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„Geschlossene Schubladen oder Schränke sind für mich tabu. Die Angelegenheiten meiner Kunden haben mich nicht zu interessieren", sagt Tina Bauer.

(Foto: oh)

90 Prozent der Putzkräfte in Deutschland arbeiten schwarz, das zeigt eine neue Studie. Tina Bauer macht es anders: Sie arbeitet aus Berufung und ganz legal.

Tina Bauer, 43, putzt hauptberuflich in Privathaushalten, ganz legal und offiziell, als Angestellte einer Münchner Reinigungsfirma. Damit gehört sie einer kleinen Minderheit an. Denn knapp 90 Prozent der deutschen Haushalte mit einer Putzhilfe lassen ihre Wohnung schwarz putzen. Auf diese Schätzung kommt das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln in einer neuen Studie. "Für mich kam Schwarzarbeit nie infrage", sagt indes Bauer. "Wenn mir beim Putzen etwas passieren würde, wäre ich wegen der fehlenden Krankenversicherung nicht abgesichert. Mit dieser Unsicherheit könnte ich nicht leben." Für ihre Kunden ist eine abgabenfreie Beschäftigung natürlich günstiger. Wenn sie gefragt werde, ob sie auch schwarz arbeiten würde, lehne sie aber stets ab. Ihre feste Anstellung bedeute für sie: Sicherheit.

Warum die allermeisten Putzkräfte schwarz arbeiten, wisse sie nicht. "Vielleicht haben sie Schulden oder wollen einfach mehr Geld verdienen." Sie selbst sei glücklicherweise auf eine höhere Bezahlung nicht angewiesen. "Wir sind zu zweit, mein Mann ist ja auch berufstätig."

Das Putzen bezeichnet Bauer als ihre Berufung: "Es macht mir einfach großen Spaß. Ich habe einen extremen Putzfimmel", sagt sie und lacht. Zu ihrer Berufung kam sie auf Umwegen. Als ausgebildete IT-Fachkraft arbeitete sie über 20 Jahre lang bei Microsoft - bis sie genug hatte von der "tristen Büroarbeit". Sie ließ sich umschulen zur Sicherheitsdienstleisterin, arbeitete als Türsteherin und Chauffeurin. Nach einer weiteren Ausbildung zur Krankenpflegerin betreute sie drei Jahre lang eine ältere Dame. Rund um die Uhr kümmerte sie sich um die Wohnung, bereitete das Essen zu, verabreichte Medikamente.

Schließlich machte Bauer sich als Reinigungskraft selbständig, meldete ein Kleingewerbe an. Damals lebte sie in Dortmund. Um an Kunden zu kommen, wählte sie die direkte Methode: sie ging von Tür zu Tür. Kunden, die mit ihrer Arbeit zufrieden waren, empfohlen sie weiter. "Mund-zu-Mund-Propaganda ist für uns Putzhilfen die beste Werbung", sagt sie. Schnell hatte Bauer genug Klienten, um eine komplette Arbeitswoche zu füllen, betreute regelmäßig zehn verschiedene Haushalte.

Und doch war es in Dortmund nicht einfach, manche Kunden seien angeeckt, sagt Bauer. Sie ist am ganzen Körper tätowiert, eigentlich nichts Ungewöhnliches heutzutage, aber viele habe das abgeschreckt. "Sie sagten mir, unter einer Putzfrau stellten sie sich etwas anderes vor. Mein Argument, dass es doch nicht um mein Aussehen, sondern um meine Arbeit gehe, stieß auf taube Ohren." Sie sei als Putzkraft oft "von oben herab" behandelt worden.

Vor einem knappen halben Jahr ist Bauer gemeinsam mit ihrem Mann nach München gezogen. Dort fing sie bei der Reinigungsfirma "Happy Maids" an, die sich auf die Reinigung von Privathaushalten spezialisiert hat. "Hier in München ist das Verhältnis zu meinen Kunden deutlich besser", so Bauer. "Ich werde immer freundlich empfangen, niemand schließt mich wegen meines auffälligen Äußeren aus, es geht wirklich nur um meine Arbeit. Hier macht es mir Spaß, meinen Kunden eine Freude zu machen: Damit sie nach der Arbeit in eine saubere Wohnung kommen." Auch mit ihrer "guten Bezahlung" von zwölf Euro pro Stunde sei sie zufrieden. Sie liegt damit über dem Tariflohn von 10,56 Euro.

Während ihrer Arbeit dringt Bauer in die privaten Räume ihrer Kunden ein. Dabei sei Vertrauen wichtig. Geschlossene Schränke seien natürlich tabu. "Die Angelegenheiten meiner Kunden haben mich nicht zu interessieren. Daran halte ich mich." Ihre Aufgaben bekomme sie zu Beginn des Auftrags mitgeteilt - und nur diese führe sie aus. Und in München kommt sie damit bestens zurecht.