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Pflege:Gefragt zu sein reicht nicht

Altenpflege in Niedersachsen

Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt rasant: 2007 waren es 2,2 Millionen in Deutschland, 2017 bereits 3,4 Millionen.

(Foto: Holger Hollemann/dpa)

Trotz Fachkräftemangels werden Pflegekräfte weiter mies bezahlt.

Obwohl viele Kliniken, Altenheime und Kindergärten Fachpersonal dringend suchen, werden Altenpfleger, Krankenschwester oder Erzieher nach wie vor unterdurchschnittlich schlecht bezahlt. Die Stundenlöhne von geprüften Altenpflegekräften liegen im Mittel bei 14,24 Euro brutto. In der Krankenpflege beträgt dieser Wert 16,23 Euro und bei Erziehern 15,91 Euro. Das ist weniger als der Mittelwert für alle Beschäftigten in Deutschland, dieser liegt bei 16,97 Euro. Das geht aus einer neuen Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hervor.

Wissenschaftlerinnen fordern besseren Personalschlüssel in Kliniken und Heimen

Noch weniger verdienen demnach Helfer in der Alten- und Krankenpflege mit im Mittel 11,09 beziehungsweise 11,49 Euro brutto pro Stunde. Nicht nur die schlechte Bezahlung mache Pflegeberufe unattraktiv. Die Pflegekräfte seien oft auch körperlich und seelisch überlastet, heißt es in der Untersuchung. Die Autorinnen Christina Schildmann und Dorothea Voss führen dies vor allem darauf zurück, dass seit Jahren am Personal gespart wird - mit fatalen Folgen: Wegen der dünnen Personaldecken werden Mitarbeiter in der Pflege häufiger krank, steigen aus dem Beruf aus oder gehen vorzeitig unfreiwillig in Rente.

Die Wissenschaftlerinnen schlagen deshalb vor, bessere Mindestquoten für das Personal einzuführen. So kämen in den US-amerikanischen Krankenhäusern durchschnittlich 5,3 Patienten auf eine Pflegekraft, in den Niederlanden sieben und in der Schweiz acht. In Deutschland müsste sich eine Krankenschwester im Durchschnitt um 13 Patienten kümmern. Außerdem müssten für die sozialen Dienstleistungsberufe möglichst flächendeckend Tarifverträge gelten, was zu höheren Löhnen führen würde. Dies werde jedoch erschwert durch den "Flickenteppich" vieler kleiner Betriebe in der Branche und den starken Anteil an kirchlichen Einrichtungen, die ihre Löhne ohne Tarifverhandlungen mit Gewerkschaften festlegen können. Die Forscherinnen räumen aber ein, dass Tariferhöhungen von den Krankenkassen oft nicht voll refinanziert werden.

Dass es auch anders geht, zeigt das Land Hamburg: Dort erhalten Anbieter, die nachweislich Pflegekräften Tariflöhne zahlen, höhere Pflegesätze.