn herum soll ein neues Führungsteam aufgebaut werden. Das ist der erklärte Wille von Berggruen. Der Investor weiß, was er an Fox hat. Die beiden kennen und schätzen sich, seit der Berater vor drei Jahren ein Tochterunternehmen des einst größten deutschen Möbelherstellers Schieder sanierte und an Berggruen verkaufte.

Fox, Jahrgang 1957, geboren im westfälischen Hamm, ist geschäftsführender Gesellschafter der Beratungsgesellschaft Modalis. Die Firma ist in der Berliner Klingelhöferstraße zu Hause, im selben Gebäude, in dem auch die Kanzlei von Insolvenzverwalter Görg ein Büro unterhält. Die Spezialität der Mitarbeiter von Modalis heißt: Unternehmen in Krisen zu helfen - als Berater oder aber auch als verantwortlicher Manager, falls der Auftraggeber dies wünscht.

Fox ist eigentlich nicht der Typ, der Strategien entwickelt und mit großer Geduld umsetzt. Er bindet sich nicht für lange Zeit an ein Unternehmen. "Ich bin Notarzt und kein Schönheitschirurg", sagt er. Dass Karstadt die Intensivstation verlassen hat, ist zu einem Gutteil sein Verdienst. Nun soll er mithelfen, dass die Traditionsfirma weiter zu Kräften kommt. Aber so rasch wird der Patient nicht genesen. Das weiß auch Fox. Und das dürfte auch der Grund sein, weshalb er gebeten wurde, noch einige Zeit an Bord zu bleiben.

Falscher Ton

Wer sich umhört in der Konzernzentrale und im Umfeld des Unternehmens über den Sanierer Fox, erfährt Widersprüchliches. Er sei knallhart, vergreife sich mitunter im Ton und nehme auf die Befindlichkeiten anderer Menschen wenig Rücksicht, sagen die einen. Dieser Führungsstil sei auch der Grund, weshalb in den vergangenen Monaten zahlreiche Manager der zweiten und dritten Ebene Karstadt verlassen hätten. Von anderer Seite heißt es, Fox sei ein feinsinniger, sehr fairer, aber ungeduldiger Mensch, dessen Tempo nicht immer alle folgen könnten.

Er selber schmunzelt, wenn er wieder einmal auf seine Umgangsformen angesprochen wird und es heißt, er sei Berggruens Mann fürs Grobe. "Ich liebe klare Ansagen", betont er. Und einen Beliebtheitspreis wolle er ohnehin nicht gewinnen. Seine Aufgabe bringe es mit sich, auch Entscheidungen zu treffen, die nicht jedem passen. "Dabei stelle ich die Interessen von Karstadt immer über Partikularinteressen." Gerade das sei in diesem Unternehmen nicht immer so gewesen.

Die Diskussion über die Methoden von Fox ist ohnehin müßig, entscheidend ist das Ergebnis. Und da zollen ihm alle Beteiligten Respekt: Gemeinsam mit Görg habe er es sehr rasch nach der Anmeldung der Insolvenz im Juni vergangenen Jahres geschafft, Ruhe in den Laden zu bringen und das Geschäft zu stabilisieren. Etwa, indem er den Lieferanten klargemacht habe, dass es weitergehe, und indem er Verträge mit Dienstleistern neu verhandelt habe. Wie es weitergehen wird, wenn Insolvenzverwalter Görg Karstadt am 1.Oktober dem neuen Eigentümer übergibt, ist bisher erst in Grundzügen bekannt. "Wir werden sehr viel Geld in die Modernisierung der Häuser und des Ambiente stecken", hat Fox angekündigt. Von 100 Millionen Euro pro Jahr ist die Rede; etwa 60 Warenhäuser sollen umgestaltet werden. Auch soll sich im Sortiment eine Menge ändern, insbesondere im Bereich Mode, den Fox als große Schwachstelle bei Karstadt ausgemacht hat. Große Erfahrung im Einzelhandel hat der bullige Mann mit dem schütteren Haar nicht - einmal abgesehen von seiner Zeit als erfolgreicher Sanierer der inzwischen an den Konkurrenten Schlecker verkauften Drogeriekette Ihr Platz. Aber fehlender Stallgeruch muss kein Nachteil sein. Im Gegenteil: Wer nicht in den Denkmustern einer Branche verhaftet ist, stellt oft die besten Fragen. Vor allem bei Karstadt, wo sich in den vergangenen Jahren mehrere Manager-Generationen daran abgearbeitet hatten, dem Unternehmen eine Perspektive zu verschaffen. Und wo nicht selten der neue Chef das Gegenteil dessen proklamiert hatte, was sein Vorgänger für richtig gehalten hatte.

Mode wird aber ohnehin nicht Fox' Thema sein. Darum soll sich künftig maßgeblich der kalifornische Designer Max Azira kümmern, mit dem Karstadt zusammenarbeiten will. "Wir sind jetzt dabei, eine exklusive französische Modemarke in unseren Häusern zu präsentieren", hat Fox am Freitag im Berliner Karstadt-Haus am Kurfürstendamm angekündigt. Was sich sonst bei der Warenhauskette ändern wird? Fox und Berggruen bitten um Geduld. In ein, zwei Wochen wollen sie Einzelheiten ihres Konzepts vorstellen.

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