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Mehr Geld für Apotheker:Harter Kampf der Gesundheits-Lobbyisten

190 Millionen Euro mehr im Jahr sollen die Apotheker künftig erhalten. So stellt es sich zumindest Bundeswirtschaftsminister Rösler vor. Doch den Apothekern ist das immer noch zu wenig. Sie hatten mit weitaus mehr gerechnet.

Nie waren die Rücklagen im Gesundheitssystem größer. Auf bis zu 27 Milliarden Euro könnten sie noch in diesem Jahr steigen. Das hatte der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) erst kürzlich errechnet. Eine einmalig hohe Finanzrücklage in der Geschichte der Bundesrepublik wäre das. Eine Zahl, die ein Glänzen in den Augen von Lobbyisten verursacht, besteht doch die Chance, etwas von diesen Reserven abzugreifen.

Profiteure gab es bisher dennoch nicht. Eine Entlastung der Beitragszahler wurde von den Kassen abgelehnt. Für eine generelle Beitragssenkung seien die Rücklagen nicht groß genug, hieß es. Lediglich 29 Tage kämen die Kassen mit dem angesammelten Kapital aus.

Nun jedoch sollen die Apotheker kräftig profitieren. 190 Millionen Euro mehr sollen sie vom kommenden Jahr an erhalten - so zumindest sind die Vorstellungen von Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP). Ein Referentenentwurf zur Änderung der Arzneimittelpreisverordnung über den zunächst die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtete, sieht dies vor. Geplant ist, den Zuschlag auf den Packungspreis um 25 Cent auf 8,35 Euro zu erhöhen. Viel zu wenig, wie die Apotheker finden, obwohl jede der etwa 20.000 Apotheken in Deutschland dadurch mit Mehreinnahmen von etwa 9.500 Euro pro Jahr rechnen könnte.

Die Apothekervergütung setzt sich aus einem Zuschlag von drei Prozent auf den Einkaufspreis des Medikaments und dem Zuschlag von derzeit noch 8,10 Euro je Packung zusammen. Diese Kosten tragen die Versicherungen. Patienten müssen unabhängig davon noch Zuzahlungen von bis zu zehn Euro leisten.

Apotheker hatten auf 624 Millionen Euro gehofft

Die Apotheker hatten eine Anhebung des Zuschlags auf 9,14 Euro verlangt. 624 Millionen Euro sollten nach Wunsch des Apothekerverbandes mehr in die Kassen kommen. Die Funktionäre fordern das Geld, weil die Kosten in den vergangenen Jahren gestiegen sind, die Honorare aber geringer ausfielen. Sie kritisierten den Vorschlag aus dem Bundeswirtschaftsministerium scharf: "Das sind 25 Cent Erhöhung pro abgegebene Packung nach neun Jahren ohne Anpassung - da kann das letzte Wort noch nicht gesprochen sein", sagte der Präsident der Apothekervereinigung Abda, Heinz-Günter Wolf, der FAZ.

Bei den Krankenkassen wartet man gespannt auf eine stichhaltige Begründung für die Mehrausgaben. "Bisher konnten die Apotheker zu Umsatz, Gewinn und Betriebskosten keine belastbaren Daten vorlegen", sagte eine Sprecherin des Spitzenverbands.

Bundeswirtschaftsministerium sieht "ausgewogenen Entwurf"

Aus dem Bundeswirtschaftsministerium hieß es, es handele sich "um einen ausgewogenen Entwurf". Dies zeige schon die unterschiedliche Bewertung durch Apothekerverband und Krankenkassen. Der mit dem Bundesgesundheitsministerium einvernehmlich erarbeitete Vorschlag wird derzeit mit den anderen Ressorts abgestimmt. Es handelt sich den Angaben zufolge um die erste Anhebung der Vergütung seit 2004. Die vorgesehene Erhöhung belastet die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) dem Entwurf zufolge von 2013 an mit Mehrkosten von jährlich rund 162 Millionen Euro und die private Krankenversicherung mit etwa 21 Millionen Euro.

© Süddeutsche.de/dpa/rela/mkoh
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