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Schwarzgeld:Ausgeliefert

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Paris überstellt einen Panama-Spezialisten der Kanzlei Mossack Fonseca nach Deutschland. Der Investmentbanker hatte eine Reihe sehr wohlhabender Kunden bei ihrem mutmaßlich illegalen Treiben betreut.

Ein ehemaliger deutscher Mitarbeiter der Panama-Papers-Kanzlei Mossack Fonseca wird an die Bundesrepublik ausgeliefert. Dirk Brauer war im November am Pariser Flughafen festgenommen worden. Der Investmentbanker hatte für die Vermögensverwaltungsabteilung von Mossack Fonseca gearbeitet und betreute dort eine Reihe sehr wohlhabender Kunden bei ihrem mutmaßlich illegalen Treiben. Für ihn hatten sich daher nicht nur deutsche, sondern auch panamaische und amerikanische Ermittler interessiert.

New Yorker Staatsanwälte haben Brauer Anfang Dezember in Abwesenheit angeklagt. Die US-Behörden werfen ihm unter anderem vor, Stiftungen und Briefkastenfirmen in Panama, Hongkong und auf den Britischen Jungferninseln gegründet und unterhalten zu haben, um für Kunden deren Geld vor den Behörden zu verstecken. Brauer wurde schließlich aufgrund eines US-Haftbefehls in Paris festgenommen.

Was die amerikanischen Behörden vermutlich nicht wussten: Brauer kooperierte zu diesem Zeitpunkt schon mit der Staatsanwaltschaft München. Er hatte den Ermittlern bereits mehrere Datenträger übergeben und umfangreich über seine früheren Kunden ausgepackt. Wie die Staatsanwaltschaft auf SZ-Anfrage bestätigte, ging es dabei unter anderem um den ehemaligen Siemens-Manager Hans-Joachim Kohlsdorf. Dieser hatte zuerst Teile der Schwarzgeldmillionen von Siemens verwaltet - und sich später offenbar rund zwei Millionen auf sein Nummernkonto in der Schweiz schleusen lassen. Dieses Geld wiederum transferierte Kohlsdorf dann offenbar auf deutsche Konten. Gegen ihn ermittelt die Staatsanwaltschaft München.

Am Mittwoch entschied der Pariser Cour d'appel, dass Brauer nicht in die USA, sondern nach Deutschland ausgeliefert werden solle. "Die weiteren Modalitäten der Übergabe sind derzeit noch nicht bekannt", erklärte eine Sprecherin der Münchner Staatsanwaltschaft. Brauer selbst war für eine Anfrage nicht zu erreichen.