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Nach der Atomkatastrophe:Japans Wirtschaft schrumpft weiter

Das verheerende Erdbeben und die Reaktorkatastrophe drücken die japanische Wirtschaft zurück in die Rezession. Das BIP schrumpfte um fast ein Prozent. Ein vorübergehendes Phänomen, versucht die Regierung zu beschwichtigen.

Die Naturkatastrophe macht Japan ökonomisch immer noch schwer zu schaffen. Wie die Regierung auf vorläufiger Basis mitteilte, ging das Bruttoinlandsprodukt (BIP) auf das Jahr hochgerechnet zwischen Januar und März um 3,7 Prozent zurück. Im Vergleich zum Vorquartal bedeutet dies ein Minus von 0,9 Prozent - fast doppelt so viel wie Experten erwartet hatten.

Reaktor 1 und 2 des Akw Fukushima. Das Erdbeben und die Atomkatastrophe haben Japan in eine Rezession gestürzt.

(Foto: AP)

Da das BIP schon im vorangegangenen Vierteljahr gesunken war, befindet sich das Land per Definition wieder in einer Rezession. Zwischen Oktober und Dezember war das BIP um eine hochgerechnete Jahresrate von 1,1 Prozent zurückgegangen.

Japan hatte sich erst im zweiten Quartal 2009 aus der schwersten Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg gelöst. Das Erdbeben und der Tsunami sowie die Atomkatastrophe um das Akw Fukushima dürften das Land aber in eine noch tiefere Krise gestürzt haben. Experten befürchten, dass die Wirtschaft auch im laufenden Quartal schrumpfen wird, da die Folgen des Bebens weiter auf der Produktion und den Exporte lasten.

Japans Wirtschaftsminister Kaoru Yosano sprach allerdings von einem vorübergehenden Phänomen. Der Rückgang des BIP sei weitgehend auf die Folgen des Erdbebens zurückzuführen. Japans Wirtschaft werde zwar für eine Zeit schwach bleiben. Aber sie habe die Kraft, rasch wieder auf die Beine zu kommen. Die Zuliefererkette in der Industrie stabilisiere sich allmählich, und der Wiederaufbau dürfte die Wirtschaft ankurbeln.

Yosano bekräftigte in diesem Zusammenhang die Prognose der Regierung, die für das im April begonnene Fiskaljahr mit einem Wachstum von knapp einem Prozent rechnet. Neben den Exporten ging auch der private Konsum zurück, der etwa 60 Prozent der Wirtschaft ausmacht. Er sank um 0,6 Prozent. Analysten hatten einen Rückgang von 0,5 Prozent erwartet. Die Investitionen fielen mit Minus 0,9 Prozent dagegen weniger stark als am Markt befürchtet.

Trotz der Krise dürfte die japanische Notenbank bei ihrem Zinsentscheid am Freitag an Politik des billigen Geldes festhalten. Sie hatte zuletzt allerdings auch ihre Bereitschaft signalisiert, ihre Geldpolitik weiter zu lockern, sollte das Beben die Wirtschaft stärker als erwartet belasten.

Derweil haben Arbeiter im Reaktor 2 des Atomkraftwerks Fukushima erstmals die Ruine betreten. Die vier Männer seien ungefähr 15 Minuten im Reaktor gewesen, wie die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf den Betreiber Tepco berichtete. Ziel der Aktion sei gewesen, den Zustand der technischen Ausrüstung zu überprüfen.

Die Explosion im Reaktor 2 geschah wenige Tage nach dem Erdbeben und Beginn der Atomkatastrophe am 11. März dieses Jahres. Zuvor hatten Arbeiter bereits den Reaktor 1 betreten, um ein Kühlsystem für die Brennstäbe vorzubereiten.