Spac-Börsengänge:So einen Börsengang gab es in Deutschland seit Jahren nicht

Strandhäuser Heiligenhafen

Frankfurt ist vielleicht ein guter Standort für Aktien, aber Urlauber haben es offenkundig in Heiligenhafen in Schleswig-Holstein schöner.

(Foto: Jürgen Wackenhut/Mauritius)

Eine Plattform für Ferienwohnungen nutzt ein gehyptes Finanzvehikel.

Von Meike Schreiber, Frankfurt

Weite Teil Deutschlands sind bereits in den Ferien, die südliche Hälfte folgt demnächst. Aber auch an der Börse will man davon profitieren, dass das Reisen nach Corona wohl bald wieder möglich sein wird. Die Berliner Ferienwohnungssuchmaschine "Home To Go", die 2014 gegründet wurde, wird bei ihrem Börsengang mit rund 1,2 Milliarden Euro bewertet. Das teilten die Initiatoren am Mittwochabend mit. Bemerkenswert daran ist aber vor allem die Konstruktion: Denn Home To Go schlüpft unter einen leeren Börsenmantel, nutzt also einen sogenannten Spac - und wählt damit den schnellen Weg an die Börse. In den USA gab es einen regelrechten Hype um Spac-Börsengänge, der Trend dort ist aber bereits abflaut. An der Frankfurter Börse ist Home To Go nun der erste Börsengang dieser Art seit ungefähr zehn Jahren.

Für die einen sind Spacs verrückte Spekulationen auf Unternehmen, die erst noch gefunden werden müssen, und daher Zeichen einer Blase an den Finanzmärkten. Für die anderen sind die Special Purpose Acquisition Companies, wie sie ausgeschrieben auf Finanzenglisch heißen, eine interessente Form der Eigenkapitalfinanzierung für junge Firmen. Oder auch eine einfach Möglichkeit, sich in einem frühen Stadium an aufstrebenden Firmen zu beteiligen. In jedem Fall aber sind Spacs leere Hüllen, Beteiligungsgesellschaften, die bei Investoren viele Hundert Millionen Euro einsammeln, obwohl sie zunächst gar kein eigenes Geschäft haben, oft nur drei bis vier Mitarbeiter, eine Webseite, dafür aber ein Listing an der Börse, was mit der Regulierung durch die Börsenaufsicht einhergeht. Im Gegenzug versprechen Spacs den Anlegern, in maximal zwei Jahren eine echte Firma zu kaufen, die unter den Mantel der Börsenhülle schlüpft und an deren Erfolg oder Misserfolg die Anleger teilhaben können. Finden die Spac-Initiatoren kein geeignetes Unternehmen für den Börsengang, müssen sie den Anlegern ihr Geld zurückzahlen.

Die US-Börsenaufsicht reguliert die Börsenvehikel mittlerweile strenger

Noch zum Jahresanfang waren Spacs der große Hype an der Wall Street. Seit Februar aber befinden sich die Aktienkurse von Firmen, die durch die Fusion mit einem Spac an die Börse gingen, auf Sinkflug, während sich der Aktienmarkt allgemein gut entwickelt hat. Das liegt vor allem daran, dass die US-Börsenaufsicht SEC die Spacs in einigen wichtigen Punkten strenger reguliert hat. Außerdem sind nur eine begrenzte Anzahl von Investoren auf Spacs spezialisiert. Diese Fonds haben in den vergangenen Monaten mit Spacs oft Geld verloren und scheuen vor neuen Investments zurück.

Vor wenigen Wochen war in Deutschland auch der Online-Sporteinzelhändler Signa Sports United von einem US-Spac übernommen, geht nun allerdings in den USA an die Börse. Home To Go wiederum soll nun die Unternehmenshülle des Lakestar SPAC I füllen, die der deutsch-schweizerische Investor Klaus Hommels im Februar an die Frankfurter Börse gebracht hatte. Nach einer Hauptversammlung, die formell darüber beschließen muss, soll die Firma im September an der Börse gelistet sein.

Home To Go ist eine Plattform, auf der Besitzer von Ferienwohnungen und -häusern ihre Objekte zur Vermietung anbieten. In der Pandemie kam dem Start-up der Trend zu Ferienwohnungen zugute. Im ersten Halbjahr des neuen Jahres war das über Home To Go abgewickelte Buchungsvolumen um 27 Prozent auf 904 Millionen Euro gestiegen. Operativ schrieb das Start-up 2020 allerdings noch zwei Millionen Euro Verlust. Die Investoren in Home To Go sollen nach der Verschmelzung nun 69 Prozent an der Firma halten, die Lakestar-Aktionäre, die direkt beim Börsengang 275 Millionen Euro investiert hatten, 25 Prozent. Zusätzlich hat Lakestar bei weiteren Anlegern rund 75 Millionen Euro frisches Kapital eingeworben, Hommels hat nach eigenen Angaben allein gut 20 Millionen beigesteuert. Seine Lakestar-Fonds hatten bereits 2018 in Home To Go investiert. "Wir kennen uns - das hat einige Vorteile", sagte der Investor.

© SZ
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB