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Rezession:Australien im Abschwung

Australia - mining iron ore-open cut mine. Pilbara region, Hamersley Range. PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY Copyright: J

Eisenerz-Mine in der Region Pilbara: Wegen seines Rohstoff-Reichtums blieb Australien lange von Rezessionen verschont. Nun ist es damit vorbei.

(Foto: Jean Paul Ferrero/imago images)

In Down Under geht nach 28 Jahren eine Phase des Dauerbooms zu Ende.

Von Frida Preuß, München

Fast drei Jahrzehnte ging es in Down Under nur bergauf, doch jetzt setzt die Corona-Pandemie dem Boom ein Ende: Erstmals seit 1991 ist Australien wieder in eine Rezession gerutscht. Das Bruttoinlandsprodukt ist im zweiten Quartal um sieben Prozent gefallen - noch etwas mehr, als Experten erwartet hatten. Seit 1959 dokumentiert das Land seine Quartalsdaten, und noch nie brach die Wirtschaft seitdem so stark ein wie in diesem Zeitraum. Premierminister Scott Morrison sprach von einem verheerenden Tag für Australien.

Zwar erleiden viele Länder gerade noch deutlich stärkere Wirtschaftseinbrüche, doch nach 28 Jahren durchgehenden Wachstums ist man in Down Under schlechte Nachrichten nicht gewohnt. Noch nie hat eine westliche Industrienation so lange im Dauerboom gelebt wie Australien. Das Land profitiert als einer der wichtigsten Rohstoffproduzenten der Welt noch immer stark von seinen wertvollen Bodenschätzen. Selbst in der Finanzkrise 2008 konnte Australien als einziges der 37 OECD-Mitglieder eine Rezession verhindern.

Doch dann kam die Pandemie: Wie in vielen Teilen der Welt legten die Maßnahmen gegen das neue Coronavirus in Australien ganze Branchen lahm. Seit März haben in der Folge mehr als eine Million Menschen ihren Job verloren. Entwarnung gibt es bisher nicht, das Land befindet sich mitten in der zweiten Welle. In der Millionenstadt Melbourne stiegen die Infektionszahlen Anfang August so dramatisch an, dass die Regierung eine bis Mitte September geltende Ausgangssperre verhängte. Das wird die Konjunktur auch im weiteren Verlauf des Jahres schwer belasten. "Wir gehen davon aus, dass es bis Anfang 2022 dauern wird, bis die Wirtschaft wieder das Niveau vor der Pandemie erreichen wird", sagt Sarah Hunter, Chefvolkswirtin des Instituts BIS Oxford Economics.

Um die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen, senkte die Zentralbank den Leitzins bereits im März auf ein Rekordtief von 0,25 Prozent. Die Regierung verabschiedete zudem Konjunkturhilfen von mehr als 300 Milliarden Australischen Dollar, das sind rund 185 Milliarden Euro. Weil die Zeichen aber noch nicht auf Erholung deuten, könnten weitere Maßnahmen folgen. Doch nicht nur die Pandemie lässt Australien derzeit schwächeln: Der zuletzt starke Anstieg der Landeswährung macht Exporte teurer und schadet so der heimischen Wirtschaft.

© SZ vom 03.09.2020

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