bedeckt München 11°

Mappus und der EnBW-Deal:Stefan gegen den Rest der Welt

Former Baden-Wuerttemberg premier Mappus (CDU) arrives for hearing at EnBW commission of enquiry in Stuttgart

Mappus am Freitag vor dem EnBW-Untersuchungsausschuss: Wie der Ausschuss mit Mappus umgehe, erinnere an "Schauprozesse in totalitären Diktaturen", sagte sein Anwalt Bernd Schünemann

(Foto: REUTERS)

Baden-Württembergs ehemaliger Ministerpräsident Mappus behält selbst im politischen Ruhestand seinen Ruf als Rabauke. Inzwischen hat er auch das letzte Stück Rücksicht auf seine CDU aufgegeben: Sein giftiges Erbe wird die Partei noch 2016 spüren.

Ein Kommentar von Roman Deininger, Stuttgart

Wenn aus dem Stuttgarter Streit um den EnBW-Deal ein Film werden sollte, wäre der Titel klar: "Stefan gegen den Rest der Welt". Der Zuschauer hegt bei solchen Geschichten ja Sympathie für den einsamen, verzweifelten Helden.

Stefan Mappus, Ex-Ministerpräsident im Kampf um seine Ehre, macht es dem Zuschauer aber nicht gerade leicht. Sein Anwalt hat den EnBW-U-Ausschuss mit "Schauprozessen in totalitären Diktaturen" verglichen - Mappus plant offenbar nicht, im politischen Ruhestand seinen Ruf als Rabauke abzulegen.

Auch das letzte bisschen Rücksicht auf seine CDU hat er aufgegeben: Sein giftiges Erbe wird die Partei noch bei der Landtagswahl 2016 spüren. Mappus klagt jetzt gegen das Land, das er einst regierte, und gegen seine Rechtsberater beim EnBW-Kauf. Letzteres ist ein vielsagender Kurswechsel: Die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen ihn scheint er nicht mehr gelassen zu verfolgen.

Trotz der lausigen Stilnoten hat sein Großangriff ein sachliches Fundament. Ob Mappus für die EnBW-Aktien wirklich zu viel bezahlt hat, entzieht sich bisher (und vielleicht auch künftig) einer seriösen Bewertung. Der löbliche Ausschuss verliert sich immer mehr in taktischen Spielchen aller Lager. Durch ständige Durchstechereien belastet die parlamentarische Aufklärung die juristische; sie sollte schnell enden.

Wie der Film ausgeht, entscheiden allein die Gerichte.

© SZ vom 17.02.2014/lala

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite