Malaysia Airlines Neustart nach der Katastrophe

Am Boden: Rückläufige Buchungen und die Gefahr hoher Entschädigungszahlungen setzen der ohnehin angeschlagenen Malaysia Airlines derzeit massiv zu.

(Foto: Vincent Thian/AP)

Um die angeschlagene Malaysia Airlines am Leben zu halten, nimmt der malaysische Staat die Fluggesellschaft von der Börse - in der Hoffnung, die Sanierung falle dann leichter. Ein Neuanfang war bisher immer an den mächtigen Gewerkschaften gescheitert.

Von Karl-Heinz Büschemann

Was der oberste Vertreter der asiatischen Fluggesellschaft vor seinen Aktionären erklärte, klang wie das typische Lamento eines Luftfahrtmanagers. "Der Wettbewerb ist härter geworden", klagte Tan Sri Md Nor Yusof, Verwaltungsratschef von Malaysia Airlines (MAS). Er beklagte die Überkapazitäten bei den Fluggesellschaften und die schlechte Auslastung der Flugzeuge. Und dann sei da noch der Verfall der nationalen Währung, des Ringgit. Das hätte "erhebliche Auswirkung auf unser Ergebnis" gehabt.

Aber bei Malaysia-Airlines reicht das noch nicht zur Erklärung der herannahenden Pleite. Die Airline hatte auch Pech. Im März war eines ihrer Flugzeuge über dem Indischen Ozean verschwunden, am 17. Juli folgte die nächste Katastrophe: Eine ihrer Boeings wurde über der Ukraine abgeschossen. 537 Tote binnen vier Monaten, das war zu viel für Malaysia Airlines.

Jetzt soll die Fluggesellschaft, die bisher zu knapp 70 Prozent dem malaysischen Staatsfonds Khazanah Nasional gehört, von der Börse genommen und komplett in staatliches Eigentum übernommen werden. Das teilte Khazanah Nasional am Freitag mit. Der Fonds bietet einen Aufschlag von 12,5 Prozent auf den Aktienkurs und will die Fluggesellschaft "wieder zum Leben erwecken", wie es hieß.

Dazu müsse die Gesellschaft komplett umgebaut werden. Die Übernahme soll 321 Millionen Euro kosten. Ein Plan für die Restrukturierung des Unternehmens, bei dem 19 500 Menschen arbeiten und das ein knappes Viertel seines Umsatzes mit Verbindungen nach Europa und Nahost macht, werde bis Ende August vorgelegt. Die Gesellschaft habe "hohen Finanzbedarf", erklärte der Staatsfonds.

Ohne den Staat hätte die Airline keine Chance auf eine Zukunft

Premierminister Najib Razak begründete den Schritt mit einer Prise nationalem Pathos. Das Unternehmen sei "ein Symbol des Nationalstolzes, unserer Ambitionen und unseres Platzes in der Welt", teilte er mit. "Es ist mehr als nur ein Unternehmen." Die Airline sei ein Teil der Zukunft Malaysias.

Ohne den Staat hätte MAS keine Zukunft, ohne den Staat hätte die nationale Fluggesellschaft aber auch keine Vergangenheit gehabt. Malaysia Airlines fliegt mit etwa 90 Verkehrsflugzeugen seit Langem nur Verluste ein. Analysten rechnen vor, dass die Gesellschaft derzeit jeden Tag umgerechnet etwa eine Million Euro verbrennt. Den malaysischen Staat hat die Verlustgesellschaft seit 1998 nach Medienberichten schon rund vier Milliarden Euro gekostet. Analysten waren zuletzt sicher, dass Malaysian nur noch ein paar Monate würde überleben können.

Es gab inzwischen vage Hoffnungen, dass in diesem Jahr wieder ein Gewinn anfallen könnte. Aber hohe Spritpreise und vor allem die Konkurrenz von Billigfliegern, die auch im asiatischen Raum den großen Gesellschaften massiv zusetzen, sorgten für zu starken Druck auf die Preise. Aber nach den beiden Katastrophen, dem daraus folgenden Imageschaden, dem Rückgang der Buchungen und dem zusätzlichen Risiko, auch noch hohe Entschädigungen zahlen zu müssen, war der Optimismus schnell verflogen. Allein in diesem Jahr ist der MAS-Aktienkurs um ein Drittel abgestürzt.

Schon lange wird am Firmensitz in Kuala Lumpur nach einer Lösung für die Krisengesellschaft gesucht. Eine Option war vor einiger Zeit, die Gesellschaft in Konkurs zu schicken, um dann einen Neuanfang zu machen. Man hoffte, danach mit den mächtigen Gewerkschaften neue Verträge aushandeln zu können. Das scheiterte.

Mit dem Rückzug der MAS von der Börse sei die Sanierung einfacher

Die Arbeitnehmervertreter haben bei MAS eine starke Stellung. Die Gewerkschaften verhinderten 2012 auch den Versuch des Managements, die Gesellschaft mit der - erfolgreichen - Billigfluggesellschaft Air Asia zusammenzuführen. Und sie trugen dazu bei, dass die Mitarbeiter mitten in der Krise der vergangenen Wochen einen "Dankbarkeitsbonus" in Höhe von rund 450 Euro pro Person bekamen.

Mit dem Rückzug der Fluggesellschaft von der Börse sei die Sanierung einfacher, heißt es bei Finanzfachleuten. Bei börsennotierten Gesellschaften sind die Anforderungen und Vorschriften anspruchsvoller. Jetzt geht es aber vor allem um die Frage, mit welcher Strategie es Malaysia Airlines in Zukunft besser machen will.

Erst einmal teilte der Vorstand mit, der laufende Betrieb werde unverändert fortgeführt. Branchenkenner glauben, dass der Umbau von MAS und eine neue Strategie nur mit einem neuen Management zu machen sind. "Die Airline braucht eine neues Herz und ein neues Hirn", sagt Shukor Yusof vom Beratungsunternehmen Endau Analytics. "So wie heute ist sie dem Untergang geweiht."

Analysten sind zudem sicher, dass Malaysia Airlines nur eine Überlebenschance hat, wenn die Gesellschaft die internationalen Verbindungen einstellt, die nach den beiden Desastern dieses Jahres beeinträchtigt worden waren. Die Gesellschaft solle sich auf nationale Verbindungen beschränken. Diese Vorstellung kollidiert allerdings mit den Vorstellungen des Premierministers, der in seiner staatlichen Fluggesellschaft einen internationalen Werberträger sieht.