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Satirische Tweets über Banker:Goldman-Sachs-Liftboy enttarnt

"Ich könnte dicken Menschen den ganzen Tag dabei zusehen, wie sie aus Autos aussteigen": Der Twitterer, der angeblichen abfälligen Tratsch aus den Aufzügen der Bank verbreitete, ist enttarnt. Goldmans interne Prüfung war umsonst.

John Lefevre hat die Wall Street genarrt, ihre Fans und ihre Gegner. Der 34-Jährige aus Texas steckt hinter dem Twitter-Account @GSElevator. Über den verbreitete er politisch inkorrekte Nachrichten und erweckte den Eindruck, es handele sich um aufgeschnappten Tratsch aus den Aufzügen der Investmentbank Goldman Sachs. Die New York Times hat den digitalen Liftboy nun enttarnt und herausgefunden: Er arbeitete nie für Goldman.

Dem Account mit dem angeblichen Aufzug-Tratsch folgen mittlerweile fast fünfmal so viele Menschen wie dem offiziellen Goldman-Account. Die Tweets schienen die schlimmsten Vorurteile über Banker zu bestätigen. Sie waren mal lustig, mal nicht, aber immer angeberisch, herablassend, darwinistische Prahlerei von Menschen, die sich an sich selbst berauschen und ständig versuchen, einander auszustechen - nur eben in satirischer Form: "So eine Tussi fragte mich, was ich mit zehn Millionen Dollar machen würde. Ich sagte ihr, ich würde mich wundern, wo der Rest meines Geldes hin ist."

Oder: "Ich könnte dicken Menschen den ganzen Tag dabei zusehen, wie sie aus Autos aussteigen."

Lefevre kommt zwar aus der Finanzbranche - er arbeitete lange für Citigroup -, doch zu Goldman kam er nie, obwohl er wollte. Er hatte sogar ein Angebot des Unternehmens für einen Job in Hongkong vorliegen. Doch wegen eines Rechtsstreits mit seinem vorherigen Arbeitgeber kam es Levefre zufolge zu keiner Einigung.

Im Telefonat mit der Times bestritt er, wegen der Episode sauer auf Goldman zu sein und sich nun rächen zu wollen. Er habe auch nie in seinen Tweets explizit behauptet, für die Bank zu arbeiten. Den Account habe er nur als Witz gestartet, "um mich selbst zu unterhalten". Viele der ätzenden Kommentare und wilden Geschichten habe er selbst erlebt.

Es hat sich für ihn gelohnt: Noch vor seiner Enttarnung ergatterte er einen Buchvertrag, angeblich für eine sechsstellige Summe. Das Werk soll "Direkt in die Hölle" heißen und sich mit den exzessiven Leben der Banker beschäftigen. Der Verlag hatte den wahren Namen des Autors nicht herausgegeben.

Goldman Sachs hatte bereits eine interne Untersuchung eingeleitet, um den vermeintlich tratschsüchtigen Angestellten zu finden. Sie wurde nun eingestellt.

Levefre sagte der Zeitung, die ihn enttarnt hat: "Um ehrlich zu sein, bin ich überrascht, dass es so lange gedauert hat. Ich wusste, dass dieser Tag kommen würde."

© SZ.de/jab/hgn/rus

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