Sportartikel:Puma erhält  Hilfskredit 

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Pumachef Björn Gulden sieht den Hersteller im Überlebenskampf.

Von Uwe Ritzer, Nürnberg

Bisweilen wehen die Orkane öffentlicher Empörung seltsam: In dem sie von zweien, die dasselbe tun, nur einen mit voller Wucht treffen. So geschehen im Zuge der Corona-Krise, als Adidas und Puma gleichermaßen keine Mieten mehr für ihre Geschäfte zahlten, der allgemeine Wut-Sturm darüber jedoch nur bei Adidas Image-Verwüstungen hinterließ. Was ein wenig den Blick darauf verstellt, dass die Situation der beiden größten europäischen Sportartikelhersteller gleichermaßen prekär ist.

So braucht nach Adidas nun auch Puma angesichts der Pandemie einen staatlichen Hilfskredit. Von den insgesamt 900 Millionen Euro stammen 625 Millionen von der staatlichen KfW, der Rest verteilt sich auf elf weitere Banken. "Wir hoffen, dass wir den Kredit nicht in Anspruch nehmen müssen", sagte Puma-Chef Björn Gulden am Donnerstag. Er diene zur Absicherung, denn niemand wisse schließlich, wie lange die Corona-Krise noch dauere. Die Laufzeit des Kredites beträgt zwei Jahre. Zurückgezahlt werden muss das Geld bei Bedarf zu marktüblichen Zinsen.

Im Gegenzug wird Puma (wie Adidas) in diesem Jahr keine Dividende an die Aktionäre auszahlen, was in beiden Fällen die Anleger betrüben dürfte, schließlich würden sie sonst ordentlich an Rekordgewinnen beider Firmen partizipieren. Und wie das Management von Adidas verzichtet auch jenes von Puma auf Gehalt. Gulden zufolge liegt das Einsparvolumen zwischen 25 und 35 Prozent, wobei die Vorstände im April und Mai kompletten Gehaltsverzicht üben würden.

In China gibt es weniger Kunden, aber sie kaufen mehr

Die gesamte Sportartikelindustrie leidet darunter, dass wegen der Pandemie in allen für sie relevanten Ländern die Geschäfte geschlossen sind. Allen voran auf dem größten Sportartikelmarkt Nordamerika. Puma-Chef Gulden zeigte sich jedoch verhalten optimistisch, nachdem in China, aber auch Deutschland, Australien oder Österreich die Läden allmählich wieder öffnen oder bereits wieder geöffnet haben. In China registriere Puma "viel weniger Kunden, aber sie kaufen mehr", sagte Gulden.

Er erwartet für Puma "ein deutlich schlechteres zweites Quartal" mit Umsatzeinbußen von bis zu 50 Prozent. Nachdem Corona erst im März weltweit durchschlug, sank der Puma-Umsatz in den ersten drei Monaten nur um knapp anderthalb Prozent auf 1,3 Milliarden Euro, während das Konzernergebnis um 62 Prozent auf 36 Millionen Euro einbrach.

Sowohl vor Journalisten, als auch später bei der erstmals virtuell abgehaltenen Hauptversammlung machte der Puma-Chef klar, worum es nun vordringlich geht: Ums nackte Überleben. In einer zweiten Phase müsse sich das Unternehmen erholen und stabilisieren, um schließlich wieder durchzustarten. Tatsächlich stand Puma unmittelbar vor der Corona-Pandemie glänzend da; allein der Auftragseingang lag um 16 Prozent höher als vor einem Jahr.

Inzwischen jedoch ließ man die Produktion der Schuhe und Shirts in Asien drosseln und mit den Händlern wird dahingehend verhandelt, dass sie die bestellte Ware nicht stornieren, sondern zeitlich verzögert ordern. Und was die Finanzen angehe müsse man "Zahlungen verzögern, wo es geht", sagte Gulden. Das gilt wohl auch für die Mieten. Das Problem sei gelöst, so Gulden auf Nachfrage. "Wir haben im Dialog mit den Vermietern von Land zu Land unterschiedliche Lösungen gefunden."

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