Münchener Hypothekenbank:Die Bank, die durch den Stresstest fiel

  • Die Münchener Hypothekenbank ist im vergangenen Jahr als einziges deutsches Kreditinstitut durch den Bankenstresstest der Europäischen Zentralbank gefallen.
  • Bis zu diesem Zeitpunkt kannte die Bank kaum jemand.
  • Der Vorstandsvorsitzende räumt ein, dass von Anfang an keine Chance bestand, den Test zu bestehen - denn die Bank hatte mit einer späteren Frist für die Kapitalanforderungen geplant.

Von Andrea Rexer

Plötzlich stand die Bank auf allen Titelseiten

Louis Hagen liebt die Ruhe. Fernab vom Trubel in den Skigebieten, schnallt er Felle unter seine Skier und geht zu Fuß zum Gipfel. Gute Skitourengeher hasten nicht, sie halten das Tempo schön gleichmäßig, sie kennen bei jedem Wetterverhältnis die beste Route und bevor es zu gefährlich wird, brechen sie die Tour ab.

Bisher war auch die Münchener Hypothekenbank, deren Vorstandsvorsitzender Hagen ist, eine Bank fernab des Trubels, die in ihrem eigenen Tritt vorangegangen ist. Doch dann kam der 26. Oktober 2014. Und plötzlich stand die Bank auf allen Titelseiten: Sie hatte als einzige Bank in Deutschland den Stresstest der Europäischen Zentralbank nicht bestanden. Als Hagen an diesem Morgen die Zeitungen aufschlug, war er perplex: "Ich habe überhaupt nicht erwartet, dass wir in die Schlagzeilen geraten", sagt er im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung. Eigentlich mache die Bank doch nur ganz simple Immobilienfinanzierung für Privatleute.

Und in der Tat ist die Bank so unauffällig, dass man sie kaum kennt - obwohl sie eine Bilanzsumme von 36 Milliarden Euro hat. Es gibt kaum Filialen, kaum Werbespots oder Anzeigen. Die Münchener Hypothekenbank arbeitet im Hintergrund. Der Vertrieb ihrer Darlehen läuft über die Volks- und Raiffeisenbanken. Denn die Hypothekenbank gehört zur Familie der Genossenschaftsbanken. Einst gegründet vom Adelsgeschlecht der Wittelsbacher, ist sie heute im Besitz von über 800 kleinen Banken und mehr als 76 000 Privatpersonen, die Anteilsscheine halten.

Das Management war unvorbereitet

Was Hagen im Oktober überrascht hat, war nicht, dass sein Institut durch den Stresstest gefallen war. "Wir hatten schon seit der Veröffentlichung unserer Bilanz im Frühjahr 2014 offen kommuniziert, dass wir die formalen Kriterien für den Test nicht erfüllen können und deshalb eine Kapitalerhöhung durchführen", so Hagen. Was er unterschätzt hat, war jedoch die Dynamik, die sich an einem solchen Tag entfalten kann, das gibt er auch freimütig zu. Sein wirklicher Überraschungsmoment war jedoch schon im Herbst 2013 - als die EZB erklärt hat, dass die Münchener Hyp mit auf der Liste der europäisch relevanten Banken steht. "Ich hätte nicht im Traum daran gedacht, dass wir für Europas Finanzsystem so große Bedeutung haben sollen. Unser Geschäftsmodell ist simpel und überhaupt nicht riskant", sagt Hagen.

Doch für die EZB zählte vor allem eine Kennzahl: die Bilanzgröße. Und die Münchner Hyp lag über der Schwelle von 30 Milliarden Euro. In der Überraschung auf der Liste zu stehen, liegt auch der Hauptgrund dafür, dass die Münchener Hyp durchgefallen ist: Sie war unvorbereitet. Das Management hatte damit gerechnet, die neuen Kapitalanforderungen erst im Jahr 2019 erfüllen zu müssen. "Darauf haben wir uns vorbereitet. Aber nicht darauf, dass wir diese Kapitalquoten schon 2014 in einem Stresstest vorweisen müssen", sagt der Vorstandsvorsitzende.

"Von Anfang an keine Chance, den Test zu bestehen"

Münchener Hypothekenbank fällt duch Stresstest

Eine Bank, die mit einem Schlag als Verlierer dastand.

(Foto: dpa)

Und dann begann ein hektischer Herbst. Grundlage für den Bankenstresstest war der Stichtag 31.12.2013. "Uns blieben eigentlich nur acht Wochen Zeit, das Kapital hereinzuholen", so Hagen. "Wir hatten von Anfang an keine Chance, den Test zu bestehen." Anders als eine Aktienbank kann ein genossenschaftliches Institut nicht einfach an den Finanzmärkten neues Geld holen. "Wir mussten unsere Anteilseigner ansprechen und um eine Kapitalerhöhung bitten. Das ist aufwendig, da wir 77 000 Mitglieder haben", erklärt Hagen.

240 Millionen Euro brauchte die Münchener Hyp. Und das bedeutet Kleinstarbeit: Ein Mitgliedsschein hat den Nennwert von 70 Euro, die Anteile, die Volks- und Raiffeisenbanken halten, sind größer. Geschafft hat es die Bank zwar - aber zu spät. Im ersten Halbjahr 2014 hatte Hagens Mannschaft 400 Millionen Euro eingesammelt, doch für den EZB-Stresstest war das irrelevant, dafür galt der Jahresabschluss 2013, in dem von diesen Millionen noch nichts vermerkt war.

Unverständnis, dass die Bilanzsumme entscheidend war

Und so stand die Bank als Verlierer da. "Bei mir hat sofort meine Großmutter angerufen und wollte wissen, ob mein Job schon sicher ist", sagt ein Mitarbeiter der Bank. "Wir mussten so viel erklären, den Kunden, den Geschäftspartnern, echt überflüssig", so der Angestellte weiter. Insgesamt hat die Bank rund 550 Mitarbeiter - andere Großbanken haben in etwa so viele Mitarbeiter abgestellt, um den Stresstest vorzubereiten. Die Münchener Hyp sieht sich da benachteiligt; dass das entscheidende Kriterium für den Stresstest die Bilanzsumme war, stößt in München auf Unverständnis.

Doch in Frankfurt bei der EZB verweist man auf die Hypo Real Estate (HRE). Auch das war eine reine Immobilienbank mit riesiger Bilanz, und sie hat in der Finanzkrise den Steuerzahler Milliarden gekostet. Ein Vergleich, der Hagen regelmäßig ärgert. Die HRE war über viele Jahre hinweg extrem riskant unterwegs, in sehr vielen verschiedenen Ländern aktiv und hat schlechte Risiken auf der Suche nach den besten Renditen in Kauf genommen. "Die Unternehmenskultur und das Geschäftsmodell der Münchener Hyp ist komplett anders", sagt Hagen. Die Renditeerwartungen der Eigentümer seien nicht so hoch wie jene einer börsennotierten HRE, zudem sei die Münchener Hyp Teil des genossenschaftlichen Sicherungssystems.

Mehr Beachtung als der Hypo Real Estate schenkt Louis Hagen ohnehin seiner Konkurrenz im genossenschaftlichen Sektor. Immer wieder gibt es Gerüchte, dass die Hypothekentöchter der WGZ-Bank oder jene der DZ-Bank mit der Münchener Hypothekenbank anbandeln könnten. Eine Idee, die den Münchnern nicht recht zu gefallen scheint. Denn da stünde die Identität der Bank auf dem Spiel. Und das Logo. Denn bis heute darf die Münchener Hypothekenbank mit der Krone der Wittelsbacher werben - das Privileg wäre bei einer Fusion vermutlich das erste Opfer.

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