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Rüstungsindustrie:Ihr Angebot, bitte

Höfliches Händeschütteln: Frankreichs Verteidigungsminister Jean-Yves le Drian (li.) und sein indischer Kollege Manohar Parrikar nach der Einigung über den Kauf von 36 Rafale-Kampfjets. Ursprünglich sollten es 126 sein, doch der Deal platzte.

(Foto: Roberto Schmidt/AFP)

Indien will für bis zu 15 Milliarden Euro 200 Kampfjets ordern. Wer so viel Geld ausgibt, kann Bedingungen stellen - zum Beispiel, dass die Produktion im Inland erfolgt.

Die indische Luftwaffe will der Stolz der südasiatischen Nation sein, aber das ist gar nicht so einfach. Denn die meisten Kampfjets, die über schroffe Gebirge und weite Ebenen düsen, um im Ernstfall die Grenzen der aufsteigenden Großmacht zu verteidigen, sind veraltet. Viele Flieger in den indischen Staffeln sind gar nicht einsatzbereit. Mit diesen Problemen schlägt sich Delhi schon seit Längerem herum, weshalb das Land nun einen neuen Anlauf nimmt, um seine Luftstreitkräfte umfassend zu modernisieren. Indien sucht im Ausland nach geeigneten Anbietern für neue Jets. 200 einstrahlige Kampfflugzeuge will der Staat angeblich erwerben, wie indische Medien unter Berufung auf hochrangige Quellen im Verteidigungsapparat berichten. Es könnte einer der größten Luftwaffen-Deals der Rüstungsgeschichte werden, mit einem geschätzten Volumen von zwölf bis 15 Milliarden Euro.

Doch die Hürden für Anbieter sind hoch: Denn Delhi macht es zur Voraussetzung, dass die Kampfflugzeuge weitgehend in Indien und unter Beteiligung heimischer Firmen gebaut werden. Offiziell bestätigt wurden die jüngsten Einkaufswünsche noch nicht, doch passen sie zur Logik des Premiers Narendra Modi, der nach seiner Wahl im Jahr 2014 die Kampagne "Make in India" ins Leben gerufen hat, um die heimische Wirtschaft anzukurbeln und Jobs zu schaffen. Dem Rüstungssektor kommt dabei große Bedeutung zu, wird er doch als Motor gesehen, um den ökonomischen Aufschwung, den Modi versprochen hat, mit anzuschieben. Außerdem sieht Delhi darin die Chance, seine starke Abhängigkeit von Rüstungsimporten künftig zu vermindern.

Das Vorhaben liegt auch ansonsten im Trend: Keine Region der Welt rüstet so rasant auf wie das südliche Asien, wo sich gleich drei Atommächte gegenseitig belauern: Indien, Pakistan und China. In Delhi wächst von Monat zu Monat das Unbehagen, weil seine Luftwaffe die Anforderungen der Militärstrategen nicht ausreichend erfüllen können. Vor allem seine großen alten MIG-Geschwader russischer Herkunft bereiten Sorge. Aber auch die Jaguar-Jets machen Probleme, wie jüngste Meldungen zeigen. In den vergangenen Wochen stürzten zwei Maschinen wegen ungeklärter technischer Probleme ab, die Piloten konnten noch den Schleudersitz betätigen und sich retten. Doch jeder Unfall dieser Art nährt Rufe nach einer Modernisierung, um für mögliche Konflikte mit den Nachbarn besser gerüstet zu sein.

Wäre in den vergangenen Jahren alles nach Plan verlaufen, müsste Indien jetzt vermutlich kaum einen neuen Anlauf starten, um weltweit nach neuem Gerät zu ja-gen. Ursprünglich war einmal ein Mega-Geschäft mit den Franzosen vorgesehen, wonach die Inder 126 Rafale-Jets kaufen wollten, doch der ursprüngliche Deal platzte, und nach langem Gezerre kaufte Delhi im September schließlich nur noch 36 der Maschinen in Frankreich - für knapp acht Milliarden Euro. Weshalb nun ein neuer Anlauf nötig wird, bei dem andere Anbieter zum Zuge kommen könnten. Das Unternehmen Dassault, das die Rafale-Flugzeuge liefert, konnte sich mit Delhi nie auf einen gemeinsamen Plan zur lokalen Produktion in Indien einigen. Dies öffnet Möglichkeiten für Konkurrenten, vor allem für den US-Konzern Lockheed Martin mit der F-16 und das schwedische Unternehmen Saab mit dem Gripen-Jet.

Pakistan setzt auf Rückendeckung aus Peking, falls es zum Krieg kommt

Sollte sich die angebliche Vorgabe, künftig nur noch einstrahlige Jets zu kaufen, bestätigen, dann scheiden europäische Produkte wie der Rafale oder der Eurofighter für weiter indische Deals aus. Saab lockt mit dem Hinweis, dass die Firma bereits viel Erfahrung mit Technologietransfers gesammelt habe und Lockheed Martin hat nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters angeboten, die ganze Produktion der F-16 nach Indien zu verlegen. Eine alleinige Produktion der F-16 in Indien würde den südasiatischen Staat zum "führenden Exporteur für fortgeschrittene Kampfflugzeuge machen", wie Abhay Paranjape, Vertreter von Lockheed in Indien, erklärte.

Die Spannungen zwischen Pakistan und Indien sind nach Terrorangriffen in Kaschmir in den vergangenen Wochen stark gestiegen, in diesem feindlichen Klima gewinnt die Debatte um Modernisierung der indischen Streitkräfte zunehmend Gewicht. 30 Jahre lange dauerte die Entwicklung eines eigenen leichten Kampfflugzeuges, des Überschallflugzeugs Tejas, die ersten beiden Flugzeuge dieses Typs wurden im Sommer an die Luftwaffe übergeben. Doch zeichnet sich ab, dass sie die militärischen Bedürfnisse Indiens nicht ausreichend abdecken.

Schon im März hatte der stellvertretende Luftwaffenchef Birender Singh Dhanoa im Verteidigungsausschuss des Parlaments erklärt, dass ihm im Fall eines Zweifrontenkrieges mit China und Pakistan die nötige "operationelle Stärke" fehle. Nun wurde ein hochrangiger Offizier mit der Einschätzung zitiert, dass Indien eine "unmittelbare Lücke von 200 Kampfflugzeugen" zu schließen habe. Der Aufbau von Produktionsstandorten in Indien allerdings wird Jahre dauern, selbst wenn er umgehend beschlossen würde.

Pakistan setzt auf Rückendeckung aus Peking, falls es zum Krieg kommt, Grenzstreitigkeiten zwischen Indern und Chinesen sind noch immer ungelöst. Und langfristig gilt Delhi der Riese in Fernost als größter Rivale, auch wenn die beiden Seiten immer wieder betonen, sie trachteten nach freundschaftlicher Nachbarschaft.