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Ratingagentur senkt Bonität:Standard & Poor's stuft Spanien herab

Der strikte Sparkurs der spanischen Regierung beeindruckt die Ratingagentur wenig: Angesichts der enormen Staatsschulden hat Standard & Poor's die Bonität des Landes um zwei Stufen gesenkt. Zudem sei der Ausblick negativ - es droht eine weitere Herabstufung. In Spanien selbst stößt die Entscheidung auf Kritik.

Spanien besitzt in den Augen der Ratingagentur Standard & Poor's nur noch eine befriedigende Kreditwürdigkeit. S&P senkte die Bonität des Landes gleich um zwei Stufen von "A" auf "BBB+". Zudem sei der Ausblick negativ: Es droht eine weitere Herabstufung.

Als Grund nannte die Agentur die Staatsschulden. Es gebe erhebliche Risiken für das Wirtschaftswachstum und den Haushalt, begründete S&P den Schritt. Die Agentur erklärte, sie glaube zudem nicht, dass die Arbeitsmarktreformen unter dem Strich in absehbarer Zeit Jobs schaffen würden. Gleichzeitig steige die Wahrscheinlichkeit, dass die Regierung den Banken mit weiteren Hilfen unter die Arme greifen müsse. Das wiederum berge das Risiko, dass die Verschuldung weiter ansteigen könne, hieß es.

Um angeschlagene Banken zu entlasten, diskutieren die Euro-Länder derzeit über die direkte Vergabe von Krediten an klamme Geldhäuser. Bislang dürfen ausschließlich Regierungen Hilfen aus dem Euro-Rettungsschirm in Anspruch nehmen und an die Banken ihres Landes weitergeben. Dafür muss das betroffene Land aber ausreichende Spar- und Reformbemühungen nachweisen. Künftig könnten Banken direkt Geld aus dem ESM erhalten - Deutschland wehrt sich allerdings gegen den Vorschlag.

Das spanische Wirtschaftsministerium kritisierte die Herabstufung durch S&P. Die Ratingagentur habe nicht ausreichend die angekündigten Reformen berücksichtigt, sagte eine Sprecherin. "Sie werden einen großen Einfluss auf die wirtschaftliche Lage in Spanien haben."

Ein schlechteres Rating spiegelt wider, dass ein Land höhere Zinsen für die Aufnahme neuer Schulden zahlen muss. Die Herabstufung durch S&P erhöht den Druck der Märkte auf Spanien.

Die Regierung in Madrid ist zuversichtlich, ihr Sparziel für dieses Jahr zu erfüllen. Mit Hilfe eines strikten Sparkurses von mehr als 27 Milliarden Euro will das Land ein Haushaltsdefizit von 5,3 Prozent erreichen. Im vergangenen Jahr waren es noch 8,5 Prozent. Die drastischen Sparbemühungen sollen dazu führen, dass die Finanzmärkte wieder Vertrauen in das hoch verschuldete Land fassen. Zwar kann Spanien sich noch erfolgreich Geld auf dem Kapitalmarkt besorgen, muss die Anleger aber zunehmend mit höheren Zinsen locken.

Allerdings ist das südeuropäische Land gerade erst erneut in die Rezession abgerutscht. Nach Angaben der Zentralbank schrumpfte die Wirtschaftsleistung im ersten Quartal um 0,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, als das Minus bereits bei 0,3 Prozent gelegen hatte. Standard & Poor's erklärte, es rechne für dieses Jahr mit einem Einbruch der spanischen Wirtschaft um 1,5 Prozent. Zuletzt hatte die Ratingagentur die spanische Bonität im Januar heruntergesetzt.

Die Finanzierung einer europäischen Ratingagentur scheint unterdessen gesichert. Die Beraterfirma Roland Berger hat nach eigenen Angaben nun doch das nötige Startkapital von 300 Millionen Euro einsammeln können. Das Projekt stand zwischenzeitlich schon auf der Kippe, soll nun aber im Mai starten. Die Ratingagentur soll ein europäisches Gegengewicht zu den drei großen amerikanischen Unternehmen Standard & Poor's, Moody's und Fitch bilden.

© Reuters/dpa/dapd/AFP/fran/bero/bbr

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