Özlem Türeci:Eine preußische Türkin

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Özlem Türeci: Özlem Türeci, medizinische Geschäftsführerin des Biotechnologie-Unternehmens Biontech, im Labor des Unternehmens.

Özlem Türeci, medizinische Geschäftsführerin des Biotechnologie-Unternehmens Biontech, im Labor des Unternehmens.

(Foto: oh)

Özlem Türeci hat mit ihrem Mann den ersten Corona-Impfstoff entwickelt, auf dem ruht nun die Hoffnung im Kampf gegen die Pandemie.

Von Elisabeth Dostert

Über ihn reden jetzt alle, über sie weniger. Özlem Türeci, 53, drängt sich nicht in den Vordergrund. Ihr Ehemann Uğur Şahin, 55, gilt als der Mann, der Europa den ersten Impfstoff gegen das Coronavirus brachte, doch auch sie ist eine treibende Kraft. "Sie sind ein geniales Forscherpaar", sagt Christoph Huber, der mit ihnen zusammen 2008 Biontech gegründet hat. Er vergleicht sie mit den Nobelpreisträgern Marie und Pierre Curie, "leidenschaftlich und hochintelligent".

Über Türeci geraten viele ins Schwärmen, denen in ihrem Leben brillante Forschende begegnet sind. "Wenn Sie Özlem fragen, erklären Sie mir bitte die Zahl Vier, dann gibt sie Ihnen das Gefühl, dass sie über die Zahlen Drei und Fünf noch viel mehr weiß. Sie kann die kompliziertesten Sachverhalte verständlich erklären", sagt Biontech-Investor Thomas Strüngmann im SZ-Interview. Als Şahin im Januar vom neuen Virus in China liest, läuft er, so heißt es in Medienberichten, erst zu seiner Frau, um ihr davon zu erzählen. Und bald darauf beginnen sie an der Arbeit an einem Corona-Impfstoff.

Türeci ist seit 2018 der Chief Medical Officer von Biontech, also Vorstand Medizin, von Anfang an berät sie die Firma. Operativ kümmerte sie sich viele Jahre um eine andere, die das Paar Türeci/Şahin 2001 gegründet hatte: Ganymed, eine auf monoklonale Antikörper zur Krebstherapie spezialisierte Firma. 2007 wird sie deren Vorstandschefin und bleibt es bis zum Verkauf von Ganymed 2016 an den japanischen Konzern Astellas für - je nach Erfolg der Medikamente - bis zu 1,3 Milliarden Dollar. Türeci ist Wissenschaftlerin und eine gute Geschäftsfrau. Das ist ihr bis heute ein Anliegen: Aus Wissen Produkte zu machen, die Patienten heilen.

Türeci wurde in Deutschland geboren und wächst bei ihren Großeltern in Istanbul auf, mit vier Jahren holen sie die Eltern nach Lastrup, wo der Vater als Arzt an einem kleinen katholischen Krankenhaus arbeitet. Nach dem Abitur studiert sie in Homburg Medizin. Dort lernt sie Şahin kennen. Beide fasziniert die Krebsforschung und die Vorstellung, die körpereigene Immunabwehr so anzuleiten, dass sie sich selbst gegen Angreifer wehrt. Gemeinsam wechseln sie an die Universität Mainz. 2002 heiraten Türeci und Şahin. Vor und nach dem Standesamt stehen sie im Labor. "Ich bin", sagt sie einmal der SZ, "eine preußische Türkin."

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