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Metro:Gedankenspiele mit Karstadt

Die Entscheidung über die Zukunft von Karstadt naht. Noch immer liebäugelt Metro-Chef Cordes damit, einige Filialen zu übernehmen - so könnte er Kritiker vorläufig ruhigstellen.

So weit weg von der Konzernzentrale in Düsseldorf hat sich der Vorstand der Metro-Gruppe wohl noch nie zu einer Sitzung getroffen: Mitte Mai kommen Konzernlenker Eckhard Cordes und sein Team in Shanghai zusammen. Dass der turnusmäßige Treff diesmal in China stattfindet, hat seinen Grund. Metro sponsert den Auftritt der Stadt Düsseldorf bei der Weltausstellung Expo in Shanghai, die am 1. Mai ihre Tore öffnet.

Metro Group, Foto: getty

Wird Karstadt in Einzelteilen verkauft, könnte Konkurrent Metro zuschlagen.

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Hinzu kommt, dass China in der Expansionsstrategie von Metro eine besondere Rolle spielt. Bis zu acht Großhandelsmärkte will der Handelskonzern dort 2010 eröffnen. Zudem wird die Tochter Media Saturn im September in Shanghai ihren ersten Markt starten. Verläuft die Testphase erfolgreich, will Cordes in China rasch "Vollgas" geben.

Gut möglich, dass sich der Metro-Vorstand bei seinem Treffen fern der Heimat auch mit der Zukunft der Konzerntochter Kaufhof beschäftigen wird. Zwar hatte Cordes das Warenhausunternehmen bereits vor zwei Jahren zum Verkauf gestellt. Aber zu den Preisvorstellungen von Metro, die eher bei drei als bei zwei Milliarden Euro liegen, wollte bisher niemand anbeißen. Die Zurückhaltung hatte freilich auch mit der ungewissen Zukunft des Konkurrenten Karstadt zu tun, der im Juni vergangenen Jahres Insolvenz anmeldete. Denn auf Dauer, da sind sich Handelsexperten sicher, ist in Deutschland nur Platz für ein Warenhausunternehmen.

Jetzt aber naht eine Entscheidung über die Zukunft von Karstadt, und damit wird es auch für Kaufhof spannend. Schließlich wird jeder, der ernsthaft Interesse an Karstadt hat, auch die Chancen einer Übernahme von Kaufhof ausloten. Bis nächsten Freitag will Insolvenzverwalter Klaus-Hubert Görg einen Käufer für Karstadt als Ganzes gefunden haben. Metro hatte frühzeitig erklärt, allenfalls an Teilen interessiert zu sein und gehörte deshalb nicht zu den Bewerbern, denen Görg im Datenraum von Karstadt Einblick in die Geschäftsbücher gewährte.

Guter Draht zu Goldman Sachs

Untätig ist Cordes, 59, deshalb in dieser Sache nicht. In den vergangenen Tagen habe es intensive Gespräche zwischen Metro und mehreren Investoren gegeben, die sowohl an Kaufhof als auch an Karstadt interessiert seien, heißt es in unternehmensnahen Kreisen. Außerdem hat Metro die Vorbereitungen für einen Verkauf von Kaufhof vorangetrieben. Die Daten sind dem Vernehmen nach bereits so weit sortiert, dass Kaufinteressenten jederzeit Einblick nehmen können.

In dieser Gemengelage trifft es sich für Cordes gut, dass er zu Alexander Dibelius, dem Deutschland-Chef der US-Investmentbank Goldman Sachs, einen guten Draht besitzt. Beide kennen sich seit langem; man trifft sich, auch privat. Was keine großen Umstände macht, schließlich stehen die Wohnhäuser der Manager in München nicht weit voneinander entfernt. Goldman Sachs ist über einen Mehrheitsanteil am Highstreet-Konsortium an 83 der insgesamt 120 Karstadt-Häuser beteiligt. Mit einer Übernahme des Warenhausunternehmens als Ganzes könnte Goldman Sachs versuchen, den Schaden zu begrenzen, der den Karstadt-Vermietern bei einer Zerschlagung der Kette droht. Ein entsprechendes Angebot hat die Investmentbank dem Insolvenzverwalter jedoch noch nicht vorgelegt.

Wird Karstadt dagegen in Einzelteilen verkauft, kommt Cordes mit Verspätung doch noch zum Ziel: Er kann sich diejenigen Häuser aussuchen, die das Filialnetz von Kaufhof sinnvoll ergänzen. Ob Metro die Integration der Karstadt-Standorte dann selbst erledigt oder die Häuser gleich zusammen mit Kaufhof in eine neue Warenhausgesellschaft einbringt, an der sich möglicherweise Goldman Sachs beteiligt, dürfte eine Frage des Preises sein.

Kritik am Chef

Allem medialen Rummel um Kaufhof zum Trotz - mit Blick auf das Gesamtportfolio sind die Warenhäuser für Metro fast zu vernachlässigen. Denn mit 3,5 Milliarden Euro Umsatz repräsentiert Kaufhof nur knapp fünfeinhalb Prozent der Konzernerlöse. Sollte Cordes aber eine Lösung für die Tochter finden, hätte er endlich etwas in der Hand, das er seinen Kritikern entgegenhalten kann. Denn zuletzt sind die Stimmen derjenigen immer lauter geworden, die meinen, der bei Metro seit Sommer 2007 amtierende frühere Daimler-Manager habe den Umbau der Handelsgruppe viel zu zögerlich angegangen.

Gut drei Milliarden Euro hatte die Haniel-Gruppe vor knapp drei Jahren ausgegeben, um ihren Anteil bei Metro so weit aufzustocken, dass sie zusammen mit der Familie Schmidt-Ruthenbeck das Sagen hat. Mit diesem Kraftakt wollten die Großaktionäre die Voraussetzung schaffen, dass der Manager ihres Vertrauens, nämlich Cordes, die großen Werte hebt, die sie bei Metro vermuten. Aber den Preis, den Haniel damals für die Metro-Aktie zahlte, hat das Papier seitdem nie wieder erreicht. So geht es Fußball-Fan Cordes, der mit dem FC Bayern sympathisiert, wie einem glücklosen Stürmer, den sein Verein für viel Geld angeworben hat: Mit jedem Spiel, in dem er nicht trifft, wird lauter gefragt, wann sich die gezahlte Ablöse endlich verzinst.

Ein erfolgreicher Kaufhof-Deal würde Cordes Luft verschaffen. Zumindest für einige Zeit. Bald wird Haniel-Chef Jürgen Kluge, der im Mai den Vorsitz im Metro-Aufsichtsrat übernimmt, aber auch nach Lösungen für die anderen Vertriebslinien fragen: Für die nur langsam genesende SB-Warenhaustochter Real, die voraussichtlich keine Zukunft bei Metro hat. Für die in Deutschland schwächelnden Großhandelsmärkte, das wichtigste Standbein des Konzerns. Und für die Elektronikkette Media-Saturn, die beim Aufbau des Online-Geschäfts spät dran ist. So verspricht der Mai sowohl für den Manager als auch für den Fußball-Fan Cordes ein spannender Monat zu werden. Schließlich kann der FC Bayern im nächsten Monat drei Titel gewinnen.