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Rocket Internet:Schock an der Börse

Sieben Jahre arbeiteten sie eng zusammen: der Berliner Start-up Investor Rocket Internet und sein Großaktionär Kinnevik. Doch nun ziehen sich die Schweden zurück.

Nach dem Teilrückzug von Rocket-Internet-Großaktionär Kinnevik verlieren auch andere Anleger Vertrauen in den Berliner Start-up-Investor. Die Rocket-Aktie brach am Donnerstag um 17 Prozent ein. Der schwedische Risikokapitalgeber Kinnevik, einer der ersten Rocket-Investoren nach der Firmengründung 2007, hatte - wie berichtet - am Mittwochabend überraschend die Hälfte seines Aktienpakets von 13,2 Prozent auf den Markt geworfen. Man habe eine Gelegenheit genutzt, sagte Kinnevik-Interimschef Joakim Andersson der Agentur Reuters. "Wir wollen unsere Ressourcen auf weniger Unternehmen im Portfolio konzentrieren."

Kinnevik war nicht nur der zweitgrößte Aktionär von Rocket, beide haben gemeinsam auch direkt in zahlreiche Unternehmen investiert: in die Möbelhändler Home24 und Westwing etwa, oder die Global Fashion Group (GFG), in der Rocket seine Beteiligungen an Internet-Modehändlern gebündelt hat. An diesen Beteiligungen will Kinnevik festhalten.

Mit neuen Engagements von Kinnevik in Rocket-Beteiligungen ist aber nicht zu rechnen. Rocket habe sich verändert und investiere nun in reifere Firmen statt in Start-ups, sagte der Kinnevik-Chef, der im Dezember das Ruder übernahm. "Wir sind so etwas wie Konkurrenten geworden ..., deshalb haben wir uns ein bisschen von Rocket distanziert." Andersson ließ offen, ob und wann Kinnevik sich von seinem restlichen Anteil trennen wolle. Den Investoren, die bei der Platzierung eingestiegen sind, hat er versprochen, weitere Aktien frühestens Ende Mai auf den Markt zu werfen.

Zwischen den beiden Unternehmen kriselt es Insidern zufolge schon länger. Bereits 2016 hatten die Schweden beide Vertreter aus dem Aufsichtsrat von Rocket zurückgezogen. Zwist hatte es dem Vernehmen nach beim abgeblasenen Börsengang des Lebensmittel-Lieferanten Hello Fresh gegeben. Rocket-Chef Oliver Samwer habe auf die Emission gedrängt, Kinnevik habe ihn blockiert.

© SZ vom 24.02.2017 / Reuters
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