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Softwarekonzern:Microsoft macht erstmals Verlust

Das hat es seit dem Börsengang im Jahr 1986 nicht gegeben: Microsoft macht einen hässlichen Verlust. Er ist für den Softwarekonzern doppelt schmerzlich, weil er Folge eines Angriffs auf den großen Konkurrenten Google ist. Doch der ging völlig daneben.

Das Internetgeschäft bereitet dem Softwarekonzern Microsoft schon seit Jahren gravierende Probleme - jetzt hat das US-Unternehmen seinen ersten Quartalsverlust seit 1986 eingefahren. Damals wurde Microsoft in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.

Und das Minus ist gewaltig: Im abgelaufenen Quartal machte Microsoft einen Verlust von 492 Millionen Dollar (umgerechnet etwa 400 Millionen Euro). Im Vorjahresquartal hatte es noch einen Gewinn von 5,87 Milliarden Dollar gegeben.

Für das enttäuschende Ergebnis maßgeblich verantwortlich ist eine bereits Anfang Juli angekündigte Abschreibung in Höhe von mehr als sechs Milliarden Dollar wegen eines misslungenen Angriffs gegen Konkurrent Google. Vor fünf Jahren hatte Microsoft die Werbefirma Aqantive gekauft und wollte mit ihr ein globales Werbenetzwerk im Internet aufbauen - doch der Plan ging schief, wie so viele Online-Projekte.

Neun Milliarden Dollar hat Microsoft in der Internetsparte bisher verloren - und das, obwohl das Unternehmen massiv investiert, vor allem in das Prestigeprojekt Bing, Microsofts Antwort auf die Google-Suchmaschine.

Die verlässlichste Geldquelle von Microsoft blieb noch immer die Office-Bürosoftware, doch selbst diese Sparte warf zuletzt nicht viel Gewinn ab, weil Microsoft derzeit eine neue Version einführt. Käufern des aktuellen Betriebssystem bietet Microsoft einen Rabatt für das Upgrade an, wenn das neue Betriebssystem kommt. Das lässt sich das Unternehmen 540 Millionen Dollar kosten. Rechnet man den Rabatt weg, hätten die Einnahmen aus der Windows-Sparte um ein Prozent zugelegt, sagte ein Microsoft-Manager im Gespräch mit Analysten.

Verwunderlich ist, dass weder der Verlust noch die mageren Windows-Zahlen die Wall Street beeindrucken: Die Microsoft-Aktie legte im nachbörslichen Handel am Donnerstag sogar um 1,9 Prozent zu. Grund dafür sind Hoffnungen auf den Erfolg der neuen Office-Generation, die komplett überarbeitet und auch für Touchscreens optimiert wurde. Noch Ende Oktober kommt außerdem Windows 8, die neue Version des Microsoft-Betriebssystems. Die Hoffnungen auf einen Erfolg dieser Produkte wiegt für die Analysten offenbar schwerer als der erste Quartalsverlust seit den achtziger Jahren.

© Reuters/dapd/AFP/dpa/olkl/jobr

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