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Schifffahrt:Neuer Antrieb

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Klimaschädliche Diesel-Emissionen eines Dampfers.

(Foto: Jonathan Eastland/mauritius images)

Die Bundesregierung will endlich die Klimaziele in der Branche einhalten. Bis zum Jahr 2050 sollen die Treibhausgasemissionen kräftig reduziert werden - aber wie?

Von Jan Schwenkenbecher, Berlin

Im Frühjahr war es endlich so weit, die Internationale Seeschifffahrtsorganisation (IMO) vereinbarte nach jahrelangem Ringen weltweite Klimaziele für den Schiffsverkehr. Bis zum Jahr 2050 sollen die Treibhausgasemissionen um mindestens 50 Prozent gegenüber 2008 reduziert werden. Wie die Bundesregierung das erreichen möchte, zeigt die Antwort auf eine Anfrage der Grünen, die der SZ vorliegt.

Der am häufigsten angeführte Punkt ist die "Steigerung der Effizienz". Etwa Rümpfe und Routen so zu verändern, dass beim Fahren Energie gespart wird. Zudem will sich die Regierung für eine "europaweit einheitliche Nutzungspflicht der landseitigen Stromversorgung" einsetzen. Bisher nutzen in Häfen liegende Schiffe meist ihren Treibstoff, um den Bordstrom zu generieren - Landstromanlagen könnten sie stattdessen mit Ökostrom versorgen. Solche Anlagen gibt es bereits in Lübeck, Cuxhaven und Hamburg, Kiel plant gerade eine. Viele Schiffe nutzen die Anlagen jedoch nicht, weil das für sie teurer wäre oder sie den passenden Anschluss nicht besitzen.

Allein mit höherer Effizienz und Strom vom Land dürften sich die Klimaschutzziele jedoch kaum erreichen lassen. 940 Millionen Tonnen CO₂ stießen Schiffe 2008 insgesamt aus, bis 2012 sank die Zahl auf 816 Millionen Tonnen, aktuellere Zahlen hat die IMO derzeit nicht. Zwar ist der Schiffsverkehr nur für etwa drei Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Doch weil schwefelhaltiges Schweröl die meisten der insgesamt 50 000 Schiffe antreibt, war die Schifffahrt im Jahr 2012 global für 15 Prozent des Stickstoffdioxid- und für 13 Prozent des Schwefeloxidausstoßes verantwortlich. Beide Gase können gesundheitsschädlich sein. Für Schweröl gibt es daher bereits Regulierungen: Von 2020 an darf der Schwefelgehalt nur noch 0,5 Prozent betragen, derzeit sind es 3,5 Prozent. Im Ärmelkanal, in Nord- und Ostsee sind seit 2015 höchstens 0,1 Prozent erlaubt.

Grundsätzlich sei zu erwarten, so schreibt die Regierung, "dass nur mit einer Umstellung auf Energieträger auf Basis erneuerbarer Energien die Klimaschutzziele einzuhalten sein werden". Weg vom Schweröl also. Hier könnte künftig das Flüssiggas LNG eine größere Rolle spielen, das synthetisch aus erneuerbaren Energien hergestellt werden kann. "Derzeit werden vermehrt Seeschiffe für die Verwendung von LNG ausgestattet", schreibt die Regierung, besonders Kreuzfahrtschiffe und Fähren, aber auch Frachtschiffe. Seit vergangenem Herbst fördert das Verkehrsministerium die entsprechende Aus- und Umrüstung. Tatsächlich mindert LNG verglichen mit Schweröl die CO₂-Emission um etwa 30 Prozent und den Ausstoß von Stickoxiden um bis zu 80 Prozent. Schwefeloxide fallen nahezu komplett weg.

Doch LNG künstlich herzustellen kostet derzeit sehr viel Energie. "Der Umwandlungsverlust ist noch vergleichsweise hoch", sagt Malte Siegert vom Naturschutzbund Nabu. In den USA wird das Gas vor allem durch Fracking gewonnen. "LNG bleibt ein fossiler Brennstoff", sagt Siegert, "und ist vor allem mit Blick auf das Klima sehr problematisch." Beim Verbrennen im Motor trete stets etwas Methan aus, dessen Treibhauseffekt etwa 30-mal größer als der von CO₂ sei. "Mit mehr LNG wird die Seeschifffahrt die selbstgesteckten Ziele auf keinen Fall erreichen können", so Siegert.

Claudia Müller (Grüne) fordert den verstärkten Einsatz von LNG, doch möglichst schnell solle der Übergang zu strombasierten Treibstoffen gefunden werden. "Wir brauchen neue Technologien für Schiffsantriebe, die tatsächlich dazu beitragen, die beschlossenen internationalen Ziele zu erreichen", so Müller. Wolle Deutschland als Schifffahrtsstandort zukunftsfähig sein, müsse man jetzt bei dieser Entwicklung Treiber und Innovator sein. Um schnell vom Schweröl als Treibstoff wegzukommen, fordert Müller daher eine welt- oder zumindest europaweite CO₂-Steuer. Nur so werde wirklicher Druck auf die Schifffahrt erreicht.

© SZ vom 06.08.2018

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