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Recycling:Vermüllert

Entwicklungsminister Gerd Müller will den Export von Verpackungsmüll nach Fernost verbieten. Entwicklungsländer dürften nicht zur Müllhalde Deutschlands werden. Was er übersieht: Die Exporte sinken bereits.

Wenn es um den Planeten geht, versteht Gerd Müller keinen Spaß. Der Entwicklungsminister von der CSU gilt mittlerweile als verkappter Umweltminister, der mal gegen die Einweg-Plastiktüte zu Felde zieht, mal den Regenwald retten will und mal die Ozeane - und am liebsten alles gleichzeitig. Müller, seit 2013 im Kabinett, ist so etwas wie das schlechte Gewissen dieser Bundesregierung. Missstände prangert keiner so klar und entschieden an wie er.

Nun erfordert scheinbar ein weiterer Missstand Müllers Einsatz: der Export von Abfällen. Jahrelang verschifften deutsche Firmen ihren Verpackungsmüll nach Fernost. Was dort mit dem Müll geschah, wusste keiner so recht. Dennoch galt er anschließend als "recycelt": eine billige Entsorgung. Erst Anfang vorigen Jahres hatte China die Annahme solcher unsortierter Abfälle verboten, so suchte sich der Müll andere Ziele, darunter Malaysia. Und Müller will damit endgültig Schluss machen. "Es ist inakzeptabel, dass wir Malaysia oder andere Entwicklungsländer zur Müllhalde Deutschlands oder Europas machen", sagte er der Bild-Zeitung. "Ich bin für einen europaweiten Exportstopp von Müll in Entwicklungsländer." Die Industrieländer müssten schon selbst ein System entwickeln, um ihre werthaltigen Abfälle zu recyceln.

Recht hat er, wieder einmal. Nur mit Blick auf Deutschland ist er möglicherweise nicht ganz auf dem neuesten Stand. Erst vorige Woche hatte die "Zentrale Stelle Verpackungsregister" neue Zahlen über das Recycling vorgelegt. Die Zentrale Stelle, vom Bund mit der Aufsicht über das Recycling betraut, erfasst alles, was mit Verpackungen nach deren Gebrauch geschieht - bis hin zu deren Export in Drittländer.

Der allerdings hat offenbar stark abgenommen. Fast 90 Prozent der Verpackungen wird im Inland recycelt, und von den zehn Prozent, die ins Ausland gehen, bleibt fast alles in der EU oder der Schweiz. Nur 0,43 Prozent des deutschen Verpackungsmülls verlässt die EU, was freilich immer noch ein Haufen Müll ist. Und tatsächlich geht davon das Meiste nach Malaysia. "Aber für die Recyclingquote haben wir das nicht anerkannt", sagt Gunda Rachut, die Chefin der Zentralen Stelle. Damit schwindet der Anreiz, den Müll dorthin auszuführen. Und womöglich wirkt das sogar noch schneller als der Appell des Ministers.