Payback:Große Gaunerei

Kundenkarten schwanken in Verbrauchergunst

Die Trickser hatten sich mehrere Payback-Karten besorgt.

(Foto: Uli Deck/dpa)

Telekom-Mitarbeiter haben sich selbst statt den Kunden 40 Millionen Payback-Punkte gutgeschrieben. Es geht um einen Gesamtwert von 400000 Euro.

Von Vivien Timmler

Ein Cent pro Punkt, das ist der Deal. 28 Millionen Deutsche sind ihn mit dem Bonusprogramm Payback eingegangen und lassen sich bei ihren Einkäufen Punkte gutschreiben. Ab einer bestimmten Anzahl können sie diese dann einlösen: gegen Prämien, Warengutscheine oder Bargeld. Bei mehr als 600 Partnern können Kunden diese Bonuspunkte sammeln, immer wieder gibt es Sonderaktionen oder Coupons, mit denen sie diese vervielfachen können.

Bis zu 5000 Punkte gibt es beispielsweise, wenn ein Kunde einen Mobilfunkvertrag bei der Telekom abschließt. Davon kann er sich im Nachhinein 50 Euro gutschreiben lassen. Ein Guthaben, für das sonst ganz schön viele Wocheneinkäufe nötig wären. Das nutzten einige Mitarbeiter der Telekom aus. Zwischen Oktober 2014 und Oktober 2015 haben sie sich die Punkte, die eigentlich nur Telekom-Kunden zustehen, unter den Nagel gerissen.

Um insgesamt 40 Millionen Payback-Punkte haben die Mitarbeiter ihr Unternehmen innerhalb eines Jahres betrogen. Das sind umgerechnet 200 Kettler-E-Bikes, 740 iPads, mehr als 5000 Edelstahlpfannen-Sets oder 36 000 Schälmesser. In dem Fall, über den zuerst die Bild-Zeitung berichtete, geht es um einen Gesamtwert von 400 000 Euro. Regelrecht systematisch haben die Mitarbeiter die Punkte auf ihre eigenen Karten gebucht, und das in Filialen in ganz Deutschland.

Die Kunden bekamen vom Schwindel dem Unternehmen zufolge nichts mit. "Immer, wenn die Kunden einen Coupon hatten, haben sie diese Gutschrift auch bekommen", versichert ein Telekom-Sprecher. In den betroffenen Fällen hätten die Kunden keinen Coupon dabeigehabt oder seien über das Bonusprogramm einfach nicht informiert gewesen. Gleichzeitig hätten es die Mitarbeiter bewusst vermieden, sie darauf aufmerksam zu machen, um selbst die Punkte zu kassieren.

Dementsprechend sind nicht die Kunden die Geschädigten, sondern die Deutsche Telekom selbst. Denn das Unternehmen zahlt für die eingelösten Gutscheine einen Betrag an Payback. Im Gegenzug erhofft sich das Unternehmen durch die Partnerschaft den Vorteil, dass Kunden mit Payback-Karte bevorzugt bei ihnen anstatt bei der Konkurrenz einkaufen.

Die Telekom hat den entstandenen Schaden mittlerweile bereits von den Mitarbeitern zurückgefordert. Einige von ihnen arbeiten inzwischen nicht mehr für das Unternehmen. Ab sofort müssen die Angestellten eine Erklärung unterschreiben, derzufolge Vergünstigungen nicht auf private Bonuskarten gutgeschrieben werden dürfen. Zudem sind die Coupons, die in der Vergangenheit beliebig oft genutzt werden konnten und somit ein Einfallstor für die Betrügerei waren, ab sofort mit einer Seriennummer ausgestattet und nur noch für eine einzige Anwendung gültig. Das Bonuspunkte-System habe zwar auch bislang bereits außerordentliche Punktebewegungen erkannt, sobald mehrere gleiche Coupons auf ein Punktekonto gebucht wurden, so eine Payback-Sprecherin. Der Telekom zufolge war die Masche der Angestellten jedoch besonders ausgeklügelt: Sie nutzten für die Betrügerei gleich mehrere Payback-Karten. Dadurch flog die Betrügerei am Ende jedoch auf: Eine Frau war unvorsichtig und besorgte sich innerhalb einer Woche gleich mehrmals neue Plastikkärtchen in einem Drogeriemarkt, was eine Mitarbeiterin aufmerksam machte, die den Konzern informierte.

Payback zufolge gab es in der Vergangenheit nur einen weiteren Betrugsfall dieser Art. Im Jahr 2008 hatten Kassierer der Handelskette Real ihre eigenen Payback-Karten genutzt, um darauf die Punkte von Kunden zu sammeln. Teilweise war das sogar in Absprache mit den Käufern geschehen, wie es damals aus Betriebsratskreisen hieß - die Mitarbeiter wurden nach Bekanntwerden der Affäre trotzdem entlassen.

© SZ vom 08.09.2016
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