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Medikamente:Shop Apotheke profitiert von der Krise

Die Corona-Pandemie hat einen Boom bei Online-Bestellungen ausgelöst. Auch bei Shop Apotheke werden mehr Medikamente im Internet bestellt.

(Foto: oh)

Der Online-Arzneihändler machte im vergangenen Jahr einen Wachstumssprung.

Von Clara Thier

Der Online-Arzneihändler Shop Apotheke zählt zu den Pandemie-Gewinnern: Im vergangenen Jahr hatte das MDax-Unternehmen von einem Boom bei Online-Bestellungen infolge der Corona-Pandemie profitiert. Die neu veröffentlichten Zahlen zeigen, dass die Online-Apotheke 2020 ihre mehrmals angehobenen Jahresziele übertroffen hat und sich der Ertragswende nähert. In den vergangenen zwölf Monaten haben sich die Aktien mit 198 Euro mehr als verfünffacht; das Umsatzplus betrug 38 Prozent. Nach einem außergewöhnlich starken Jahr will der Online-Arzneihändler auch 2021 weiter wachsen, allerdings mit etwas weniger Tempo. Das reichte Marktteilnehmern jedoch nicht: Die Anteilsscheine verloren am MDax-Ende 6,3 Prozent.

Die Konzernspitze nimmt die Umsatzmilliarde ins Visier: "Die Milliardengrenze werden wir dieses Jahr deutlich überschreiten", kündigte Vorstandschef Stefan Feltus an. Die Erlöse sollen um mindestens 20 Prozent zulegen. Mit seinem operativen Rendite-Ziel von 2,3 bis 2,8 Prozent - im Vorjahr waren es 2,2 Prozent - blieb Feltus allerdings vorsichtig. "Es gibt in diesem Jahr ein paar Unwägbarkeiten." So sei noch unklar, wie sich der Wettbewerb mit der Einführung des elektronischen Rezeptes auswirkt, die zur Jahresmitte geplant ist. Besonders Online-Apotheken könnten von der Einführung der E-Rezepte profitieren.

Weil in der Pandemie viele Menschen auch Medikamente und andere Apothekenprodukte lieber online kauften, hatte Shop Apotheke im vergangenen Jahr 1,6 Millionen neue Kunden hinzugewonnen. Die Erlöse waren auf 968 Millionen Euro angezogen nach 701 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Den größten Batzen steuern noch immer die Märkte Deutschland, Österreich und Schweiz bei. Bis jetzt schreibt Shop Apotheke unter dem Strich jedoch Verluste: 2020 lag das Betriebsergebnis trotz 38 Prozent Umsatzplus bei minus 0,9 Millionen Euro nach einem Verlust von 33,4 Millionen in 2019. Netto blieb ein Fehlbetrag von 16,8 Millionen Euro - deutlich weniger Verlust als im Vorjahr mit minus 36,3 Millionen. Beim bereinigten operativen Ergebnis schaffte der Konzern mit 21,6 (Vorjahr: minus 13,6) Millionen Euro den Sprung in die Gewinnzone. Für 2021 peilt Shop Apotheke mehr Profitabilität an.

Wie stark das Unternehmen aus Venlo in den Niederlanden 2021 wachsen kann, wird unter anderem von der Öffnungsstrategie der Bund-Länder-Beratung abhängig sein. "Die Marktteilnehmer gehen davon aus, dass die deutsche Wirtschaft schon sehr bald wieder in die Normalität zurückgeführt werden kann", sagte Marktexperte Andreas Lipkow von Comdirect. Ob der Online-Arzneimittelhändler seinen Wachstumskurs beibehalten kann, wird sich dann zeigen.

© SZ vom 04.03.2021
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