Pläne für Neueröffnung von Dorfläden Tante Emma statt Anton Schlecker

Ehemalige Schlecker-Mitarbeiterinnen führen alte Filialen als klassische Dorfläden weiter - und die Kunden beteiligen sich daran finanziell. Das wünscht sich zumindest die Gewerkschaft Verdi. Ein Experte mahnt: Ohne Wir-Gefühl wird das nichts.

Von der riesigen Drogeriekette zum Tante-Emma-Laden: Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi denkt über ein Modell nach, in dem ehemalige Mitarbeiterinnen in einigen Filialen der insolventen Drogerie Schlecker Dorfläden eröffnen könnten.

Verdi zufolge soll für jeden Laden eine eigene Unternehmergesellschaft, auch Mini-GmbH genannt, gegründet werden. Für diese kleinere Variante der GmbH reicht bereits ein Euro Startkapital. Eine übergeordnete Holding soll dann zum Beispiel die Buchhaltung und den Einkauf übernehmen.

Der Kapitalbedarf für eine durchschnittliche Filiale liegt laut dem auf Dorfläden spezialisierten Unternehmensberater Wolfgang Gröll zwischen 40.000 und 60.000 Euro. Die Kunden sollen mithelfen, das Geld aufzutreiben: "Wir wollen, dass die Kundschaft auch Einlagen zeichnet", sagte Christina Frank vom Verdi-Bezirk Stuttgart. "Dann ist das auch praktisch mit ihr Laden."

Nach Angaben der Gewerkschaft interessieren sich bisher etwa 40 frühere Schlecker-Mitarbeiterinnen für den Plan. Sie wollen frühere Drogeriemärkte mit neuem Logo und dem Sortiment eines klassischen Dorfladens neu eröffnen. Durch den Zusammenbruch von Schlecker ist auch die Versorgung in vielen Gemeinden gefährdet. "Es gibt Dörfer wo mit Schlecker alles wegkracht", sagte die Landesbezirksleiterin von Baden-Württemberg, Leni Breymaier.

Bis Ende Oktober sollen mindestens drei Läden das Modell erproben. Das Vorhaben ist zunächst auf Baden-Württemberg begrenzt. Bundesweit gibt es Verdi zufolge aber etwa 1000 Standorte, die aufgrund ihres guten Umsatzes für eine Weiterführung infrage kämen.

Der Unternehmensberater Michael Gschwinder warnt allerdings vor überzogenen Erwartungen an ein solches Modell. Der Fachmann vom Handelsverband Baden-Württemberg berät Unternehmensgründer. Er sagte der Nachrichtenagentur dpa: "Schlecker raus, Laden rein, das klingt schön einfach, aber für die Umsetzung muss man sich jeden Standort ganz genau ansehen."

Gschwinder hat bereits zwei Anfragen von ehemaligen Schlecker-Mitarbeiterinnen vorliegen, die Stadtteilfilialen übernehmen wollen. Zudem berät er ein Dorf, das in einem aufgegeben Schleckermarkt einen Laden eröffnen will. Ein Dorfladen funktioniert nach Erfahrung von Gschwinder nur, wenn die Gemeinschaft hinter dem Projekt steht. Deshalb rät er dazu, solche Läden als Genossenschaft oder Verein zu führen. "Es muss ein Wir-Gefühl entstehen, nach dem Motto: Wir kaufen in unserem Laden ein." Auch ehrenamtliche Unterstützung könne in solchen Fällen überlebenswichtig sein.