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Neue Bundesländer:Stillstand Ost

Etiketten-Fabrik im brandenburgischen Fehrbellin: Es gibt zu wenig Großunternehmen im Osten.

Wirtschaft in Ostdeutschland: Mitarbeiter eines Etikettenunternehmens im brandenburgischen Fehrbellin (2006).

(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)
  • Dem Münchner Ifo-Institut zufolge wird die Wirtschaftskraft der ostdeutschen Länder weiter hinter dem Westen zurückbleiben.
  • Grund sei etwa das Fehlen hochproduktiver Großunternehmen.
  • Allerdings gebe es "einzelne Wachstumspole".

Die Wirtschaftskraft der ostdeutschen Länder wird nach Prognose des Ifo-Instituts auch im kommenden Vierteljahrhundert hinter dem Westen zurückbleiben. "Alles spricht dafür, dass Ostdeutschland in den nächsten 25 Jahren nicht aufholen kann", so der stellvertretende Leiter der Ifo-Niederlassung Dresden, Joachim Ragnitz, bei einem Vortrag in Tutzing. "Die Konvergenz zwischen Ost- und Westdeutschland im Sinne der Wirtschaftsleistung ist bereits vor zwanzig Jahren zum Stillstand gekommen."

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) je Einwohner verharre seit 1995 bei 75 Prozent des westdeutschen Durchschnitts. "Wir sollten von der ohnehin illusorischen Vorstellung einer Angleichung der Lebensverhältnisse Abstand nehmen", sagte Ragnitz.

Es fehlen Großunternehmen

Grund dafür seien kurzfristig kaum zu behebende strukturelle Ursachen, wie das Fehlen hochproduktiver Großunternehmen in Ostdeutschland. Dafür ist früheren Ifo-Analysen zufolge vor allem die Politik der schnellen Lohnangleichung verantwortlich. "Heute dämpfen Schrumpfung und Alterung der Bevölkerung die wirtschaftliche Dynamik", sagte Ragnitz. "Dies darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich in den ostdeutschen Ländern eine ganze Reihe von erfolgreichen Unternehmen etabliert haben und dass einzelne Wachstumspole wie Dresden, Leipzig, Jena, Berliner Umland durchaus positive Perspektiven aufweisen."

Vergleiche man allerdings den Lebensstandard im Sinne der Nettoeinkommen pro Kopf miteinander, falle der Abstand zwischen Ost und West geringer aus. Grund sei die Umverteilung über das Steuer- und Transfersystem, von dem Ostdeutschland überproportional profitiere.

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