Schokoladen-Weihnachtsmänner:Ein schlimmer Verdacht

Immer wieder wird spekuliert, ob der Schokoladen-Weihnachtsmann womöglich schon mal ein Osterhase war. Und umgekehrt. Doch was ist dran an der so oft bemühten Einschmelz-Theorie?

Kristina Staab

Weihnachtsmänner aus Schokolade schmecken oft fettig, krümelig und viel zu süß. Zuweilen liegt da der Verdacht nahe: Wurden die Weihnachtsmänner aus alten Osterhasen hergestellt?

Millionen Schoko-Nikoläuse werden in der Weihnachtszeit gekauft. Nur manche Figuren schmecken nicht so gut wie andere.

Millionen Schoko-Nikoläuse werden in der Weihnachtszeit gekauft. Doch manche Schokoladen schmecken nicht so gut wie andere.

(Foto: dpa)

Der Geschmack könnte jedenfalls leiden, wenn die Ware eingeschmolzen wird: "Bei mehrfachem Erhitzen ist irgendwann der Geschmack durch den Fettgehalt nicht mehr gut", sagt Karl-Josef Leibig, Landesvorstand der Lebensmittelkontrolleure Rheinland-Pfalz. In kleineren Konditoreien sei es auch möglich, Schokolade wieder einzuschmelzen, ja, es sei sogar ganz normal.

Ob das den Geschmack dann beeinträchtigt, hängt von den verwendeten Zutaten ab - und von der Temperatur, mit der die Schokolade erhitzt wird. Dunkle Schokolade kann beispielsweise mehrmals geschmolzen werden, ohne an Geschmack zu verlieren. Das liegt am niedrigeren Fettgehalt: Das einzige Fett einer Bitterschokolade ist die Kakaobutter. Die Vollmilch-Variante enthält indes auch das Fett im Milchpulver - das kann schlecht werden.

Doch die meisten Nikoläuse, die die Deutschen konsumieren, stammen vom Band. Da ist es denkbar, dass Unternehmen, um Kosten zu sparen, nicht verkaufte Produkte wieder zurücknehmen, um zumindest die investierte Schokolade weiter zu nutzen. Theoretisch. Aber: "Es werden keine Waren wieder eingeschmolzen. Im Moment läuft die Herstellung der frischen Weihnachtsprodukte", sagt ein Sprecher vom Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI).

Für Industrie-Hersteller sei es nicht lohnend, die Nikoläuse wieder einzuschmelzen. Dazu sei der Aufwand viel zu groß: Die Osterhasen müssten vom Händler abgeholt, ausgepackt, eingeschmolzen und neu ausgeformt werden. Teils in Handarbeit. Das würde den Preis eines Weihnachtsmanns vierfach verteuern, sagt Hachez-Geschäftsführer Hasso Nauck. Zudem sei die Chargenkennzeichnung der Produkte für eventuelle Rückrufe aufwändiger, wenn Produkte gemischt würden.

Gleichwohl gibt es keine Richtlinien, die es verbieten würden, Schokolade wieder einzuschmelzen, meint der Bundesvorsitzende der Lebensmittelkontrolleure Martin Müller. Das Gesetz, keine alten Lebensmittel zu verwenden, gab es früher einmal, jetzt sei es nicht mehr nötig. Denn die penibel überwachte Hygiene in Fabriken lasse es nicht zu, Produkte, die bereits in den Geschäften standen, wieder zu verwenden.

Einfach wiederverkauft?

Denkbar ist überdies, dass Weihnachtsmänner aus dem vergangenen Jahr einfach wiederverkauft würden. "Die Nikoläuse werden in jeder Saison frisch produziert", sagt Thomas Pape vom Info-Zentrum Schokolade. Es sei allerdings möglich, dass es einzelne schwarze Schafe etwa bei Kioskbesitzern gebe, die hofften, alte gelagerte Ware noch zu verkaufen. Doch ein Blick auf das Verfallsdatum könne da mögliche Vorbehalte entkräften.

Neu im Schoko-Weihnachtsmanngeschäft ist ein "steigender Anteil von Figuren, die im 'Zwischenschrittverfahren' hergestellt werden", berichtet Pape. Einige Nikoläuse bestehen demnach aus zwei Schichten, zum Beispiel innen Milch und außen Schokolade. Mit typischem Pfefferminzgeschmack in Weihnachtsmannform will etwa After Eight auch in diesem Jahr wieder punkten. Lindt fabriziert jetzt eine Edelbitter-Weihnachtsfigur. Am beliebtesten bleibt in Deutschland jedoch die Vollmilch-Variante.

Dieses Jahr haben die deutschen Süßwarenhersteller bereits 147 Millionen Schokoladen-Weihnachtsmänner produziert. Davon bleiben 108 Millionen in deutschen Geschäften.

Werden die Süßigkeiten nicht vollständig verkauft, werden sie zum Saisonende entweder zum Sonderpreis losgeschlagen oder an Kindergärten sowie Essenstafeln für Bedürftige vergeben.

Für die perfekte Metamorphose ohne Einschmelzen hat der Bundesvorsitzende der Lebensmittelkontrolleure übrigens noch eine Idee: "Wenn Tier und Mensch sich ähnlich werden, wenn die Mütze gleichzeitig zu Hasenohren wird und der Hase einen zu langen Kiefer hat, dann ist das ein Zeichen dafür, dass die Schokolade umgepackt wird" - scherzt Martin Müller und lacht. Also ganz ohne Einschmelzen.

© sueddeutsche.de/hgn/mel
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