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Telekom-Spitzelaffäre:Geheimnisträger unter sich

Klaus T. leitete eine kleine, etwa zehnköpfige Spezialtruppe innerhalb der Telekom-Sicherheitsabteilung, die insgesamt mehrere hundert Mitarbeiter zählt.

Seine Truppe war, so heißt es, fürs Grobe zuständig, also für besonders heikle Fälle. Die Spezialeinheit soll intern den Spitznamen "Ledernacken" getragen haben. Es war eine Truppe aus ehemaligen Bundeswehrsoldaten, Kripobeamten und Geheimdienstmitarbeitern. Die Sonderermittler arbeiteten offenbar intensiv mit Detekteien und externen Sicherheitsfirmen zusammen. Sie beauftragten auch das Berliner Unternehmen Network Deutschland GmbH.

Dieses hat zwischen 2005 und 2006 Hunderttausende von Telefonverbindungen ausgewertet. Zudem hatte die Telekom mit Hilfe einer Detektei offenbar einen "Maulwurf" in die Redaktion eingeschleust. Diesem Verdacht jedenfalls geht die Bonner Staatsanwaltschaft nach.

"Nachhaltiges Aufräumen"

Rickes Nachfolger René Obermann erfuhr erst im August 2007 von der Spähaktion. Er stellte Klaus T. zur Rede und feuerte ihn. Auch dessen Vorgesetzter Harald St., Chef der gesamten Sicherheitsabteilung, wurde entlassen. Obermann hielt den Fall zunächst unter der Decke und informierte weder Wegner noch Kowalewsky, dass ihre Telefonverbindungen ausgespäht wurden. Er folgte dabei offenbar auch dem Rat von Juristen; diese sollen bis zuletzt davor gewarnt haben, an die Öffentlichkeit zu gehen.

Die Juristen hatten offenbar auch davon abgeraten, weitere Mitarbeiter zu feuern. Sie befürchteten, dass die Betroffenen ihr Wissen weitergeben könnten. Der Telekom-Chef versicherte aber am Wochenende in mehreren Interviews, er wolle nichts vertuschen. "Unser Ziel war eine schnelle Aufarbeitung und die Reorganisation des Sicherheitsbereichs, um Risiken abzustellen. Ein solch nachhaltiges Aufräumen wäre bei einer öffentlichen Debatte nicht möglich gewesen", sagte Obermann dem Tagesspiegel.

© SZ vom 02.06.2008/aho
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