Mutmaßlicher Container-Betrug Tausende Menschen wollen ihr Geld zurück

Teilnehmer warten vor Beginn der ersten Gläubigerversammlung im Millardenbetrugsfall P&R vor der Olympiahalle in München.

(Foto: dpa)
  • Die Pleite der Containerfirma P&R gilt schon jetzt als einer der größten Anlegerskandale in der bundesdeutschen Geschichte.
  • Zur Gläubigerversammlung in München kamen am Mittwoch mehrere tausend Menschen. Sie hoffen, Teile ihres Geldes zurückzubekommen.
  • Der zuständige Insolvenzverwalter stellte 560 Millionen Euro in Aussicht, die sich bis Ende 2021 über Vermietung und Verkauf von noch vorhandenen Container erzielen ließen.
Von Jan Willmroth

Als sich um acht Uhr die Türen öffnen, standen die ersten Anleger vor der Münchner Olympiahalle schon bereit. Dort, wo sonst Stars wie David Garrett auftreten, fand an diesem Mittwoch die erste Gläubigerversammlung nach dem mutmaßlichen Milliardenbetrug der Containerfirma P&R statt. Mehr als 2500 Menschen waren angereist, sie alle haben durch den Betrug Geld verloren. Insgesamt haben 10 000 Menschen Foderungen angemeldet. Vor allem ältere Kunden hatten sich auf den Weg zur Halle gemacht: Mehr als die Hälfte der P&R-Kunden ist älter als 60, mehr als ein Drittel älter als 70. Sie hatten immer wieder Geld in Container investiert, teils über Jahrzehnte hinweg - bis die Firmengruppe Anfang März 2018 nicht mehr zahlen konnte.

Er habe einen Großteil seiner Altersvorsorge verloren, sagte ein Anleger, der anonym bleiben möchte, und nun wolle er nur noch wissen, wie viel von seinen 120 000 Euro er noch wiedersehen werde, und wann. Damit steht er für viele an diesem Morgen, die erfahren wollen, was Insolvenzverwalter Michael Jaffé vorhat, um ihnen möglichst schnell noch wenigstens einen Teil des Geldes zurückzuzahlen.

Er stellt ihnen 560 Millionen Euro in Aussicht, die sich bis Ende 2021 über Vermietung und Verkauf der noch vorhandenen Container erzielen ließen. Das entspräche einem guten Siebtel der ausstehenden Forderungen. Passable Angebote für einen zügigen Verkauf der Flotte lägen bislang nicht vor. Die ersten Auszahlungen könnten frühestens im Jahr 2020 erfolgen, so der Insolvenzverwalter. Wie viel Geld über 2021 hinaus noch erwirtschaftet werden kann, lässt sich bisher noch nicht abschätzen. Ein Großteil der angelegten Gelder, das steht inzwischen fest, ist für immer verloren.

Spätestens im Frühjahr könnte der P&R-Gründer angeklagt werden

Der Gründer der insolventen Containerfirma P&R, Heinz R., sitzt seit nunmehr gut vier Wochen in Untersuchungshaft. Und wenn es nach den Ermittlern geht, soll bis zum ersten Prozess gegen ihn nicht mehr viel Zeit verstreichen. Die Staatsanwaltschaft München I wird mit einem Teil der umfangreichen Ermittlungen gegen den Mann in Kürze fertig sein. Spätestens im Frühjahr könnte Heinz R. bereits angeklagt werden, heißt es aus Ermittlerkreisen. "Wir wollen den ersten Teil der Ermittlungen schnell abschließen und eine Entscheidung treffen", sagt Oberstaatsanwältin Anne Leiding. Die Ermittler haben sich bewusst einen eindeutigen Teil des mutmaßlich größten Anlegerbetrugs in der bundesdeutschen Geschichte herausgegriffen, um schnell fertig zu werden: 270 Anleger, die um 17,9 Millionen Euro gebracht wurden.

Den geschädigten Anlegern mag das etwas Genugtuung verschaffen - bis sie eventuell Geld zurückbekommen, müssen sie sich jedoch noch gedulden. P&R hatte über verschiedene Gesellschaften mehr als 40 Jahre lang Schiffscontainer als Kapitalanlage verkauft, vor allem an Privatanleger, die von Mieten und Rückkäufen profitierten. Von Anfang März an meldeten nach und nach alle Firmen der Gruppe Insolvenz an. Nach derzeitigem Kenntnisstand sind von 1,6 Millionen Schiffscontainern, die etwa 54 000 Anleger gekauft hatten, nur 630 000 vorhanden. Spätestens seit 2007 verkaufte P&R von Jahr zu Jahr mehr Container, die nicht existierten. Als Insolvenzverwalter Jaffé im Frühjahr die Geschäfte übernahm, war bereits so gut wie kein Geld mehr übrig.

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