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Solarworld in der Krise:Ritt durch die Wüste

GULF-STOCKS

Direkter Draht: Investoren aus Katar im Börsensaal in der Hauptstadt Doha 

(Foto: AFP)

Befreiungsschlag für Solarworld? Ein Schuldenschnitt und frisches Geld aus Katar sollen Europas größten Solarmodulhersteller retten. Die Anleger an der Börse aber reagierten nur kurz euphorisch. Das Unternehmen hat mit dem Rettungsbeschluss nur die erste Hürde übersprungen.

Frank Asbeck kann es kaum fassen. "Ein echter Krimi", sagt der Solarworld-Chef in der Bonner Firmenzentrale Am Rheinufer. Der Rettungsbeschluss für sein Unternehmen ist gerade ein paar Minuten alt. Asbeck ist außer Puste. "Sparkasse Jena." Es ging um 500.000 Euro. "Verhandlungen bis zehn Minuten vor Schluss. Glauben Sie mir: Hier wird so was von hart gefeilscht."

Ein Pionier kämpft um sein Lebenswerk - und gegen die Zeit. Denn Europas größtem Solarhersteller wachsen angesichts des harten Konkurrenzkampfs mit chinesischen Produzenten die Schulden über den Kopf. Am Dienstag fiel nun die Vorentscheidung für die Rettung des angeschlagenen einstigen Börsenstars: Die Gläubiger akzeptieren einen harten Schuldenschnitt. Und gleichzeitig soll neues Geld von Investoren aus Katar den letzten noch verbliebenen großen Modulhersteller im Energiewendeland Deutschland vor dem Untergang bewahren.

Ein schmerzhafter Plan

Für Aktionäre und Investoren ist es ein schmerzhafter Plan, den Konzernchef Asbeck am Dienstag präsentiert. Wer 20 Solarworld-Aktien besitzt, wird künftig nur noch eine im Depot haben. Den Altaktionären bleiben gerade mal fünf Prozent des Kapitals. Der Rest soll an die Gläubiger der Firma gehen, darunter der Hedgefonds Strategic Value Partners (SVP), der einen Großteil der Schuldscheine aufgekauft hat und damit zum einflussreichen Akteur hinter den Kulissen von Solarworld wird.

Für Belebung sorgen soll aber vor allem eine Millionenspritze aus dem Wüstenstaat Katar. Der Solarworld-Partner Qatar Solar zahlt demnach für ein Aktienpaket 35 Millionen Euro in das Unternehmen ein und wird größter Aktionär. Auch Unternehmensgründer Asbeck selbst will sich mit weiteren zehn Millionen Euro an der Rettung beteiligen. Zusammen kommen die beiden entscheidenden Geldgeber künftig auf 49,9 Prozent der Aktien. Der Anteil des 54-jährigen Firmenchefs am Unternehmen schrumpft allerdings mit dem Rettungsplan von knapp 30 auf gut 20 Prozent. Ziel dieses Umbaus: Der Schuldenberg soll so von derzeit einer Milliarde Euro auf 400 Millionen sinken.

Asbeck, Pionier der Branche, will seinen Einfluss bei Solarworld aber nicht aufgeben und sich vom Aufsichtsrat in diesem Jahr für fünf weitere zum Vorstandschef küren lassen. Seinen Anteil wolle er künftig wieder auf knapp 30 Prozent steigern, kündigte Asbeck an. Bis das Unternehmen wieder Gewinne erzielt, will der Firmengründer auf dem Chefposten ohne Gehalt weitermachen.