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Markenprodukte:Typisch deutsch? Von wegen!

Viele heimische Marken und Produkte sind jahrzehntealt, jeder kennt sie seit der Kindheit. Doch hinter ihnen stehen oft längst Weltkonzerne.

Von Peter Eßer

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Tempo

80 Jahre 'Tempo'-Taschentuch - Werk Neuss

Quelle: picture-alliance/ dpa

Bereits 1929 ließen sich die Vereinigten Papierwerke Nürnberg die Marke Tempo schützen. Als umgangssprachliche Bezeichnung für das Papiertaschentuch ist es heute Teil der Alltagssprache - und steht damit sogar im Duden. Marke und Unternehmen sind aber bereits seit 1994 nicht mehr in deutscher Hand. Der US-Konzern Procter & Gamble kaufte damals den deutschen Hersteller. 2007 übernahm dann der schwedische SCA-Konzern das europäische Taschentuchgeschäft der Amerikaner. Hergestellt werden die Tempos für den deutschen Markt heute auch nicht mehr in Franken, sondern in Neuss am Niederrhein.

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Apollinaris

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Quelle: imago stock&people

Eigentlich wollte Georg Kreuzberg Wein anbauen. Der gedieh aber nicht. 1851 fand er dann unter seinem Weinberg bei Bad Neuenahr eine Quelle mit kohlensäurehaltigem Wasser. Unter dem Namen Apollinaris verkaufte sich das Getränk besonders in Großbritannien so gut, dass Kreuzbergs Erben gegen Ende des 19. Jahrhunderts den Namen und das rote Dreiecksymbol als Warenzeichen eintragen ließen und die Firma an eine Londoner Holding verkauften. Die Nazis enteigneten 1939 die britischen Eigentümer allerdings, nach dem Krieg wechselte die Marke noch einige Male den Besitzer. Seit 2006 vertreibt nun die Coca-Cola Company das Wasser aus dem Ahrtal.

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AEG und Telefunken

IFA Technology Fair

Quelle: Getty Images

Die AEG-Tochter Telefunken ging als Pionier der Fernsehtechnik in die Geschichte ein. Die Muttergesellschaft, gegründet 1883 in Berlin, war hinter Siemens lange Zeit der zweitgrößte deutsche Elektrohersteller. 1982 ging der Konzern aber pleite, es folgten die Übernahme durch Daimler-Benz und schließlich die Zerschlagung. Heute sind nur noch die Markennamen geblieben: Der schwedische Hausgerätehersteller Electrolux vergibt die Lizenzen für "AEG", die Telefunken Licenses GmbH mit Sitz in Frankfurt für "Telefunken". Der deutsche Name suggeriert Qualität, sagt aber nichts darüber aus, wer die AEG-Waschmaschinen und Telefunken-Fernseher herstellt.

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Beck's, Diebels & Co

Supermarket Chains Accused Of Price Fixing

Quelle: Getty Images

Ein typisch deutsches Getränk? Auch wenn Deutschland kein wirkliches Nationalgetränk hat, wäre Bier vermutlich die häufigste Antwort. Die Konzerne hinter vielen heimischen Brauereien sind aber längst nicht mehr deutsch. Zum Beispiel gehören die Marken Beck's aus Bremen und Diebels vom Niederrhein, sowie Spatenbräu, Franziskaner und Löwenbräu aus München oder der ostdeutsche Marktführer Hasseröder zur belgisch-brasilianischen Brauereigruppe AB Inbev. Bis auf Beck's, das auch in vier weiteren Ländern gebraut wird, werden diese Biere jedoch weiterhin ausschließlich in Deutschland hergestellt und abgefüllt.

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Puma

Puma plant kompostierbare Sportbekleidung

Quelle: dpa

1928 fingen Rudolf und Adolf Dassler aus Herzogenaurach an, Sportschuhe herzustellen. Nach dem Krieg zerstritten sich die Brüder aber und jeder gründete seine eigene Firma: Adidas ist ein Akronym von Adolf Dassler, Puma eine Abwandlung von "Ruda", kurz für Rudolf Dassler. Beide Firmen hatten Erfolg. Adidas ist heute im Dax notiert und hinter Nike Nummer zwei der Sportartikelhersteller. Puma, weltweit auf Rang drei, hat seinen Sitz zwar auch noch im Fränkischen, der Eigentümer aber ist Franzose: der Modekonzern Kering, zu dem auch Marken wie Gucci, Alexander McQueen und Brioni gehören. Bei der Produktion sind sich Puma und Adidas einig, sie findet größtenteils in Asien statt.

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Grundig

GRUNDIG-WERK IN NÜRNBERG

Quelle: DPA

Ein weiteres Elektrounternehmen und Symbol des Wirtschaftswunders: Die Firma Grundig aus Nürnberg war in den Fünfzigerjahren der größte Hersteller von Radiogeräten in ganz Europa. 2003 meldete das Unternehmen Konkurs an, heute gehören die Überbleibsel der Produktion sowie der Markenname dem türkischen Konzern Arçelik aus Istanbul. Die deutsche Niederlassung und die verbliebenen 72 Arbeitsplätze wurden im April nach Neu-Isenburg bei Frankfurt verlegt. Die Marke aber ist nach wie vor stark: Ob Fernseher, Wäschetrockner oder Staubsauger - Produkte, auf denen Grundig steht, verkaufen sich in Deutschland prächtig.

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Uhu

Uhu-Werke in Baden-Württemberg

Quelle: DPA

Die Firmengeschichte des Klebstoffherstellers Uhu geht zurück bis ins Jahr 1886, als ein Apotheker eine Chemiefabrik im badischen Bühl gründete. Die britische Beecham-Gruppe kaufte 1971 das international erfolgreiche Unternehmen. 1994 wechselte Uhu dann erneut den Besitzer, seitdem ist das Unternehmen eine Tochter des US-Konzerns Bolton Group. Produziert wird der Kleber aber bis heute in Bühl.

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Penaten

Klassiker in der Dose - die Penaten Creme

Quelle: Johnson & Johnson GmbH

Penaten ist wohl die berühmteste Deutsche Marke für Babypflegeprodukte. Das Unternehmen wirbt gerne mit seiner nunmehr 112-jährigen Geschichte: Max Riese aus Bad Honnef bei Bonn entwickelte die Rezeptur der Penaten-Creme im Jahr 1904. Bereits 1986 übernahm der US-Konzern Johnson & Johnson das Unternehmen, 2000 dann machte er die Produktionsstätten in Bad Honnef dicht und verlagerte sie nach Italien und Frankreich.

© SZ.de/pesp/sry

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