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Siemens Healthineers:Hochkonjunktur für Corona-Tests

Siemens Healthineers

Zentrale in Erlangen: Siemens Healthineers wird sich womöglich von seinem Ultraschall-Geschäft trennen.

(Foto: Daniel Karmann/dpa)

Das Unternehmen hebt seine Prognose an.

Von Thomas Fromm

Bernd Montag sagt, dass da "zwei Herzen" in seiner "Brust schlagen". Einerseits seien die Covid-19-Antigenschnelltests natürlich "ein schönes Geschäft". Andererseits hofft der Siemens-Healthineers-Chef, dass man so etwas "nächstes Jahr nicht mehr braucht". Denn in einer "durchgeimpften Gesellschaft" dürften die Tests dann wohl nicht mehr die gleiche Rolle spielen wie heute.

Noch aber ist es längst nicht so weit, noch sorgen die Schnelltests bei dem Unternehmen für eine Sonderkonjunktur: Die Medizintechnik-Tochter von Siemens hob die Prognose für das laufende Geschäftsjahr am Montag an und rechnet für 2020/21 mit einen Umsatzzuwachs von 14 bis 17 Prozent - anstatt acht bis zwölf Prozent wie bisher. Statt der 300 bis 350 Millionen Euro sollen mit den Tests nun rund 750 Millionen Euro erlöst werden - das meiste davon gehe "über die öffentliche Hand", sagt Montag. Also für Schulen und andere Einrichtungen. Covid-19-Antigenschnelltests bei Aldi und Lidl? "Das ist ein Geschäft, in dem wir nicht tätig sind", so der Healthineers-Chef. Allein im abgelaufenen Quartal setzte Siemens Healthineers mit seinen Tests schon 190 Millionen Euro um.

Von Januar bis März stieg der Konzernumsatz um 13 Prozent auf 3,97 Milliarden Euro, weiteren Umsatz erwartet der Konzern jetzt durch die 16,4 Milliarden Dollar teure Übernahme des US-Krebstherapie-Spezialisten Varian. Das US-Unternehmen gehört erst seit Mitte April offiziell zum Konzern, es ist die bis dato größte Akquisition in der langen Siemens-Geschichte. "Zusammen mit Varian machen wir einen Sprung in der Krebsversorgung und einen Sprung in unserer Bedeutung für die Gesundheitsversorgung weltweit", sagte Bernd Montag. Die Healthineers-Aktie konnte leicht von dem verbesserten Ausblick profitieren und stieg zunächst um rund 0,7 Prozent.

Offen blieb zunächst, wie es mit dem Ultraschall-Geschäft der Siemens-Tochter weitergeht. "Wir optimieren das Set-up der Sparte, das hat offenbar Interessenten auf den Plan gerufen", sagte Vorstandschef Montag. Das Geschäft sei "kleinteiliger" als andere Teile der Sparte, zu der vor allem Röntgengeräte, Magnetresonanztomografen (MRT) und Computertomografen (CT) gehören. Zuletzt hatte es Berichte gegeben, wonach das Unternehmen die US-Bank JPMorgan beauftragt habe, ein mögliches Kaufinteresse auszuloten. Montag sagte nun, man werde dem Geschäft "noch mehr Freiheitsgrade geben, etwa im Vertrieb". Mit Ultraschallgeräten habe Siemens Healthineers zuletzt rund sieben Prozent des Umsatzes im Geschäft mit seinen bildgebenden Diagnostik-Verfahren gemacht, das wäre dann rund eine halbe Milliarde Euro gewesen.

© SZ vom 04.05.2021
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