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Stromtrassen:Netzbetreiber streiten über Stromtrasse Suedlink

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Es geht nach unten: Weite Teile solcher Trassen werden in der Erde verlegt.

(Foto: Carsten Schueler/Tennet/oH)

Die Planungen an der Strom-Verbindung Suedlink laufen. Doch manchen ist das Projekt nicht groß genug - das sorgt für Ärger.

Von Michael Bauchmüller, Berlin

Es geht voran mit dem "Suedlink". Diesen Montag hat die Bundesnetzagentur einen neuen Korridor für die Gleichstrom-Leitung vorgelegt, diesmal das Stück an Göttingen vorbei. So arbeitet sich Suedlink durchs Land. Irgendwann einmal soll sie vier Gigawatt Strom transportieren, von Nord nach Süd. Oder vielleicht auch sechs?

Der Bundestag nimmt gerade die Beratungen über das neue "Bundesbedarfsplangesetz" auf, die in Paragrafen gegossene Bibel des Netzausbaus. Und plötzlich ist er wieder da, der Streit über den Netzausbau - nur diesmal ganz anders: Muss Suedlink größer werden? Der Riss geht quer durch das Lager der vier Netzbetreiber: Die südwestdeutsche Transnet BW ist dafür, die anderen drei sind dagegen.

Lange galt Suedlink als eine der "Monstertrassen", die den Windstrom aus Norddeutschland Richtung Süden transportieren sollen - als Ersatz auch für den Strom der Kernkraftwerke. Bürgerinitiativen gibt es entlang der Trassen immer noch, aber der Protest ist leiser geworden, seitdem weite Teile der Trassen in der Erde verlegt werden. Und seit die Netzbetreiber auf neue, leistungsfähigere Kabel umgestiegen sind, geht das sogar mit schmaleren Schneisen durchs Land.

Schon im Sommer hatten sich deshalb vier Bundesländer an Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) gewandt. Durch die schmaleren Leitungen, so warben die Energieminister von Baden-Württemberg, Hessen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein, biete sich "Platz für ein weiteres System in der Trasse". Statt zwei könnten so drei dieser "Systeme" Richtung Süden führen, statt bisher geplanter vier ganze sechs Gigawatt Stromleistung. "Nur ein solches, neues Projekt bietet die Möglichkeit einer zeitnahen Erhöhung der Übertragungskapazität in Nord-Süd-Richtung", schrieben die vier Minister, drei Grüne und einer von der SPD; schließlich soll auch mehr Windstrom zur See erzeugt werden. Obendrein ließen sich so zwischen 600 Millionen und einer Milliarde Euro sparen.

Die Planung dieser Stromtrassen ist allerdings eine Wissenschaft für sich. Die Netzbetreiber machen dafür Vorschläge, die wiederum von der Bundesnetzagentur geprüft werden. Auch die Öffentlichkeit wird konsultiert. Am Ende steht dann ein "Netzentwicklungsplan", der die Baustellen für die nächsten Jahre beschreibt, und der mündet in das Bedarfsplangesetz. Auch eine mögliche Erweiterung der Suedlink-Trasse wurde beim letzten Verfahren geprüft. Am Ende aber habe sich eine andere Variante als "vorzugswürdig" erwiesen, beschied die Netzagentur.

Doch die Debatte über die Trasse geht gerade erst los. Kürzlich wandten sich die Netzbetreiber 50Hertz, Amprion und Tennet an Parlamentarier, um sie von Umplanungen beim Projekt "C3" abzubringen. Mit Sorge sehe man die Debatte über dessen "Adhoc-Aufnahme" ins Bundesbedarfsplangesetz, schrieben die drei Netz-Chefs - "und bitten Sie ausdrücklich darum, von einer Aufnahme (...) abzusehen". Andernfalls werde der "legitimierte Prozess zur Abstimmung des Netzausbaubedarfs" umgangen, die Folge sei ein "enormer Vertrauensverlust in der Öffentlichkeit, verbunden mit erheblichen Verzögerungen beim Netzausbau".

Wie groß beides ist, darüber scheiden sich die Geister. Schließlich müssen die Bagger so oder so ran. Andererseits sind erste Abschnitte der Trasse schon im Planfeststellungsverfahren. Umplanungen könnten hier abermals Verzögerungen bringen. "Unabwendbar" werde das laufende Verfahren beeinflusst, warnen die drei Netzbetreiber in ihrem Brief - was der vierte, Transnet BW, aber bestreitet. "Wir halten eine Umsetzung der Erweiterung ohne signifikante Beeinträchtigungen des ursprünglichen Vorhabens für machbar", heißt es bei dem Unternehmen. Er finde, "dass wir sehr gute Argumente haben", sagt Transnet-BW-Chef Werner Götz.

Enden soll die dritte Leitung in der Nähe von Stuttgart, wo der Grüne Franz Untersteller das Energieministerium führt. "Ich kann nicht verstehen, wie man auf diese Option verzichten kann, obwohl der Bedarf so klar erkennbar ist", sagt er. Den drei Netzbetreibern gehe es offenbar mehr um die Rendite als um die Sache. "Sie scheuen die Kosten für einen dritten Strang."

Nächste Woche sollen die Gespräche über das Bundesbedarfsplangesetz losgehen. Die Debatte über die dritte Suedlink-Leitung, so heißt es aus dem Kreis der Koalitionsfraktionen, sei dabei das "heißeste Thema".

© SZ/koe
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