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Schuldenkrise:Auf der Suche nach Einnahmequellen im Ausland

Die Krise bereitet auch den größten Konzernen der Insel Probleme. Tony Antoniou, Chef des börsengehandelten Zementherstellers Vassiliko Cements, sucht im Ausland nach Einnahmequellen, da in der Heimat kaum noch gebaut wird. Er will an andere Märkte in der Mittelmeerregion wie Ägypten, Libyen, Algerien und Israel exportieren. "Da gibt es noch Bares zu holen", sagt er.

In Zypern wird derzeit nur noch ein Viertel so viel Zement verkauft wie 2008, als die Wirtschaft ihren Höhepunkt erreicht hatte. Antoniou spart eisern, hat die Belegschaft innerhalb von zwei Jahren auf 170 halbiert und stellt nur noch Studienabgänger ein, wenn er neue Ingenieure braucht. Diese erhalten Verträge über neun Monate und verdienen 900 Euro pro Monat.

Christopher Pissarides, Nobelpreisträger und Leiter des staatlichen Rates von Wirtschaftsberatern, gibt zu, dass die Wirtschaft schneller schrumpft als erwartet. Das größte Problem sei die "große Unsicherheit um die Bank of Cyprus", die Teile der Laiki übernommen hat und dadurch geschätzte 38 Prozent der Aktivposten der zyprischen Banken hält.

Viele Einlagen eingefroren

Zwar sind die meisten Einlagen eingefroren, doch viele Kunden heben so viel Geld von ihren Konten ab, wie sie können. Pissarides glaubt, dass das etwa 30 Millionen Euro am Tag sind. Vor der Rettung im März verfügten die beiden Banken zusammen über etwa 24,6 Milliarden Euro an Einlagen. "Die Bank of Cyprus verliert enorm viel Liquidität", sagt er. "Wenn das so weitergeht, ergeht es der Bank of Cyprus wie der Laiki, und das wäre ein Desaster."

Dieser Ernstfall sei zwar noch weit entfernt, sagt Pissarides. Doch die Bedingungen werden immer schwieriger. Laut Eurostat lag die Arbeitslosigkeit im Juni bei 17,3 Prozent, deutlich über den 15,5 Prozent, die bei der Verabschiedung des Rettungspakets erwartet wurden. Der Einzelhandel ist in den ersten drei Monaten des Jahres bereits um 11,1 Prozent geschrumpft, fast so viel wie für das Gesamtjahr vorausgesagt wurden.

Manthos Mavromatis, der eine Firma für Wasserpumpen besitzt, gehört zu denen, die einen Teil ihrer Einlagen verloren. Eines Morgens im März wachte er auf und merkte, dass er von seinen zwei Millionen Euro Einlagen bei der Bank of Cyprus nur noch auf 200.000 Euro zugreifen konnte. Etwa 950.000 Euro waren in Anteile von fraglichem Wert an einer "neuen" Bank of Cyprus umgewandelt worden, der Rest war eingefroren.

Um sein Unternehmen über Wasser zu halten, kürzte er die Gehälter seiner 15 Angestellten um zehn Prozent. Er ist auch heute noch nicht sicher, ob er Entlassungen vermeiden kann. Er sei zwar in der Lage, die Rückzahlung für einen Kredit über zwei Millionen Euro im kommenden Jahr zu finanzieren, doch was im Jahr darauf passieren wird, ist noch unsicher. Mavromatis sagt, dass er sein Unternehmen um jeden Preis retten will. "Ich habe der Bank gesagt, dass sie mein Haus haben kann", sagt er. "Aber meine Fabrik bekommt sie nicht."

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