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Neuer Chef beim Frankfurter Flughafen:Zeitenwende bei Fraport

Fast 17 Jahre wurde der Frankfurter Flughafen vom begnadeten Kommunikator Wilhelm Bender geleitet. Nun rückt Finanzvorstand Stefan Schulte an die Spitze.

Jens Flottau

Wie stark er wohl künftig im Fokus der Öffentlichkeit stehen wird, dürfte Stefan Schulte spätestens am Dienstag der vergangenen Woche klargeworden sein - bei der "Abschiedsfeier" für seinen Vorgänger Wilhelm Bender. Für den langjährigen Chef des Flughafenbetreibers Fraport hatte es eine Party mit 800 Gästen gegeben, gegen die Josef Ackermanns Geburtstagsessen bei Kanzlerin Angela Merkel mehr als bescheiden wirken musste.

Stefan Schulte, ddp

Gegenentwurf zum bisherigen Flughafen-Chef: Stefan Schulte.

(Foto: Foto: ddp)

Nahezu die gesamte Prominenz aus Wirtschaft und Politik in Hessen war erschienen, um Bender samt Familie auf großer Bühne zu verabschieden. Schon in der Einladung war anzukreuzen, ob man mit oder ohne Chauffeur anzureisen gedenkt. Bender immerhin chauffierte sich selbst in die Halle - mit einem Flugzeugschlepper für den Airbus A380.

"Mister Luftverkehr"

Es war natürlich auch ein Abschied von "Mister Luftverkehr". Wilhelm Bender stand 17 Jahre an der Spitze, und er hat Fraport an die Börse gebracht. Dass sein Nachfolger Stefan Schulte, der an diesem 1.September antritt, vom regionalen Establishment bald ebenso bejubelt wird, ist nicht zu erwarten. Denn auch wenn dem neuen Chef Eitelkeit und Ehrgeiz ebenfalls nicht fremd sind, so ist er als Typ der Gegenentwurf zum bisherigen Flughafen-Chef.

Der heute 48 Jahre alte Schulte ist kein Freund der großen Bühne. Er spricht leise und versucht, immer beherrscht zu wirken. Der Umgang wird erst lockerer, wenn er sich von Vertrauten umgeben weiß. Der große Kommunikator wird abgelöst von einem, der dreimal überlegt, bevor er sich öffentlich äußert. Und wenn er es dann tut, dann klingt das so: "Wir wollen die Zufriedenheit unserer Kunden weiter erhöhen." Die Fraport-Mitarbeiter können sich auf eine neue Firmenkultur einstellen.

Schon sein Start in Frankfurt im Jahr 2003 als Finanzvorstand war - zumindest im Hinblick auf sein Image - alles andere als gelungen. Der Aufsichtsrat musste damals die Gehälter von Bender und dessen damaligem Stellvertreter Manfred Schölch gegen den Widerstand der Arbeitnehmervertreter erhöhen, um "die Relation zum Gehalt des im April 2003 ins Unternehmen eingetretenen Finanzvorstandes" wiederherzustellen.

Schulte, zuvor Vorstandsmitglied beim Maschinenbauer Deutz, hatte mit seinem bei Fraport ausgehandelten Gehalt die bisherige Reihenfolge durcheinandergebracht. Seither haftet dem ausgewiesenen Finanzfachmann, der bei der Deutschen Bank gelernt hat, auch der Ruf des geldbewussten Karrieristen an. Doch spätestens als der Aufsichtsrat Schulte 2006 dann zu Benders Stellvertreter machte, war klar, dass mit dem Mann zu rechnen war.

Schulte gilt nicht nur in eigener Sache als Mann der Zahlen und Effizienz. So hat er bereits angekündigt, den Konzern umbauen zu wollen. "Die Abläufe bei Fraport müssen schneller und straffer werden", sagte er. Und er macht nicht den Eindruck, als wolle er sich dafür viel Zeit lassen.

Luxusläden statt Gepäck

Bis Jahresende läuft ein Ultimatum in Sachen Bodenverkehrsdienste: Sollte es bis dahin keine Einigung mit den Mitarbeitern über eine Senkung der Kosten geben, was im Grunde auf einen Gehaltsverzicht hinausläuft, droht Schulte, das einst lukrative Geschäft mit der Flugzeugabfertigung abzugeben. Schon jetzt weist er darauf hin, dass Frankfurt einer der wenigen Großflughäfen weltweit ist, der diese Dienstleistungen selbst anbietet. Wenn die Marge nicht mehr stimmt, dann wird die Abteilung eben verkauft. Schließlich lässt sich mittlerweile mit den Luxusläden im Terminal viel mehr Geld verdienen, als mit Gepäck schleppen.

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