Kasper Rorsted, Vorstandsvorsitzender des Konsumgüterherstellers Henkel

Russland-Krise, Terrorgefahr, Klimawandel - wo sehen Sie in Zukunft die größte Gefahr für die Wirtschaft?

Der Ausgang und die Folgen des Russland/Ukraine-Konflikt sind heute noch nicht absehbar und belasten die wirtschaftliche Entwicklung in Osteuropa stark. Ich sehe eine Gefahr darin, dass dieser Konflikt darüber hinaus Einfluss auf die internationalen Wirtschaftsbeziehungen nimmt und in Zukunft nationale Interessen wieder viel stärker in den Vordergrund rücken. Das würde die Vorteile gefährden, die aus einer globalen Integration und Partnerschaft entstehen.

Europa steckt noch immer in der Krise. Deutschland ist die Ausnahme. Wie geht es mit der Konjunktur im Jahr 2015 weiter?

Global betrachtet sehen wir derzeit in unterschiedlichen Regionen der Welt gegenläufige Entwicklungen. Unter den Folgen des Russland/Ukraine-Konflikts leidet ganz Osteuropa, auf der anderen Seite haben sich die Konjunkturerwartungen für die US-Wirtschaft zuletzt wieder verbessert. In Europa, das insgesamt nicht auf einen stabilen Wachstumskurs zurückfindet, bleibt Deutschland mit soliden Zuwächsen die Ausnahme. Das heißt, auch im Jahr 2015 wird das wirtschaftliche Umfeld weiter sehr volatil bleiben.

Der Ölpreis fällt weiter. Ein Segen für die Weltwirtschaft und Ihr Unternehmen - oder eher eine Gefahr?

Es gibt positive und negative Auswirkungen. Auf der Rohstoffkostenseite bringt der sinkende Ölpreis für viele Unternehmen über die Zeit Entlastung und wirkt in einigen Ländern wie ein zusätzliches Konjunkturprogramm. Genau das Gegenteil gilt allerdings für Volkswirtschaften, die stark vom Ölexport abhängen, darunter viele Wachstumsmärkte.

Bild: Stephan Rumpf 24. Januar 2015, 00:002015-01-24 00:00:35 © SZ.de/bbr