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Murdoch und der Abhörskandal:Das Imperium nimmt Schaden

Eine ganze Zeitung plattmachen, um den Konzern zu retten: Murdochs Plan nach dem Skandal um das Revolverblatt "News of the World" scheint nicht aufzugehen. Denn die Politik will nun die eigentlich schon sicher geglaubte Übernahme von BSkyB vereiteln.

Nach dem Abhörskandal bei News of the World erhöht die britische Regierung ihren Druck auf Rupert Murdoch. Vize-Regierungschef Nick Clegg rief den Medienmogul auf, die Milliarden-Übernahme des britischen PayTV-Senders BSkyB abzublasen. "Tun sie das Anständige und Vernünftige und überdenken sie noch einmal ihr Gebot für BSkyB", sagte Clegg der BBC.

The Chairman, and CEO of News Corporation, Murdoch, is seen talking on Sky News on television screens in an electrical store in Edinburgh

Murdoch, Murdoch, Murdoch: Der Boss der News Corporation im Fernsehsender Sky - den er eigentlich übernehmen wollte.

(Foto: REUTERS)

Der liberaldemokratische Politiker hatte sich zuvor mit Opfern des Abhörskandals der Murdoch-Zeitung getroffen. Die Opposition verlangt einen Stopp des Geschäfts im Volumen von 14 Milliarden Dollar. Der Murdoch-Konzern selbst zog sein Versprechen, im Falle eines Deals Sky News auszugliedern, zurück.

"So gut wie tot"

Der Aktienkurs von BSkyB verlor deutlich. Zuvor hatte die Regierung schon ihre Gangart gegenüber Murdoch verschärft und die britische Medienaufsicht sowie die Verbraucherschutzbehörde angewiesen, den BSkyB-Kauf angesichts der jüngsten Enthüllungen bei dem Murdoch-Blatt nochmals zu überprüfen. Die Aufsichtsbehörden hatten eigentlich bereits ihr Einverständnis signalisiert.

Die Regierung setzt offenbar darauf, dass bei einer abermaligen Prüfung genug Anhaltspunkte auftauchen, um in einem nächsten Schritt das Kartellamt einzuschalten und die Übernahme dann noch einmal gründlich unter die Lupe genommen wird. Dies könnte ein Jahr dauern. Branchenbeobachter gehen davon aus, dass das Geschäft auf der Kippe steht. "Wir glauben, dass der Deal so gut wie tot ist", sagte Analyst Alex DeGroote von der Investmentbank Panmure Gordon.

Ursprünglich galt die Übernahme schon so gut wie ausgemacht. Medienminister Jeremy Hunt wollte nach einer positiven Vorentscheidung der Regierung vergangenen Freitag eigentlich sein Okay geben. Er verlängerte das Verfahren, nachdem 135.000 Beschwerden eingegangen waren. Der britische Independent berichtete, die Regierung habe Anwälte beauftragt, eine Strategie zu entwickeln, wie die Komplettübernahme des lukrativen Bezahlsenders verhindert werden könne.

Oppositionsführer Ed Miliband hatte zuvor den Druck auf den Premierminister David Cameron erhöht und einen Stopp des Geschäfts gefordert. Er drohte zudem damit, noch in dieser Woche eine Abstimmung im Parlament über Murdochs Übernahmepläne zu beantragen, was die Koalition in eine schwierige Lage bringen dürfte. Denn die Liberaldemokraten haben als Bündnispartner der Konservativen bereits signalisiert, in dieser Frage mit der oppositionellen Labour-Partei zu stimmen.

Linktipp: Der Skandal um News of the World erschüttert Großbritannien. Der Guardian berichtet live in seinem News-Blog - der Telegraph ebenfalls.