Tarifeinigung verhindert Streik der Fluglotsen:Reisenden bleibt Flugchaos erspart

Die Tarifparteien haben das befürchtete Chaos im deutschen Flugverkehr in letzter Minute abgewendet. Die Deutsche Flugsicherung einigte sich mit der Lotsengewerkschaft in einem Vermittlungsgespräch auf einen neuen Tarifvertrag. Hunderttausenden Reisenden bleibt damit ein Streik erspart.

Ein Streik der Fluglotsen in Deutschland ist abgewendet. Die Deutsche Flugsicherung (DFS) und die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) einigten sich am Mittwoch in Frankfurt am Main auf einen neuen Tarifvertrag, wie die DFS mitteilte. In der vergangenen Woche hatte die GdF eigentlich die Verhandlungen bereits abgebrochen und sich am Montag für einen Arbeitskampf noch in dieser Woche ausgesprochen.

Die beiden Streitparteien hatten seit zehn Uhr in Frankfurt verhandelt. Da die Gespräche schon mehrmals geplatzt waren, hatte sich das Verkehrsministerium eingeschaltet. Zuletzt war ein einziger, wenn auch durchaus gewichtiger Punkt von ursprünglich 30 strittigen Punkten zwischen den Tarifparteien noch offen gewesen.

Hauptstreitpunkt war die Beförderung von Schicht- und Teamleitern. Die DFS und die Gewerkschaft hatten sich gegenseitig die Schuld am Scheitern der Verhandlungen gegeben. Nach Intervention von Verkehrsminister Peter Ramsauer erklärte sich die GdF aber noch einmal zu einem Gespräch mit der Flugsicherung unter Leitung des Schlichters Volker Rieble bereit.

Mit der Einigung auf den neuen Tarifvertrag mit einer Laufzeit von 17 Monaten erhalten alle DFS-Mitarbeiter in zwei Stufen eine Gehaltssteigerung von 5,2 Prozent. "Darüber hinaus hat die GdF für zahlreiche Mitarbeiter kostenintensive Höhergruppierungen durchgesetzt, die weitere Gehaltssteigerungen mit sich bringen", teilten Sprecher der Deutschen Flugsicherung mit. Insgesamt erhöhten sich die Personalkosten der DFS mit diesem Tarif-Abschluss um etwa neun Prozent.

Für die DFS bedeute der Abschluss "eine große finanzielle Hypothek", erklärte der Vorsitzende der DFS-Geschäftsführung, Dieter Kaden. "Wir haben alles getan, um Schaden von der Luftverkehrsbranche und der Volkswirtschaft insgesamt abzuwenden."

Das Unternehmen beschäftigt rund 6000 Mitarbeiter, darunter etwa 2000 Fluglotsen. Die GdF-Mitglieder hatten im Sommer bereits per Urabstimmung für einen Streik gestimmt, der nach heftigen juristischen Auseinandersetzungen durch die Schlichtung vorläufig abgewendet worden war.

Wäre es zu dem angedrohten 24-stündigen Streik gekommen, hätte dies etwa 300.000 Passagiere betroffen, so die Warnung des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft.

"Ein Streik ist erstmal vom Tisch", sagte ein GdF-Sprecher. Jetzt müssten die zuständigen Gewerkschaftsgremien dem Kompromiss noch zustimmen. "Aber die haben noch nie nicht zugestimmt", hob der Sprecher hervor.

© sueddeutsche.de/dpa/AFP/kaeb/luk
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