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Siemens:Konzernumbau betrifft 11 600 Mitarbeiter

Rekord beim Ausfuhrüberschuss - Siemens Generatorenwerk

Ein Siemens-Mitarbeiter im Generatorenwerk Erfurt

(Foto: Martin Schutt/dpa)

Die Siemens-Belegschaft muss sich auf neue Einschnitte gefasst machen. 11 600 Stellen sind laut Konzernchef Kaeser vom Umbau betroffen. Er wehrt sich jedoch gegen Berichte, wonach alle Arbeitsplätze einfach wegfallen würden.

Siemens-Chef Joe Kaeser hat Berichten widersprochen, wonach der Konzern den Abbau von weltweit rund 11 600 Arbeitsplätzen plane. "Die Meldungen sind so nicht richtig beziehungsweise völlig falsch ausgelegt", schrieb der Manager in einer E-Mail an Siemens-Mitarbeiter in Deutschland, die der dpa vorliegt.

Er habe zwar in einer Webcast-Konferenz vor Analysten über die Zahl der Stellen gesprochen, die von den umfassenden Umbauplänen betroffen seien. Es gehe aber nicht darum, die 11 600 Arbeitsplätze einfach zu streichen. Kaeser hatte erst kürzlich einen großangelegten Konzernumbau angekündigt. Die Kosten sollen um etwa eine Milliarde Euro gesenkt werden.

Kaesers Aussagen auf der Konferenz waren so interpretiert worden, dass 7600 Stellen dem Umbau in eine neue Sparten-Struktur zum Opfer fielen und 4000 weitere Jobs bei regionalen Länder-Gruppierungen überflüssig würden. Er habe diese Zahlen erwähnt "und gleichzeitig ausdrücklich davon gesprochen, dass diese dann vorzugsweise in weiten Teilen anderweitig eingesetzt werden könnten", schrieb Kaeser.

Auch ein Konzernsprecher hatte vorher gesagt: "Stellenabbau in einem Bereich muss nicht zwangsläufig Jobverlust bedeuten." Siemens prüfe, ob und gegebenenfalls wo betroffene Mitarbeiter an anderer Stelle im Unternehmen eingesetzt werden könnten. Für Details sei es noch zu früh. So ist bislang auch nicht bekannt, wie viele der insgesamt etwa 120 000 Mitarbeiter in Deutschland von den Einsparungen betroffen sind.

Kaeser sagte in der Konferenz: "Eine ganze Menge Menschen arbeitet, um Dinge zu koordinieren oder Dinge zu analysieren. Wir glauben, dass etwa 20 Prozent von ihnen in anderen Bereichen arbeiten können, aber nicht hier."

Die IG Metall reagierte zurückhaltend: Die Zahl der betroffenen Stellen sei nicht mit der Gewerkschaft besprochen worden, sagte eine Sprecherin. Man warte nun die Gespräche ab. Die Ankündigungen wecken die Sorge, dass sich die weltweit 360 000 Mitarbeiter nach zahlreichen Spar- und Sanierungsprogrammen der vergangenen Jahre erneut auf Einschnitte gefasst machen müssen.

Die neue Gesamtbetriebsratschefin Birgit Steinborn hatte jüngst gesagt, dass die Neuordnung nicht nur ein Sparprogramm sein dürfe. Auch Entlassungen lehnte sie strikt ab, begrüßte aber Pläne, die zu einem Abbau von Bürokratie und Doppelstrukturen führen würde. Das habe der Betriebsrat seit längerem gefordert.

Siemens AG Chief Executive Officer Joe Kaeser Interview As Second Quarter Results Announced

Siemens-Chef Kaeser plant dem Abbau von mehr als 10.000 Stellen

(Foto: Bloomberg)

Die IG Metall in Berlin, der weltweit wichtigste Produktionsstandort mit 12 000 Arbeitsplätzen, stehe der Neuorganisation grundsätzlich aufgeschlossen gegenüber, sagte ein Sprecher. Das Vorhaben dürfe aber nicht dazu missbraucht werden, "ideenlos Kosten zu senken und Arbeitsplätze abzubauen".

Dass der Umbau Stellen kostet, hat Kaeser nie bestritten. "Wer Bürokratieabbau fordert, der muss wissen, dass Bürokratie auch Gesichter hat", hatte er Anfang Mai gesagt, als er den Plan vorstellte, den Konzern umfassend umzustrukturieren. Die vier bisherigen Sektoren, mit Ausnahme des Medizingeschäfts, werden in neun Bereiche aufgeteilt. Statt vier soll es nur noch eine zentrale Verwaltungen geben. Zur Gesundheitssparte sagte Kaeser: "Wir haben nicht vor, das Medizingeschäft zu verkaufen, aber wir sind vorbereitet, falls sich etwas anbietet."

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