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Geldanlage:Warum das Sparbuch jetzt wieder attraktiver werden könnte

Sparbuch

Das Sparbuch ist ein Spar-Liebling geblieben, obwohl das Ersparte an Wert verliert, weil Null- oder Minizinsen seit Jahren unterhalb der Inflationsrate liegen.

(Foto: dpa)
  • Fast jeder Zweite besitzt ein Sparbuch - und Jahr für Jahr wird dort mehr Geld geparkt: Derzeit sind es fast 223 Milliarden Euro.
  • Einer der Gründe: Die Angst vor Kursverlusten an den Börsen ist weiter groß, viele Anleger wollen vor allem Sicherheit.
  • Nun könnte das Sparbuch sogar noch einen Hauch attraktiver werden: Denn Banken dürfen darauf keine Negativzinsen verlangen.

Von Thomas Öchsner

Das gute alte Sparbuch müsste eigentlich längst tot sein - der Gedanke liegt nahe, führt man sich vor Augen, dass dieser Klassiker der Geldanlage meist nur noch Zinsen von 0,01 oder 0,001 Prozent bringt, also so gut wie gar nichts. Wer so rechnet, unterschätzt aber die Treue der Deutschen zu diesem Lebensbegleiter. Fast jeder Zweite hat noch das Büchlein, das einst ganze Großelterngenerationen ihren Enkeln in die Wiege legten. Trotz der Nullzinsen wird Jahr für Jahr mehr Geld auf dem Sparbuch geparkt. Und nun, in Zeiten von Negativzinsen, die zunehmend Banken und Sparkassen verlangen, könnte das Sparbuch sogar wieder einen Hauch attraktiver werden.

Noch immer gehören die klassischen Sparbücher zum Inventar der Republik. So haben sich laut den Monatsberichten der Bundesbank Guthaben auf den Büchlein mit der üblichen dreimonatigen Kündigungsfrist binnen zehn Jahren mehr als verdoppelt. 2009 lagen gut 95 Milliarden Euro auf deutschen Sparbüchern, derzeit sind es fast 223 Milliarden. Und das ohne Sondersparformen, bei denen es ein paar Zehntel Zinsen extra gibt. Auch die zählen zu den Sparbüchern, und dort schlummern noch mal 319 Milliarden Euro.

Gemessen am gesamten Geldvermögen der privaten Haushalte von 6237 Milliarden Euro ist das nicht allzu viel. Aber das Sparbuch ist ein Spar-Liebling geblieben, obwohl das Ersparte an Wert verliert, weil Null- oder Minizinsen seit Jahren unterhalb der Inflationsrate liegen.

Die Mehrheit der Bankkunden dürfte sich dabei nicht aus Unwissenheit für den Geldklassiker entscheiden. "Gerade die Älteren wollen Rücklagen haben, auf die sie schnell zurückgreifen können, zum Beispiel für Gesundheitsausgaben", sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. "Mit 70", weiß er aus vielen Beratungsgesprächen, "kommt es auf den Zinssatz nicht mehr so an." Außerdem hätten die Bundesbürger mehr Geld übrig, weil seit der Finanzkrise 2008/2009 Löhne, Renten und Einkommen in Zeiten abnehmender Arbeitslosigkeit zum Teil deutlich gestiegen seien.

Das klassische Sparbuch ist im Vergleich zum Tagesgeldkonto eher unflexibel

Umfragen zeigen zwar, dass mehr Anleger bereit sind, Risiken einzugehen und zum Beispiel in Indexfonds zu investieren. Die Angst vor Kursverlusten an den Börsen ist jedoch weiter groß. "Anleger, für die Sicherheit das Allerwichtigste ist, wissen häufig gar nicht, wohin mit ihrem Geld. Sichere Bundeswertpapiere werfen schon lange nur noch Minus-Renditen ab. Was bleibt, sind Sparbücher und Tagesgeldkonten", sagt der Düsseldorfer Finanzexperte Udo Keßler, Autor mehrerer Analysen über das Verhalten der Sparer.

Sicher ist: Das klassische Sparbuch ist im Vergleich zum Tagesgeldkonto eher unflexibel. Kunden können nur maximal 2000 Euro pro Kalendermonat abheben. Höhere Beträge lassen sich nur auszahlen, wenn man die gewünschte Summe drei Monate vorher gekündigt hat.

Aber sicher ist auch: Banken dürfen auf Sparbücher keine Negativzinsen verlangen. In den meisten Bundesländern ist laut Gesetz bei den Sparkassen sogar "eine Eins an einer bestimmten Stelle nach dem Komma erforderlich", heißt es beim Sparkassen- und Giroverband. Und so eine Eins, irgendwo nach dem Komma, das ist in dieser verrückten Zinswelt ja auch schon etwas.

© SZ vom 26.11.2019/vit

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